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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #256

Ein Satz warme Ohren gefällig? Aber gerne doch: Mit Wohlfühl-Folk, Erwachsenen-Pop, Queer Trash, Emo und Punk, R’n’B, Rap und einem echt starken Trap-Projekt lebt das Heimspiel, um zu geben.
Geschrieben am
Beginnen wir mit einer guten Portion Wohlfühl-Pop von Liza & Kay, deren zweites Album »Mit der Aussicht Einsicht« (Kühlschrank) 13 Songs lang mit fein ziselierten Harmonien im Folkpop-Gerüst auf sehr angenehm-poetische Weise vom Leben erzählt, ohne jemals ganz dringlich zu werden. Zeilen wie »Komm, frischer Wind, wir mischen den Staub auf« versprühen allerdings eine Aufbruchstimmung, die das insgesamt doch sehr in sich ruhende musikalische Gerüst nicht halten kann.

Liza&Kay

Mit der Aussicht Einsicht

Release: 25.08.2017

℗ 2017 Kühlschrank Records

Auch Fortuna Ehrenfeld treten nicht gerade aufs Gaspedal: Wenn die Band ihren Sound als »Pop für Erwachsene« labelt, ist das allerdings kein Grund, als junger Mensch wegzuhören. »Hey Sexy« (Grand Hotel van Cleef) strotzt vor kurios-denkwürdigen Texten, und trotz Songtiteln wie »Der Puff von Barcelona« hat die Kölner Band nicht ansatzweise mit Prolligkeit zu kämpfen. Der feingliedrige, zuweilen eigenwillige, manchmal chansoneske Indie-Pop ist gut fürs Herz und wahrhaftig auch für den Kopf.

Fortuna Ehrenfeld

Hey Sexy

Release: 18.08.2017

℗ 2017 Grand Hotel Van Cleef

Die Paderborner Aufbau West kommen mit Haltung um die Ecke. Ihre fünf Songs starke EP »Die Märchen der Gebrüder Grimmig« (Recordjet) ist nicht nur eine Bestandsaufnahme von Deutschlands Gesellschaft 2017 und deren schlimme Erinnerungen weckenden Auswüchsen, sondern auch eine schallende Ohrfeige an alle, die nur zuschauen statt anzupacken und sich gerade zu machen, um den Pegidioten dieses Landes zu zeigen, wo der Hammer hängt. All das kommt in einem beißenden Postpunk-Gewand mit galligem Halbsprechgesang daher und ist sehr hörenswert.

Aufbau West

Die Märchen der Gebrüder Grimmig - EP

Release: 08.09.2017

℗ 2017 Aufbau West

Alles außer einem mächtig strangen Album wäre eine große Überraschung, wenn man weiß, dass hinter der Boiband kein Geringerer als der große lyrische Querphrasierer Hans Unstern steckt. Zusammen mit Tucké Royal und dem Berliner Beat-Lieferanten Black Cracker widmet er sich auf »The Year I Broke My Voice« (Staatsakt) der Unterdrückung des queeren Lifestyles, dem unkontrollierten Jugendwahn dieser Gesellschaft und der Liebe an vergifteten Orten. Seltsam catchy und spannend, das Ganze.

Boiband

The Year I Broke My Voice

Release: 25.08.2017

℗ 2017 Staatsakt.

For Them All aus Koblenz zelebrieren auch auf ihrer neuen EP »Thoughts« (Midsummer) einen mitreißenden Mix aus Punk und Powerpop. Da wird alles aufgefahren, was diese beiden Genres so herrlich kompatibel macht: die großen Hooks, die tighten Riffs, die einprägsamen Melodien, die zwischen Singen und Schreien changierenden Vocals. »Every Night« ist ein kleiner Hit, aber das sechs Songs starke »Thoughts« enthält eh keinen Füller.

Midsummer (Cargo Records)

Thoughts

In eine ganz ähnliche Kerbe schlagen die Schweizer Cold Reading, deren neue EP »Sojourner« (KROD) die beim Debütalbum gesammelten Vorschusslorbeeren rechtfertigt. Dass das Quartett aus Luzern bei aktuellen Szenegrößen wie The Hotelier und All-Timern wie Get Up Kids als Live-Support dabei war, machen die vier neuen Stücke, von denen »Books & Comfort« am meisten beeindruckt, leicht nachvollziehbar. Es wird Zeit, diese Band mit ihrem druckvoll-dichten Emo-Rock zu feiern.

Kroc Records / Distribution All Styles Editions

Sojourner

Auch in Österreich spielt man dieser Tage hochenergetischen Punk: Kitty In A Casket haben ihr Motto zum Albumtitel gemacht. »Rise!« (Rodeostar) ist ein Aufruf zu mehr Zivilcourage und Gegenwehr gegen Ungerechtigkeiten, weil das eigene Schicksal nicht von außen bestimmt werden darf. Kitty Casket, die der Band ihren Namen gab, widersteht mit erdigen Riffs und starken Refrains jeder Form von Riot-Grrrl-Schema und lässt »Rise!« – unabhängig von seiner wichtigen Message – auch im Pop-Kontext aufrichtig wirken.

Kitty In a Casket

Rise

Release: 18.08.2017

℗ 2017 Rodeostar Entertainment GmbH

Jacob Vetter alias Jata hat lange mit der Musik anderer Leute herumexperimentiert, bevor sich der studierte Jazzsänger an ein eigenes Album wagte. Sein Debüt »Mexico« (Snowhite) ist von Einflüssen aus Rap, R’n’B und Electronica geprägt und changiert zwischen Aufbruchstimmung und Wehmut. Das spiegelt einerseits die musikalische Sozialisation Vetters wider und deutet andererseits seine Aufbruchbereitschaft in alle möglichen inspirierenden Genres an. Sehr stilvoll, sehr aufregend.

JATA

Mexico

Release: 01.09.2017

℗ 2017 Snowhite

Auch Alexander Körner, der sein zunächst solo angelegtes Projekt Frère inzwischen als Quartett präsentiert, entpuppt sich als besonderes Talent: Sein Debüt »Void« (Popup) vereint die Verspieltheit Efterklangs und den Postrock von This Will Destroy You mit der kompositorischen Finesse Bon Ivers. Das sind große Namen, ja, aber die acht Stücke, die mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlagen, ergeben zusammen ein so stimmungsvolles Ganzes, dass die Vergleiche keinesfalls aus der Luft gegriffen sind.

Frère

Void

Release: 01.09.2017

℗ 2017 Frère / popup-records

Abschließend noch eine eigentlich unlösbare Aufgabe: innerhalb von 24 Stunden ein komplettes Trap-Album zu schreiben und zu komponieren, zu produzieren und aufzunehmen, zu mixen und zu mastern, ein Artwork zu erstellen und zwei Musikvideos zu drehen. Geht klar! Quemlem Swyne haben das gepackt, und »24/1« (Rummelplatzmusik) hört sich nicht mal nach Schnellschuss an, sondern besitzt richtig satte Beats und tatsächlich sogar gute Texte. Nur das mit dem Artwork müssen die Jungs noch üben.

Quemlem Swyne

24/1

Release: 25.07.2017

℗ 2017 Quemlem Swyne, distributed by Spinnup