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Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #255

Wenn die Welt am Abgrund steht, hilft nur noch Musik: gegen Gewalt und Hass, aber auch gegen Hedonismus und Vereinzelung. Zum Beispiel mit diesen elf Heimspiel-Platten.
Geschrieben am
Ein Song wie »Idioten der Saison« drängt sich in diesen Tagen förmlich auf. Das wissen auch Montreal, deren neues Werk »Schackilacki« (Amigo) sich sogar in seiner Gesamtheit gegen Wutbürger, Abstreiter und Blindfische richtet. Den Deppen des Landes mit Augenzwinkern den Spiegel vorzuhalten ist insgesamt schon sehr Ärzte, der krachende Pop-Punk der Hamburger eh. Aber was soll man sagen – die LP geht gut nach vorn und in die Beine, und von dieser Attitüde kann eh nie zu viel da sein.

Montreal

Schackilacki

Release: 23.06.2017

℗ 2017 Amigo Records / OMN Label Services

Apropos Punk mit Gesellschaftsohrfeige: Das können natürlich auch Der Wahnsinn, ebenfalls aus Hamburg. Bei ihrem neuen Album »Aus Liebe zum System« (Wahnsinn) fällt einem der Sarkasmus mit Anlauf um den Hals. Weniger gegen politische Idioten, sondern vielmehr gegen die Hedonisten, die ihre Freizeit mit unwichtigem Quatsch füllen – Currywurst, Facebook, Plauze tätscheln –, anstatt aufzubegehren. Dadurch sind wir doch wieder bei den Idioten der Saison. Auf dem Album gibt es als Beigabe übrigens noch elf der zwölf Songs in Live-Versionen. Warum auch nicht?

Der Wahnsinn

Aus Liebe zum System

Release: 18.08.2017

℗ 2017 Wahnsinns Records

Ganz ohne Punk verteilt die Songwriterin Sarah Lesch ihre Ohrfeigen, auch wenn sie gleich im Opener von »Da draussen« (Kick The Flame) sagt: »Ich weiß, dass wir’s versaut haben und dass ein Wunder jetzt auch nichts mehr bringt. Aber ich weiß auch, dass man die Angst vergisst, die Angst vergisst, wenn man singt.« Das lässt sich ganz gut als Leitfaden für ihre zwölf neuen Stücke lesen: Sarah Lesch singt unglaublich kluge, poetisch wunderbar pointierte Texte zu Gitarre, Schlagzeug, Bass und manchmal sogar Bläsern.

Sarah Lesch

Da Draussen

Release: 11.08.2017

℗ 2017 Kick The Flame

Für das ohnehin politisch eindeutig orientierte Label Audiolith aus Hamburg gehören amtliche Schellen eh zum guten Ton. »Klar zum Kentern« (Audiolith), das neue Album ihres Vorzeige-Rappers Captain Gips, passt perfekt in diese irren Zeiten: scharfe Raps, mitreißende Hooks und zwar keine Lösung für all die Probleme da draußen, aber wenigstens die passenden Kommentare dazu: »Es macht mich traurig, dass es one world, one love nicht gibt – weil es Arschlöcher wie dich gibt.«

Captain Gips

Klar zum Kentern

Release: 01.09.2017

℗ 2017 Audiolith

Tommy Finke, der einst schon die Erde als »Planet der Affen« ausrief, hat auch »Ein Herz für Anarchie« (Retter des Rock). Aber mit Punk und großen, kritischen Worten hat er nicht mehr viel zu tun. Er tanzt lieber besoffen durchs Brandenburger Tor und macht mitreißenden Songwriter-Pop, der seinen Platz neben Bosse im Radio sucht. Ein bisschen mehr Kante würde ihm dabei guttun, aber die Liebe zum Moment und zu Gesprächen über Früher ist größer.

Tommy Finke

Ein Herz für Anarchie

Release: 28.07.2017

℗ 2017 Tommy Finke / Retter des Rock Records

Dann doch lieber programmatischen Metalcore-Irrsinn: Wenn eine Band Rising Insane heißt, sie ihr Album »Nation« (Recordjet) nennt und darauf dann auch noch Songs namens »Resistance«, »This Is A Plague« oder »This Can’t Be Us« zu finden sind, ist klar, wohin die Reise geht – auch wenn man die Texte vor Gebrüll nicht versteht. »Nation« ist so genretypisch wie vorhersehbar, aber darin konsequent und stilvoll. Manchmal muss man eben einfach schreien.

Rising Insane

Nation

Release: 30.06.2017

℗ 2017 Rising Insane Records

Von unserer durch die digitale Gesellschaft herbeigeführten Vereinzelung, Vereinsamung und dem zunehmenden Kontrollverlust erzählen die Schweizer Gran Noir auf ihrem zweiten Album »Electronic Eyes« (Ambulance). Dass da kein Quell der Fröhlichkeit entsteht, ist nur logisch. Aber die Düsternis, die der Alternative-Noise-Rock dieser Band zelebriert, ist so konsequent und intensiv, dass die Platte trotz ihrer ernsten und wichtigen Themen auf positive Weise lange nachwirkt.

Gran Noir

Electronic Eyes

Release: 01.09.2017

℗ 2017 Waterfall Of Colours

Felix Denzer hat mit Fewjar schon einige Alben veröffentlicht. Auf seinem Solo-Ausritt »Ebriety« (Smile) unter dem Namen DNZR malt er mit elektronischen Klangcollagen, die sich aus Field Recordings, Jazz-Grooves, Loops, Beats und elegischen Ambient- und TripHop-Flächen speisen, das von Hedonismus, Rastlosigkeit und Wahn, aber auch von Freiheit und Unabhängigkeit geprägte Bild einer nicht benannten Metropole. Sehr suggestiv, sehr spannend.

DNZR

Ebriety

Release: 25.08.2017

℗ 2017 Smile Records

LeVent aus Berlin spielen auf ihrem gleichnamigen Debüt (A Recordings) die Art von Kraut-, Noise- und Stoner-Rock, die sich derzeit durch Bands wie Die Nerven oder Van Holzen einiger Popularität erfreut: düster, drückend, aber auch mitreißend und energetisch. Mit repetitiven Mustern und dröhnenden Drums baut die Band um Sängerin Heike Rädeker mächtige Soundwände auf. Man muss sich LeVent-Konzerte für diesen Herbst dringend vormerken, denn sie werden Feste für unsere Trommelfelle.

LeVent

Levent

Release: 30.06.2017

℗ 2017 'a' Recordings

Zum Schluss noch eine Portion gesunder Dadaismus: Das Projekt Erneuerbare Energien besteht aus Mitgliedern von Saalschutz, Der Bürgermeister Der Nacht und Kolossale Jugend, die auf ihrem selbstbetitelten Album (Hand 11) sanft tröpfelnde Elektronik-Beats mit Nonsens-Chansons (»Rasmus hat kein Internet, jetzt ist er allein im Bett«) koppeln. Da muss man grinsen, auch wenn einen der Sinn des Ganzen nicht anspringt. 

Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien

Release: 16.06.2017

℗ 2017 Hand 11

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