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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #253

Das Sommerloch steht bevor! Aber das Heimspiel gibt noch mal alles: zehn Mal große Klasse zwischen Songwriter-Traurigkeit, Indie-Rock und Retro-Psychedelic von alten Bekannten und spannenden Newcomern.
Geschrieben am
Ein ganz und gar wundervolles Album schenkt uns Rudi Maier unter dem Namen Burkini Beach. Es heißt »Supersadness Intl.« (burkinibeach.com) und macht zwischen Nerd- und Songwriter-Pop einfach alles richtig: wunderschöne, einprägsame Melodien; zutiefst persönlich und tief. Das Album entstand zunächst in Maiers Schlafzimmer, bevor er den mächtigen Simon Frontzek (Sir Simon, Tomte) für den letzten Schliff Hand anlegen ließ. Seinem Titel macht dieses Album alle Ehre: In Songs wie »Luxembourg« oder »The World At Our Fingertips« kann man sich wunderbar gehen lassen und die vielzitierte Träne aus dem Knopfloch fließen lassen.
Zwischen Garagen-Indie und Bluesrock pendeln die Hamburger Brett, die ihre Abrechnung mit den Seltsamkeiten der Gesellschaft auf zwei selbstbetitelten EPs (Chimperator) innerhalb kurzer Zeit in zwingende, intensive Riffs und gallige Lyrics kleiden und sich damit irgendwo zwischen den neuen Diskurs-Heroen Die Nerven und Van Holzen einfinden, ohne jemals deren Sperrigkeit anzuvisieren: Ihre Songs sind in hohem Maße mitspringkompatibel und immer wieder auch verboten catchy.

BRETT

BRETT - EP#2

Release: 07.04.2017

℗ 2017 Chimperator

Gerade sprachen wir über die Schönheit eines neuen Lebenszeichens von Gisbert zu Knyphausen, da folgt eine Erklärung, warum er dafür so lange gebraucht hat: Zusammen mit Moses Schneider und Der Dünne Mann arbeitete er an Songs für die kleine Supergroup Husten, deren EP (Komma) eigentlich einen Soundtrack für den Film »So was von da« nach dem Buch von Tino Hanekamp darstellt. Gisberts gewohnt präzise und poetische Lyrik auf rauen, organischen und herrlich schrammeligen Rock’n’Roll-Kleinoden? Klar funktioniert das. Und zwar erstklassig.

Husten

Husten - EP

Release: 19.05.2017

℗ 2017 Komma

Mit Betrachtungen eines studentischen Lifestyles zwischen adoleszenter Tanzwut und Nachdenklichkeit betreten Egolaut aus Leipzig die Bühne, deren EP »Kein Widerstand, nur Hitze« (Egolaut) mal breitschultrig in die Disco steppt, dann auf Reisen die große Freiheit sucht und dabei sehr versiert zwischen Rock, Soul und in den schwächeren Momenten (»Aschenputtel & Königin«) radiokompatiblem Pop wechselt. Das Stück bleibt zum Glück der einzige Ausfall auf einer ansonsten tadellosen Debüt-EP.

Egolaut

Kein Widerstand, nur Hitze - EP

Release: 21.04.2017

℗ 2017 Egolaut Records

Noch so ein leckeres Mini-Album gefällig? Bitte sehr: Flut sind Wahl-Wiener und verliebt in die 1980er, das hört man aus jeder Sekunde ihrer EP »Nachtschicht« (Problembär) heraus. Gut, das trifft auf Wanda und in gewisser Weise auch auf Bilderbuch zu, doch Johannes Paulusberger und seine Jungs bedienen sich weder am Rock-Schmäh der Ersteren noch am Glam der Letzteren, sondern changieren zwischen großer Stadiongeste und düsterem Synthie-Rock. Das macht sicher nicht nur den Austrophilen unter euch Spaß.

FLUT

Nachtschicht - EP

Release: 24.03.2017

℗ 2017 Seayou Records

Für jede Menge Druck sorgen auch die Stuttgarter An Early Cascade mit ihrem zweiten Album »Alteration« (Midsummer), die ihre Mitte zwischen Shoegaze und Postcore finden. Neben der Tatsache, dass ihnen das über die Länge von zwölf Songs prima gelingt, fällt vor allem Maik Czymaras überraschend hohe, beinah schon feminine Stimme auf, die zwischen Flehen und Schreien eine ungeheure Intensität entfaltet. In den besten Momenten erinnert das an die frühen My Chemical Romance oder die noch früheren Muse.

An Early Cascade

Alteration

Release: 05.05.2017

℗ 2017 Kick The Flame / An Early Cascade

Nach satten sechs Jahren melden sich Hoch/Tief mit einem neuen Album zurück. »Detroit/Stuttgart« (Arctic Rodeo) ist eine Art Reisetagebuch und deutlich weniger brachial als sein Vorgänger, an den sich vermutlich aber eh nicht mehr allzu viele erinnern können. So weckt die Band schöne Erinnerungen an Schrottgrenze in deren Hochphase oder die unvergessenen Muff Potter, deren Pop-Charme in den zwischen Punk und Indie-Rock angesiedelten acht 

Hoch/Tief

Detroit -> Stuttgart

Release: 26.05.2017

℗ 2017 Arctic Rodeo Recordings

Schon ihr elftes Album servieren die Münchener Jam-Rocker Colour Haze, deren »In Her Garden« (Elektrohasch) satte 72 Minuten pure Psychedelik bietet, inklusive verkiffter Gitarren-Soli, stoischer Drums und eines dreckig-rauchigen Gesangs. Diese überaus authentische Retrospektive ist Hendrix-Hommage und Cream-Verneigung in Reinform, wie üblich hier und dort einen Tick zu lang, aber immer hochversiert und stilecht.

Colour Haze

In Her Garden

Release: 24.03.2017

℗ 2017 Elektrohasch

Nicht ganz so weit in die Vergangenheit blicken One Sentence. Supervisor aus dem schweizerischen Baden, deren »Temporär Musik 1-13« (Oh, Sister) dort bereits letztes Jahr erschienen ist. Die 13 Stücke pendeln äußerst charmant, stilsicher und tatsächlich sogar tanzbar zwischen Kraftwerk-Stoizismus und 1980er-New-Wave und machen, wenn man ihnen ein wenig Entwicklungszeit lässt, jede Menge Spaß.

One Sentence. Supervisor

Temporär Musik 1-13

Release: 28.10.2016

℗ 2016 Oh, Sister Records

Zum Schluss noch etwas Unterstützenswertes: Es gibt einen neuen Song von Frittenbude, die zusammen mit CC von Irie Revoltés im vergangenen Jahr einen Projekttrip von Viva Con Agua nach Nepal begleitet haben. Die Organisation setzt sich für eine weltweite Versorgung mit sauberem Trinkwasser ein. In Nepal schrieben Frittenbude den Song »Die Glocke« (Audiolith), der die Ungerechtigkeiten, die sich vor den Fenstern der luxusverwöhnten westlichen Gesellschaft abspielen, prägnant auf den Punkt bringt. Alle Download-Erlöse kommen Viva Con Agua zugute.

Frittenbude & CC

Die Glocke - Single

Release: 22.03.2017

℗ 2017 Viva con Agua