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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #250

Dieses »Heimspiel« zieht in den Süden. So sehr, wie es eben kann: Willkommen zu einer Reise durch Bayern, nach Österreich und in die Schweiz.
Geschrieben am
Beginnen wir mit etwas Obskurem und werfen den Blick nach Bayern, wo das famose Label Trikont immer wieder Schatztruhen voll interessanter Musik öffnet. Auf »Stimmen Bayerns – Himmel & Hölle« (Trikont) wird es trotz der eröffnenden Worte des Großmeisters des bayerischen Humors, Karl Valentin, nicht volkstümlich, sondern bunt gemischt zwischen Liedermacher-Pop, Folk, Chanson und Rap. Zentral bleibt dabei aber der Dialekt. Mit Bands und Künstlern wie Dreiviertelblut, Ringsgwandl oder Hans Söllner und Spoken-Word-Beiträgen von Gustl Weishappel ist diese Compilation allemal hörenswert – sofern man Lust verspürt, sich auf so etwas einzulassen.

Trikont (Indigo)

Stimmen Bayerns-Himmel & Hölle

Ebenfalls aus Bayern stammen G. Rag Y Los Hermanos Patchekos, die ihren ebenfalls reichlich obskuren Stilbastard »Wacky Tobacky« (Gutfeeling) liebevoll »Mediterranean Trash Folk« nennen. Ober-Patcheko Andreas Staebler, gleichzeitig Labelchef und Besitzer eines Plattenladens in München, verquickt auf lässig-verspielte Weise Polka und Chanson, Tango und Ska, Merengue und Mariachi-Sounds miteinander. Da wird einem schwindelig, aber man bekommt auch auf Anhieb super Laune.

G. Rag y los Hermanos Patchekos

Wacky Tobacky

Release: 18.11.2016

℗ 2016 Gutfeeling Records

Noch mal München: Die Young Chinese Dogs, eine recht brave Folkpop-Kapelle, kommt hierher. Zwei ihrer Mitglieder, Birte Hanusrichter und Oliver Anders Hendriksson, wollen in ihrer Musik aber mittlerweile mehr dunkle Elemente, etwas Elektronik und auch in der Gitarre mehr Strom. So erschufen sie bereits vor zwei Jahren Snowfall, deren vier Songs starke »EP #1« (Hendriks & Son) tatsächlich düsterer und geerdeter klingt als der Hauptband-Output, aber niemals den Fokus vom Pop-Appeal nimmt und somit sehr charmant rüberkommt.

Snowfall

#1 - Ep

Release: 06.01.2017

℗ 2017 Hendriks & Son Records

Nicht München, aber Aichach bei Augsburg: Von hier kommt The Sensational Skydrunk Heartbeat Orchestra, dessen Name natürlich zunächst bescheuert klingt. Angesichts des ekstatischen Ska-Rock-Pop-Funk-Mixes, den es auf dem dritten Album »King & Queen« (Milkyhilly) zu hören gibt, ergibt er aber Sinn: Das ist sensationell stimmungsvoll, klingt betrunken (den Sky-Zusammenhang lassen wir weg) und lässt das Herz schneller schlagen. Gewinnt keinen Kunstpreis, macht aber großen Spaß.

The Sensational Skydrunk Heartbeat Orchestra

King & Queen

Release: 13.01.2017

℗ 2017 Milkyhilly Music

Laut wird es in Nürnberg bei den Hyenas, deren wütender, an Bands wie Converge oder Everytime I Die erinnernder Post-Hardcore des Debüts »Deadweights« (Pelagic) durch seine Punk-Attitüde glücklicherweise so viel Catchiness mitbringt, dass man dazu wahlweise allen Weltschmerz aus sich rausspringen oder den Fußboden umarmen mag. Nicht schön, aber packend.

Pelagic (Cargo Records)

Deadweights

Noch mal nach Regensburg, wo Johnny Firebird ihre Kanone geladen haben und die Welt seit sieben Jahren mit hochprozentig giftigem Punk’n’Roll, der gerne auch 1970er-Glam lüstern beäugt, beschießen. »Finders Keepers, Losers Weepers« (Ghost Town Noize) ist ein herrlich arroganter und grandios passender Albumtitel; auf den packend-energischen Tritt in den Schritt aller Squaredenker folgt ein Kuss auf die geballte und schließlich hoch in den Himmel gereckte Faust.

Johnny Firebird

Finders Keepers, Losers Weepers

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Ghost Town Noize

Von Bayern ist es nicht weit nach Österreich, genauer ins Burgenland. Dorther kommen Garish, alte Helden des Hamburger Tapete-Labels, und ihr siebtes Album »Schwarzer Kater« (Ink Music). Garishs kunstvoller Synthie-Folk-Pop klingt musikalisch filigraner und weniger rau als zuvor, nach wie vor ist er aber mit Thomas Jarmers äußerst feinsinnigen Beobachtungen von der Welt und ihren Zuständen versehen, eine Augenbraue wissend hochgezogen, das andere Auge skeptisch zusammengekniffen. Schönes Ding.

Garish

Komm schwarzer Kater

Release: 03.02.2017

℗ 2017 ink music

Wo ist eigentlich das Banjo von Mumford & Sons geblieben? Fragten sich ja vor einiger Zeit Legionen von Fans. Nun wissen wir’s: in Südtirol. Mainfelt haben es sich gekrallt. Und spielen auf »Backwards Around The Sun« (Suedpolmusic) so hingebungsvoll auf der Indie-Folkpop-Klaviatur inklusive ekstatischer Percussion und strahlend-mehrstimmigem Gesang, dass es sich auf angenehmste Weise anfühlt, als wäre wieder 2008. Und alle: »It was not your fault but mine ...«

Mainfelt

Backwards Around the Sun

Release: 03.02.2017

℗ 2017 nordpolrecords

Von Österreich in die Schweiz: Und zwar zu Ursina, deren Debütalbum »You Have My Heart« (Reelmusic) von Wir-Sind-Helden-Schlagzeuger Pola Roy produziert wurde und bei deren warmherzig-erhabenem Folk-Songwriter-Pop sich sogar Alleskönner Peter Broderick in den Credits wiederfindet. Die beiden in Ursinas Muttersprache Romanisch gesungenen Stücke »En In Mund« und das wunderschöne »Affonza« sind inmitten all der popweltgerechten englischsprachigen Songs willkommene, wundersame Exoten.

Ursina

You Have My Heart

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Ursina

Ganz anders gehen da Ursinas Landsleute Twinesuns zu Werke. Deren zweite LP »The Empire Never Ended« (Pelagic) ist ein wüstes Biest, bedrohlich, angriffslustig lauernd; ein zwischen Postrock, Doom, Drone und Ambient mäanderndes, zutiefst düsteres Werk, das auf den Einsatz von Drums aus Prinzip verzichtet, weil die Band es für überbewertet hält, ein Schlagzeug zu benutzen. Das sprengt – ähnlich wie bei den Labelkollegen Hyenas – klanglich definitiv den Rahmen dieses »Heimspiel«s, ist aber für Menschen mit Hang zu experimenteller Musik Pflichtprogramm. 

Twinesuns

The Empire Never Ended

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Pelagic Records