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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #249

Happy new year, liebe »Heimspiel«-Freunde. Möge 2017 ein gutes Jahr für alle werden. Lest hier von zehn Gründen, weswegen ich sagen darf, dass es sich auf einem guten Weg befindet.
Geschrieben am
Für eine tolle Idee und große Qualität stehen seit ein paar Jahren Jens Pfeifer und seine Hamburger Küchensessions, bei denen Bands und Künstler, vorwiegend aus der sanften Indie-, Folk- oder Singer/Songwriter-Ecke, in einer gemütlichen Küche in Hamburg-Altona reduzierte Versionen ihrer Songs darbieten. Ansehen kann man sich das bei YouTube, seit vier Jahren erscheint begleitend ein Sampler, der nunmehr wieder auf zwei CDs ausgedehnt wurde. Auf »Hamburger Küchensessions Vol. 4« (Kombüse Schallerzeugnisse) treffen wir gute Bekannte wie Die Höchste Eisenbahn, Enno Bunger und East Cameron Folkcore, im Kleinen Liebgewonnene wie Marius Ziska, Last Days Of April und Der Herr Polaris und echte Geheimtipps wie Sion Russel Jones, The Lake Poets und Tipps Für Wilhelm. 40 Songs, viel Intimität, praktisch keine Ausfälle: So pur und wunderschön klingt Musik, die man nicht mehr hergeben mag.

Kombüse

Hamburger Küchensessions #4 (Live)

Auf diesem Sampler findet sich auch eine junge Dame namens Fee Badenius, die uns zeitgleich ihr neues Album namens »Feederleicht« (Reimkultur) hat zukommen lassen, das übrigens nach »Feelosophie« und »Feemannsgarn« quasi eine Art Trilogie abschließt. Dieser äußerst verspielte Chanson-Pop klingt wie ein Musik gewordener Poetry Slam, textlich äußerst feinsinnig und manchmal sogar richtiggehend brillant.

Fee Badenius

Feederleicht

Release: 09.12.2016

℗ 2016 Reimkultur GmbH & Co. KG

Marcel Brell wäre bei den Küchensessions auch gut aufgehoben. Der war gerade als »Botschafter der deutschen Sprache« für das Goethe-Institut im Ausland, und die farbenfrohe Lyrik auf »Sprechendes Tier« (Conradstrasse) rechtfertigt das in jeder Hinsicht. Toller, mitreißend dargebotener Songwriter-Pop, der sich nicht ernst genug nimmt, um sich zu sehr in Gefühligem zu verlieren, und bei dem man ab dem ersten Stück mitsingen will. 

Marcel Brell

Sprechendes Tier

Release: 20.01.2017

℗ 2016 Marcel Brell

Schon deutlich ernsthafter – dabei aber gar nicht so traurig, wie man denken mag – geht es bei Robin Tom Rink zu. Der singt auf »The Small Hours« (Make My Day) mit sanfter Stimme und herrlich deutschem Akzent von den allzu menschlichen Abgründen und der stets drohenden Dunkelheit. Doch die 15 Songs klingen gar nicht düster, sondern schauen der Tristesse ernst ins Gesicht, nehmen den Tod in den Arm und schunkeln.

Robin Tom Rink

The Small Hours

Release: 13.01.2017

℗ 2016 Make My Day Records

Kreismusik ist das Label eines gewissen Käptn Peng, und wer das weiß, darf vom weiteren Output aus diesem Hause einiges erwarten. Pavlidis ist das Projekt von Ohrbooten-Ben und Shaban, der mit seinem Chef bisher immer stark abgeliefert hat. Zusammen spielen beide »Identitetris« (Kreismusik), und stilistisch steht die Platte denen von Peng recht nahe. Will sagen: von elektronischen Beats getragene, clever getextete und von klugen Gedanken berauschte Raps. Sagen wir’s mit einem Wort: Nice!

Pavlidis

Identitetris

Release: 11.11.2016

℗ 2016 Kreismusik

Widmen wir uns ein paar EPs und beginnen mit Martin Herzberg, dessen fünf Songs starkes »Etwas bleibt« (Cloudbreak) cineastische Soundtrack-Synthie-Pop-Poesie mitbringt. Wenn Herzberg singt, tut er das auf eine herrlich unprätentiöse Weise. Aber er ist eben auch Pianist, und so kommen Songs wie »Alles wie gemalt« auch ganz ohne Stimme aus. Zum Glück ist das nie kitschig, zum Glück ist das tatsächlich einfach sehr schön.

Martin Herzberg

Etwas bleibt - EP

Release: 27.10.2016

℗ 2016 Cloudbreak Records

Der fluffig-leichte Sommerpop von Nelio aus Salzburg will hingegen gar nicht so recht in die Winterkälte passen. »Wolken schaun« (Problembär) spielt fünf Songs lang mit herrlicher Catchiness die besten Karten aus Folk, Latin Pop und Funk aus; dazu singt Manuel Goditsch mit unwiderstehlichem Schmäh über die Liebe und das Schöne am Leben, auch wenn’s mal nicht so läuft. Die EP strotzt vor Spielfreude und Positivität und macht richtig Spaß.

Nélio

Wolken schaun' - EP

Release: 18.11.2016

℗ 2016 Problembär Records

Ganz ähnlich verhält es sich mit Drive Darling aus Heilbronn, deren Kooks-naher Pop auf der EP »Mountains« (Lindström) einen förmlich in den Bulli, auf die Straßen, durch die Landschaft, ab zum Strand zieht. Mit den Kumpels, den besten. Schmeckt schon nach kaltem Bier und Grillgut, wie? Klingt auch danach. Eingängig, aber präzise; melodisch und groovy. Vielleicht kein reinrassiger Sommerpop, definitiv aber eine gute Wahl für den Sommeranfang.

Drive Darling

Mountains - EP

Release: 21.05.2016

℗ 2016 Lindström Records

Aber wir haben Winter, da liegt der Griff zu den Tents und ihrer EP »Under My Wings« (Numavi) schon näher. Gerade dann, wenn es draußen nur dunkel ist, funktionieren solche düster-getragenen Postpunk-Songs ganz vortrefflich. Ja, die großen Genre-Epigonen, sie standen alle Pate – na und? So schön theatralisch, wie diese Band hier am eigenen Dasein leidet, wird diese Musik halt auch nicht langweilig.

Tents

Under My Wings - EP

Release: 18.11.2016

℗ 2016 Numavi Records

Schließen wir dieses Winter-»Heimspiel« mit einer absolut innigen Symbiose aus dem virtuosen Klavierspiel von Carlos Cipa und den flirrend-rauschenden Elektronikkaskaden von Occupanther. Die beiden haben sich für eine EP namens »Trow« (Spinnup) zusammengetan. Das Ergebnis ist ein sehnsüchtiger, mäandernder Trip durch die Nacht, der an das wundervolle Zusammenspiel von Größen wie Nils Frahm und Ólafur Arnalds erinnert und seine Hörer müde, aber glücklich in den Lieblingssessel zurückfallen lässt.

Carlos Cipa & Occupanther

Trow - EP

Release: 07.12.2016

℗ 2016 Carlos Cipa, Occupanther, distributed by Spinnup