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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #248

Von einem umtriebigen Österreicher, Kölnern, die Mike Skinner mit Postpunk vermählen und der vermeintlichen Reunion der Byrds: Meine Damen und Herren, hier ein neues Heimspiel.
Geschrieben am
Beginnen wir mit Benni Benson, der auf seinem Debüt »Alles ist ehrlich« (Analogsoul) scharf am Radiokitsch vorbeischrammt, die Kurve aber glücklicherweise immer noch recht sympathisch bekommt. Sparsam instrumentiert mit Gitarre, Klavier und dezenter Percussion singt Benson vom Leben und wie er die Dinge sieht. Das ist so ähnlich schon oft da gewesen und trotzdem immer wieder echt nett.

Benni Benson

Alles ist ehrlich

Release: 04.11.2016

℗ 2016 Benni Benson

Der Nino aus Wien taucht jetzt schon zum zweiten Mal in diesem Heimspiel-Jahr auf. Zusammen mit Natalie Ofenböck erzählt er auf »Das grüne Album« (Problembär) Geschichten aus der Steiermark, und wer gerne austrophil unterwegs ist, hat an all den gedehnten Vokalen und dem Schmäh direkt ab der ersten Sekunde einen Heidenspaß: Landromantik mit viel Liebe und Augenzwinkern, schöne verschrobene Popmusik, ja fast schon Heimatmusik, wäre sie in ihrem gewollten Kitsch nicht so ironisch.

Natalie Ofenböck & Der Nino aus Wien

Das grüne Album

Release: 28.10.2016

℗ 2016 Problembär Records

Wir bleiben noch ein wenig in Österreich bei der Band Granada, die schon mit den Sportfreunden Stiller auf Tour war und sich auf »Granada« (Karmarama) einer gewissen Band namens Wanda nah verwandt präsentiert. Weil Austropop und Schmäh im Moment so gut gehen, muss man Granada als eine Band bezeichnen, die die Regeln des Games gut beherrscht und weiß, womit man momentan Aufmerksamkeit erregt. Spaß macht das hier aber auch.

Granada

Granada

Release: 16.09.2016

℗ 2016 Karmarama

Der Fall Böse aus Hamburg feiern dieses Jahr ihr Zwanzigjähriges. »Phönix Baby!« (Off Ya Tree) ist das achte Album der Rap-Rock-Typen, und sie machen darauf das, was sie in den letzten 20 Jahren zu ihrer Kunst erklärt haben: Sie verbinden sehr erdig und reell Elemente aus HipHop und Rock und halten der Gesellschaft einen schmutzigen Spiegel vor. Da kann man nur sagen: Gratulation!

Der Fall Böse

Phoenix Baby !

Release: 21.10.2016

℗ 2016 Off Ya Tree Records

Zwischendurch ein paar Kurze? Dann ist die EP »Of Life« (Midsummer) von Enola eine gute Wahl. Das Quartett aus Essen spielt ihren Pop-Punk sehr straight und melodiös. Der erste Release der Band klingt durchweg kurzweilig und mitreißend; in einem Genre, das sich leicht über die immer gleichen drei Akkorde und mehrstimmigen Gesang definieren lässt, ist »Of Life« eine auf den Punkt stilsichere Angelegenheit ohne jeden Ausfall.

Enola

Of Life - EP

Release: 28.10.2016

℗ 2016 Midsummer Records

Ebenfalls ohne jeden Lückenfüller gelingt die knappe, nur vier Stücke umfassende EP »This Is Not The Paradise They Told Us We Would Live In« (Popup) der Kölner Sparkling. Deren zackiger Postpunk-Indie-Pop zappelt und platzt vor Energie und besticht durch tighte Gitarrenriffs und messerscharfe, an Mike Skinner erinnernde Lyrics. Das Eröffnungsstück »Something Like You« ist große Klasse, die anderen drei stehen ihm in nichts nach. Diese Jungs sollte man sich definitiv merken.

Sparkling

This Is Not the Paradise They Told Us We Would Live In - EP

Release: 23.09.2016

℗ 2016 Sparkling / Popup-Records

Mit satten sieben Stücken ist der Begriff Mini-Album für die EP »Born Under A Bad Sign« (Rockzone) von den Basement Apes aus Osnabrück komplett passend. Es kracht hier an jeder Ecke; das Quintett spielt lupenreinen Rock’n’Roll, hochoktanig und mit einer staubig-stilbewussten Bodenständigkeit, die man ihm abnimmt und die dafür sorgt, dass sich die sechs Nummern nach gutem Schnaps und schäbiger Tarantino-Kneipe anfühlen. Dass die Donots diese Jungs mit auf Tour genommen haben, kann man in jeder Hinsicht verstehen.

Rock Zone Records

Born Under a Bad Sign

Von Osnabrück geht’s nach Berlin, wo sich vor geraumer Zeit die Bands Der Ringer und Isolation Berlin ineinander verknallten und kurzerhand beschlossen, eine gemeinsame EP zu veröffentlichen. Die heißt »Ich gehör nur mir allein« (Staatsakt) und bringt das bisherige Schaffen beider Bands gut auf einen gemeinsamen Nenner: Den artifiziellen Indie-Pop von Der Ringer und den düsteren Ton-Steine-Scherben-Rock von Isolation Berlin; beide in selbstverliebt-unnahbaren Sätzen miteinander verbandelt, mal lasziv, mal mit ausgestrecktem Mittelfinger, immer spannend.

Staatsakt (Universal Music)

Ich gehör nur mir allein [Vinyl LP]

Mit sieben Songs auch »nur« ein Mini-Album ist »Greenwich Meantime +1« von Blackberries, aber was für eins: Auf diesen sieben Stücken beschwört die Band derartig einnehmend den guten Geist der bedrogten Psychedelic-Freaks aus den 1960ern und frühen 1970ern, dass man sich zeitweise inmitten einer Byrds-Reunion wähnt, während Syd Barrett selig lächelt. Wenn schon retrospektiv, dann bitte unbedingt so: Herrlich versprengt und absolut dem grandiosen Erbe verpflichtet.

Blackberries

Greenwich Mean Time +1

Release: 14.10.2016

℗ 2016 Unique Records

So strubbelig-verschlafen, wie die Grey City Passengers uns vom Cover ihres gleichnamigen Debüts (Off Label) anschauen, wähnt man sich direkt im selben Film – doch da irrt man: Die Berliner leben ein gutes Jahrzehnt und eine gute Musikepoche weiter vorne. Hier schimmert eher Led Zeppelin durch; die zehn Songs der Platte ergehen sich in schwelgerischen Rock-Hymnen mit großen Gesten, bei denen aber auch gar kein Fuzz und gar kein Gitarrensolo zu wenig am Start ist. Auch hier: erbverpflichtetes, großes Tennis.

Grey City Passengers

Grey City Passengers

Release: 14.10.2016

℗ 2016 off label records

Und dann wären da noch The Crispies, ein Quartett aus Wien mit einer Vorliebe für den skandinavischen Rock’n’Roll der 2000er, wie The Hives, nur ohne die Anzüge. »Death Row Kids« (Seayou) riecht nach Bier und abgewetzten Lederjacken; die formvollendete Abrissbirne, von der man in einer Welt aus Synthesizern tatsächlich immer noch begeistert wird. Dass immer noch Bands wie diese in Proberäumen entstehen, gibt allen Rock-Typen Hoffnung.

The Crispies

Death Row Kids

Release: 28.10.2016

℗ 2016 Seayou Records