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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #247

Rappelvolle Plattenkiste: In diesem Heimspiel zelebrieren wir Hamburg-Liebe, Italien-Sehnsucht, verflossene Jugend, Obskurität und zwei Bands, die ganz groß werden dürften.
Geschrieben am
Eine echte Liebeserklärung an Hamburg hat Daniel Behle im Gepäck. Der Tenor hat zusammen mit dem Schnyder Trio auf »Mein Hamburg« (Berlin Classics) satte 18 Chansons aus der schönsten Stadt im Norden für Stimme, Cello, Geige und Klavier arrangiert: beispielsweise den Albers-Klassiker »Auf der Reeperbahn« oder fernwehgetränkte Seefahrerlieder wie »Kleine Möwe, flieg nach Helgoland« und »Grüße von der Mole«. Wer Hamburg mag, dem dürfte das sehr gefallen.

Schnyder Trio & Daniel Behle

Mein Hamburg

Release: 07.10.2016

℗ 2016 Edel Germany GmbH

Durchschnittsalter 17,5 Jahre: Das ist schon beachtlich für eine Band. Die Giant Rooks aus Hamm spielen ihren an James Blake oder alt-J erinnernden Art-Pop aber mit so viel Finesse und Energie, dass man ob des Alters der fünf Jungs ungläubig den Kopf schüttelt. Die EP »The Times Are Bursting The Lines« (Giant Rooks) beinhaltet vier Stücke, von denen das schillernde »Småland«, das von Erinnerungen an einen Urlaub in Schweden erzählt, tief in den Gehörgängen hängen bleibt. Die werden groß. Trust.
Und richtig groß werden, das dürfen gerne auch Fil Bo Riva, deren Sänger und Namensgeber zwar aus Italien stammt, aber auch in Berlin und Dublin lebt und wirkt. Von der Straße in die Clubs - das hat bei AnnenMayKantereit schon geklappt, für die Fil Bo Riva mit seiner Henning Mays nicht unähnlichen Stimme schon als Vorband fungiert hat. Die EP »If You’re Right, It’s Alright« (PIAS) hat fünf Songs und schlicht keinen Füller; »Like Eye Did« und »Killer Queen« handeln von einer gescheiterten Liebe und sind in ihrem Mix aus Blues, Folk und Soul richtig, richtig stark.

Fil Bo Riva

If You’re Right, It’s Alright - EP

Release: 23.09.2016

℗ 2016 [PIAS] Recordings Germany

Apropos Italien: Erinnert sich noch wer an das Electro-Pop-Duo Werle & Stankowski? Deren zweite Hälfte Johannes nennt sich nun Gío und bringt mit der italophilen EP »Amarsi Un Po’« (Tofumusic)sommerliche Leichtigkeit zurück. Das klingt synthiepoppig und locker und hat nachweislich schon bei Erlend Øye vor ein paar Jahren prima funktioniert. Und wer kein Italienisch spricht, kann den Titelsong mit »To Feel In Love« auch auf Englisch anhören. Der Effekt ist der gleiche: ein schöner.

Gio

Amarsi un po' - EP

Release: 24.06.2016

℗ 2016 Gío

Von Italien zurück nach Deutschland und von dort nach Mexiko, wo die Ska-Band Wisecräcker genau wie hier eine gewisse Popularität genießt. Zu deren 20-Jährigem erscheint nun mit »20 Years – 20 Songs« (Magic Mile) eine umfassende Werkschau mit Klassikern wie »Kein Bock« oder »Muckerpolizei«, spanischsprachigen Stücken wie »Contigo Más Bien« oder »Modo De Odio« und einigen Coverversionen (»Master Of Puppets«, »Porqué Te Vas«). Die politische Strahlkraft der Band hat nichts an ihrer Dringlichkeit eingebüßt, ihr hibbeliger, bläserschwangerer Sound sowieso nicht.

Wisecräcker

20 Years - 20 Songs

Release: 24.09.2016

℗ 2016 Magic Mile Music

Und wenn wir dann schon über Fernweh sprechen, liegt der Griff zum zweiten Album von Max Paul Maria namens »Figurines« (DevilDuck) nahe. Im Alltag einer Tour gereift erzählen die 13 Stücke – vom Standpunkt des grauen Berlins aus – vom Unterwegssein, vom Suchen und vom Ankommen. Die Gesellschaft seiner Band hat der Songwriter verinnerlicht; seine neuen Stücke klingen rauer und voller, aber immer noch pur und rastlos. So fühlt sich Reisen im Kopf an.

Max Paul Maria

Figurines

Release: 21.10.2016

℗ 2016 DevilDuck Records

Eine große Portion Melancholie bringt auch Joseph Myers mit. Der bärtige Songwriter veröffentlicht mit »Against The Sea« (Timezone) schon sein drittes Album. Ihm geht es jedoch weniger um Fernweh; er erzählt stattdessen eine Geschichte von der Trauer über den Verlust des geliebten Großvaters. Wenn er dann in »Until Bad Dreams Are Done« seine kleine Nichte ins Bett bringt, hat diese warmherzige Musik etwas ungemein Tröstliches, das gut darüber hinwegsehen lässt, dass Myers keinen Innovationspreis mit seiner Kunst gewinnt.

Joseph Myers

Against the Sea

Release: 30.09.2016

℗ 2016 Timezone

Letzteres lässt sich auch über As We Go sagen. »Stumble And Stand« (Redfield) ist trotzdem eine Platte geworden, der man gerne zuhört, wenn man in kleinen Jugendzentren groß geworden ist und Emo-Punk zu seiner musikalischen Sozialisation zählt. Präzises Riffing, gallige Reibeisen-Vocals, das ein oder andere billige Pils und eine Zigarette: Fertig ist die schöne kleine Reise in eine Zeit, in der man felsenfest davon überzeugt war, mit drei Akkorden die Welt ändern zu können.

AS WE GO

Stumble & Stand

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Redfield Digital

Ihr sogar schon zehntes Album präsentieren die Osnabrücker Sankt Otten, dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem Ambient- und Drone-Künstler N. »Männerfreundschaften und Metaphysik« (Denovali) reiht sich in den Kanon der obskuren Album- und Songtitel des Duos ein. Die tonnenschweren Synthie-Flächen von N liegen wie ein Bleivorhang über dem ohnehin nicht sehr lebensfrohen Neo-Kraut Sankt Ottens, man nehme allein das grandiose »Massiere die Maschine«. Ein abermals faszinierendes Stück Kunst.

Sankt Otten & N

Männerfreundschaften und Metaphysik

Release: 23.09.2016

℗ 2016 Denovali Records

Allerhand Obskurität gibt es in schöner Regelmäßigkeit vom Label Fidel Bastro, und so landen wir zu guter Letzt wieder in Hamburg: »Dangerous Eiertanz« (Fidel Bastro) heißt das neue Album von Freispiel, auf dem zu drückenden 1980er-Bassläufen und Synthie-Electro-Punk lakonische, dadaistisch-düstere, mal gesungene, mal gesprochene Texte an eine längst vergessene Ära der alternativen deutschsprachigen Musik erinnern, die existierte, bevor NDW populär wurde.

Freispiel

Dangerous Eiertanz

Release: 16.09.2016

℗ 2016 Fidel Bastro