×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Mit Kristof Beuthner

Heimspiel #246

Es kommt der Herbst, und der Autor dieser Zeilen gibt sich der ersten Traurigkeitsphase des Jahres hin – nicht ohne am Ende den Sessel doch in Richtung Disco zu verlassen.
Geschrieben am
Wenn ein Album »Record Full Of Last Songs« heißt, darf man den perfekten Abgesang erwarten. Was gibt es schöneres, als das eine Stück, das eine intensive Trauerplatte nach Hause bringt? Bleedingblackwood ist das Projekt von Timo C. Engel, der auf seinem Debüt in düster verschachtelten Mini-Epen den dunklen Wolken seiner Seele Luft macht. Das pendelt sich irgendwo in Nick-Cave-Nähe ein, wird gespeist von dezentem Jazz und Folk und ist wirklich hübsch anzuhören in seiner Tristesse, wenn auch von Zeit zu Zeit vielleicht etwas zu sehr dick aufgetragen.
Und wo gerade so intensive Traurigkeit Einzug erhält: Da kommt ein Album von einer Band namens Dreiviertelblut doch gerade recht, zumal wenn es auf den schönen Namen »Finsterlieder« (Millaphon) hört. Da könnte man jetzt üblen Mittelalter-Kram vermuten, in Wirklichkeit sind es aber schön melancholische Folkweisen in Münchner Mundart, sehnsuchtsvoll und nachdenklich, trotz der altertümlichen Darbringung thematisch aber durchaus am Zahn der Zeit. Denn Tod, Trauer und Angst sind leider zu einer allgegenwärtigen Bedrohung unseres Lebens geworden.

Dreiviertelblut

Finsterlieder

Release: 07.10.2016

℗ 2016 Millaphon Records

Schönklang können auch Tristan Rêverb auf »Senseless Presence« (Treibender Teppich), bei deren Bandnamen das »Rêve« (französisch für Traum) nicht von ungefähr kommt, genau wie der Name des Labels hier wie die Faust aufs Auge passt. Denn wie ein Teppich formen hier Strukturen aus Jazz, Ambient und Folk einen watteweichen Untergrund, auf dem man wie im Traum zu wandeln scheint; warm und nachtschwarz, schwelgerisch und auch manchmal ein wenig wunderlich. Clubmusik für dunkle Bars mit Sesseln. Perfekt, um die Seele baumeln zu lassen. Groß.
Zu den sich langsam verfärbenden Blättern passt auch ein wenig Songwriter-Pop. Zum Beispiel von Maciek Swietoslawski, der aus Polen nach Hannover zog, um seinem weitgehend in ein organisch-pures Akustikgewand gekleidetes Debüt »Maciek« (Magic Mile) Gehör zu verschaffen. Das ist sehr poppig geraten; Künstler wie Ed Sheeran oder Jason Mraz (falls den noch jemand kennt) standen deutlich hörbar Pate, und auch wenn das im Gesamtbild ein wenig belanglos plätschert, ist es doch sehr liebevoll und formschön geraten.

Maciek

Maciek (Deluxe Version)

Release: 16.09.2016

℗ 2016 Magic Mile Music

In der Einsamkeit einer verlassenen Kirche auf einer abgeschiedenen amerikanischen Militärbasis wurde »Stuck« (Sic Life), das zweite Album der Münsteraner Andalucía aufgenommen. Zu diesem traumhaft tristen Szenario passt auch der Sound des Duos: rau, düster, trostlos, aber eben auch sehr intensiv, pur und zupackend. Das Schlagzeug schleppt sich durch die acht Stücke, die Gitarre sorgt für gelegentliche Ausbrüche, und dazu singt Philipp Ohnesorge, als gäbe es kein Morgen. Aber nein, das ist eine wirklich starke, tiefe und so puristische Platte, dass man sich in ihr herrlich gehalten fühlt.

Andalucia

Stuck

Release: 16.09.2016

℗ 2016 Andalucía

Eher aus der tüftelnden Ecke kommt der Produzent Arpen, dessen nach ihm selbst benanntes Debüt (Analogsoul) die Brücke zwischen Songwriting-Kunst und Fotografie baut. Jawohl, Fotografie: Inspirieren lassen hat Arpen sich zu seiner Platte nämlich unter anderem durch die Werke von Taryn Simon, die sich auch im Booklet der Platte wiederfinden und so zu einem Teil der Musik werden, wenn man sie beim Hören betrachtet. Die weiche Stimme erinnert an Sufjan Stevens, der zwischen Jazz, Elektronik und Pop oszillierende Sound öffnet auf sehr innige Weise herbstlich gefärbte Welten.

Arpen

Arpen

Release: 07.10.2016

℗ 2016 Analogsoul

Drehen wir die Dezibelzahl wieder ein wenig nach oben und kommen an bei Heim aus Bayern, und keine Sorge: Deren Debüt »Palm Beach« (Tapete) heißt bloß so. Von Sonne ist hier wenig zu spüren, vielmehr lärmen und mäandern hier die Gitarren, als gälte es, eine hiesige Version von Dinosaur Jr. zu rechtfertigen. Nicht nur klanglich stehen Heim der Band um den großen J Mascis nah: Dessen Unsicherheit und Melancholie ist allgegenwärtig; es ist ein weltverdrossenes, lautes Album, das sehr straight und organisch klingt. Und wenn der Druck gar zu groß wird, dann wird auch mal geschrien. Dringend hörenswert.

Heim

Palm Beach

Release: 23.09.2016

℗ 2016 Tapete Records

Wer jetzt noch schwerere Gitarren braucht, ist bei Etiolated Kingdom gut aufgehoben. Die Lyrics der Münchner sind nicht immer über jeden Zweifel erhaben, aber seinen Vorbildern – Pearl Jam, System Of A Down, Tool – wird »Crown Of Creation« (Hicktown) vortrefflich gerecht. Riesengroße Rockballaden ohne zu großes Pathos, aber mit viel Kraft, massiven Riffs und treibenden Drums ziehen einen aus dem Sessel, lassen den Kopf erst nicken, dann kreisen. Es wird Zeit, wieder aufzustehen.

Etiolated Kingdom

Crown of Creation

Release: 05.08.2016

℗ 2016 Hicktown Records ®

Eau Rouge aus Stuttgart müssen sich einen guten Namen hierzulande erst noch erspielen, sorgten aber immerhin auf dem Showcase-Festival South By Southwest in Texas schon für Begeisterung. Das kann man verstehen: Ihr Debüt »Nocturnal Rapture« (AdP) mischt mühelos im Indie-Pop-Shoegaze-Kosmos von Bands wie Phoenix oder M83 mit; der Sound ist schön verhallt und äußerst tanzbar und die discoinfizierte Single »Hunting Melodies« ist sogar ein kleiner Hit für die geneigte Dancefloor-Crowd. Diese Jungs darf man sich gerne, ja sogar sehr gerne merken.

Eau Rouge

Nocturnal Rapture

Release: 16.09.2016

℗ 2016 AdP Records

Folgt uns auf

  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr