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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Benjamin Walter

Heimspiel #232

Goldige Newcomer und kauzige Underground-Künstler aus fast allen Musikgenres, die es gibt. Bloß wie immer garantiert ohne tanzbaren Hipster-Folk!
Geschrieben am
Für alle, denen die österreichische Band Bilderbuch ein bisschen zu offensiv abgedreht ist, die aber dennoch nicht auf funky Indie-Pop mit leicht angeschnöseltem deutschsprachigen Gesang verzichten wollen, gibt es jetzt Golf aus Köln. Die kleinteilig bis ins letzte Klackern und Klimpern produzierte 5-Track-EP »Ping Pong« (Chateau Lala) klingt dabei so sexy, kühl und gleichermaßen schweißtreibend wie ein Nachmittag am Pool zu Gast bei reichen Freunden.

Golf

Ping Pong EP

Release: 06.03.2015

℗ 2014 chateau lala

Die Figur des jammerigen Singer/Songwriters ist nicht ganz zu Unrecht häufig Ziel von Spott und Häme. Warum geht dann Wolfgang Müller dennoch so was von klar? Weil er sich auf seinem Album »Auf die Welt« (Fressmann) eben nicht permanent um sich selbst dreht, sondern als präziser Beobachter mit warmherziger Gnadenlosigkeit ebendiese Welt mehr beschreibt als analysiert und seine kratzige, dunkle Stimme eben keine klagende oder erklärende, sondern immer eine erzählende ist. Geheimnisvoll und schön.

Wolfgang Müller

Auf die Welt

Release: 17.04.2015

℗ 2015 Fressmann

Das Band mit »Also Gut« (Little Teddy) klingen erst mal wie eine sympathische, etwas alberne Hobbyband von Menschen, die tagsüber richtigen Berufen nachgehen. Gibt man dem Album aber ein paar Durchläufe, schälen sich überraschend viele Hits aus dem verwaschenen Bandsound heraus. Die Mischung aus Country, Rock’n’Roll und schrägem Indie der Pavement-Schule ist dabei gerade so verschroben, dass es nicht anfängt zu nerven, sondern noch als herzliche Kunst nach Feierabend durchgeht.

Das Band

Also gut

Release: 20.03.2015

℗ 2015 Little Teddy Recordings

Auf dem fantastisch gemalten Cover der EP »Ozean« (Cosmonstro) der Band Moglebaum aus Düsseldorf stehen geheimnisvolle schwarze Wesen mit glühenden Augen zwischen Bäumen und kleinen Grabsteinen an einem Seeufer zusammen. In den vier Songs passiert ähnlich Unerklärliches. Eine meisterhaft gespielte Violine spielt, begleitet von warmen Synthies, Samples und wild klackernde Beats, Melodien aus einer anderen Welt. Mir fällt nicht viel ein, was man zu dieser seltsamen Musik machen könnte, außer, sie sich einfach anzuhören.

Moglebaum

Ozean - EP

Release: 16.02.2015

℗ 2015 Cosmonostro

Die Hamburger Mod-Band Monoklub hat coole Klamotten, komplizierte Frisuren und zusätzlich auch noch Humor. In einem technisch ausgefuchsten Schrammelsound setzt es sieben wüste, aber immer tanzbar rhythmische Nackenklatscher. Inhaltlich dreht sich auf »Monoklub« (Brilljant Alternatives) alles um Alkohol, Mädchen, Verzweiflung und Lebensfreude. Und das sind bekanntlich ziemlich wichtige Themen.

Monoklub

Monoklub

Release: 15.05.2015

℗ 2015 Monoklub

Anfangsverdacht: gespreizter Kunstquatsch. Aber dann haben mich Waelder mit ihrem Debütalbum »Anachronie« (Kreismusik) doch noch bekommen. Die 13 Stücke der beiden Musiker aus Berlin und Wien sind eine Art moderne Mediationsmusik für Menschen, die Mediationsmusik hassen. Reiner Klang, Geräusche um der Geräusche willen. Diese Musik lässt keine Bilder entstehen, sondern der Kopf wird leicht und leer. Es geht endlich mal um nichts. 

waelder

Anachronie

Release: 17.04.2015

℗ 2015 Kreismusik

HipHop bleibt 2015 der Musikstil mit den aufregendsten Veröffentlichungen. Refpolk, einer der wichtigsten Vertreter des Zeckenrap, haut auf »Klippe« (Springstoff) die aggressiven Doubletime-Passagen raus, die Beats sind wuchtig und treibend. Das Album klingt dabei teilweise fast wie klassischer Straßenrap, hat aber zwischen Angst, Hoffnung und Solidarität thematisch deutlich mehr zu bieten. Weltverbesserer-Rap direkt in deine Fresse.

Refpolk

Klippe (Deluxe)

Release: 17.04.2015

℗ 2015 Springstoff

Zum Abschluss ein Relikt: Die Split-EP ist ein Tonträger-Format, das immer seltener wird. Nur die traditionsbewusste Hardcore-Szene hält dagegen. Auf ihrer gemeinsamen EP (This Charming Man) geben The Tidal Sleep und Orbit The Earth acht Songs lang wirklich alles. Wobei Letztere vielleicht etwas zu technikverliebt auftreten, während The Tidal Sleep den Hörer mit ihrer Version von wütender Popmusik wieder so richtig durchschütteln.

The Tidal Sleep & Orbit The Earth

The Tidal Sleep / Orbit the Earth - Split

Release: 06.03.2015

℗ 2015 This Charming Man Records