×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Industrieromantik und Magen-Darm-Trakte

Ruhrtriennale in Bochum

Die Ruhrtriennale 2015 eröffnet mit einem großartigen In- und Outdootspektakel – der Ritournelle auf dem Gelände der Jahrhunderthalle in Bochum. Hier ist nicht nur das Line-up ist hervorragend: Caribou, HeCTA und The Notwist, Pantha Du Prince, Roman Flügel und andere sind geladen.
Geschrieben am
Ein Abend mit bunter Industrieromantik, riesigen Magen-Darm-Trakten und The Notwist

Ritournelle im Rahmen der Ruhrtriennale, 15. August 2015, Jahrhunderthalle Bochum


HeCTA, The Notwist, Caribou – muss man noch viel mehr Namedropping betreiben? Nö! Könnte man aber problemlos: Roman Flügel, Pantha Du Prince, Barnt. Alle auf einem Gelände und in einer Nacht. Jetzt reicht’s aber. Obwohl das an Acts noch nicht alles ist, was auf der Ritournelle geboten wird, die die Ruhrtriennale am 15. August 2015 in Bochum eröffnet. Und nicht nur das Line-up ist herausragend, sondern auch die Location: Das Festival findet auf dem Gelände der Jahrhunderthalle Bochum statt – in- und outdoor. Und wer auch nur ansatzweise auf Industrieromantik und seltsame Riesenskulpturen in Form von Därmen, Aftern und Robotersex steht, hat hier ordentlich was zu gucken.

Selbst ein Klobesuch lohnt sich noch mehr als sowieso schon: Gepinkelt wird in alten, völlig verrosteten Stahlcontainern, die sicher mal irgendwas mit Kohleförderung oder ähnlichem zu tun hatten.

Doch zurück zur Musik. Im Fokus der Veranstaltung steht das Berliner Plattenlabel City Slang, das an diesem Abend drei Acts in der Jahrhunderthalle auf die Bühne schickt. Der Grund dafür ist simpel, aber sinnvoll: das Label feiert 25. Jubiläum. Den Anfang macht HeCTA, das neue Projekt von Kurt Wagner (Lambchop) feiert in Bochum Live-Weltpremiere. Allerdings klingt das auf dem Papier a.k.a. Bildschirm aufregender als auf der Bühne: Drei mittelalte Herren stehen kopfwippend hinter ihren Synthesizern, einer bedient live das Drumset – ohne das ich wahrscheinlich sogar frühzeitig den Saal verlassen würde. Zwar klingt HeCTA komplett anders, als man es vom Lambchop-Frontmann erwartet – sehr elektronisch, an manchen Stellen fast schon technoid und abgehackt – kann aber weder musikalisch und schon gar nicht visuell oder mit irgendeiner Form von Performance, Energie oder besonderer Spielfreude überzeugen.

Der zweite Act überzeugt allerdings um so mehr: The Notwist sind einfach eine großartige Liveband, die extrem viel Energie und Dampf ablassen und sich im Laufe ihres sehr vielseitigen Sets komplett in Rage spielen. Bei einem Rundumschlag durch neue und alte Songs (»Run Run Run«, »Pick Up The Phone«, »Pilot«, »Kong«) fliegen auf der Bühne die Zopfgummis und Haare durch die Gegend, Vibraphone und spiralförmiges Schlagzeugzubehör werden malträtiert, so lange, bis das Publikum nach einer Zugabe wimmert.

Die DJs auf dem Außengelände haben danach wenig Chancen bei mir, wobei man auch zugeben muss, dass der Sound einfach einen Ticken zu leise ist. Allerdings sieht das Gelände dank der bunten Beleuchtung wirklich zauberhaft aus und das Publikum ist angenehm gemischt.


Der Headliner Caribou steht um kurz vor 00 Uhr auf der Bühne, die riesige Halle ist mittlerweile gut gefüllt. Trotzdem kann das Set den Notwist-Auftritt einfach nicht mehr toppen. Obwohl Caribou zugegebenermaßen eine wirklich gute Live-Band ist – es wird getanzt, mitgesungen, das für ein Musikfest doch recht graue Publikum wippt ausgelassen mit. Mit Bier hier durchkommen? Keine Chance. Also stehe ich brav am Rand, wippe ebenfalls ein bisschen mit und freue mich schon auf Roman Flügel, den ich mir gleich draußen anhören werde. Dort ist die Musik noch immer nicht laut genug, trotzdem wird hier getanzt und es herrscht gute Stimmung inmitten der ganzen Stahlkonstruktionen. Auch aus Angst vor den riesigen dunklen Regenwolken, die sich mittlerweile über dem Gelände breitmachen, brechen wir den Abend früher als gewollt ab und überlassen die DJ-Acts Rødhåd und Quartier Midi sowie dem bunten Publikum ihrem womöglich gleich ziemlich nassen Schicksal.