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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

my favourite toilets

Hayden

"Auf dem Flug hierher fragte ich den Piloten, ob ich mich ins Cockpit setzen könne, um die Landung zu beobachten. Er hat nein gesagt." Nun ja, eine gewisse Art, möglichst naiv, aber neugierig an die Dinge heranzugehen, ist für einen Songschreiber nicht unbedingt die schlechteste Methode, an Material
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Autor: intro.de

"Auf dem Flug hierher fragte ich den Piloten, ob ich mich ins Cockpit setzen könne, um die Landung zu beobachten. Er hat nein gesagt." Nun ja, eine gewisse Art, möglichst naiv, aber neugierig an die Dinge heranzugehen, ist für einen Songschreiber nicht unbedingt die schlechteste Methode, an Material zu kommen. „In Deutschland sind die Toiletten so kräftig. In Kanada braucht´s ungefähr eine Woche, um abzuziehen. Bei euch muß man aufpassen, nicht weggerissen zu werden.“ Nicht daß HAYDEN dies bereits vertont hätte, doch offenbart sich hier seine Arbeitsweise: genau hinschauen und den unspektakulären Moment in einem Bild festhalten. „Stem“ z. B. zeigt, was passiert, wenn man mit der Rose für die Liebste in einen Sturm gerät. Ein anderer Song beschreibt das Erlernen des Gitarrenspiels als Liebesakt. Das Sympathische: Praktisch jeder kann sich in HAYDENs Bildern und Geschichten wiederfinden. „Hat jemand von euch schon mal blaugemacht, um mit seiner Freundin zusammenzusein?“ fragt er scheinheilig, als er „We Don´t Mind“ ansagt, und nur wenige im Publikum suchen nicht schmunzelnd den Blick des Gegenübers.
Das erkannten auch die COWBOY JUNKIES: „Wir nahmen ihn mit auf Tour, weil wir jemanden präsentieren möchten, dem wir auch gerne zuhören“, befand Michael Timmins. Und das ist leicht. Denn HAYDEN ist ein geborener Storyteller. Mit unglaublicher Hingabe und Intensität präsentiert er seine Songs, mal eben hörbar flüsternd, mal mit röhrendem Organ à la Peter Hammill. Da kann es schon mal vorkommen, daß sich das Publikum beschwert, es sei zu laut - bei einem akustischen Konzert, wohlgemerkt. „Zuerst redeten die Leute immer während meiner Auftritte“, prangert er diese nervenzerfetzende Unsitte an, „da begann ich einfach, die Gitarre immer lauter zu drehen, bis sie mir zuhörten.“ So vermittelt HAYDEN live auch nicht den Eindruck einer rührseligen Folkveranstaltung. Er macht Rock´n´Roll, wie er direkter kaum sein könnte: rauh, ungeschliffen und lebensnah. Folgerichtig supported er denn auch lieber Bands, die er mag, z. B. GRANT LEE BUFFALO, ACHERS OF LOAF oder WEEZER, statt sich in Folk-Clubs unter Wert zu verkaufen. Bleibt zu hoffen, HAYDEN auf diesem Wege noch häufig zu Gesicht zu bekommen. Ullrich Maurer