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Look At Me Now

Hausmeister

Mir gefällt dieses Album trotz seiner Schwächen - aufgrund seiner Haltung. Mir gefällt dieses ambivalente Cover, gemalt von Christian Przygodda selbst. Seine jugendlichen Kräfte präsentieren, trotz Hühnerbrust, verschmitzt, um das Posenhafte der Pose wissend und sie dennoch wählen (und wagen). Bei
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Mir gefällt dieses Album trotz seiner Schwächen – aufgrund seiner Haltung. Mir gefällt dieses ambivalente Cover, gemalt von Christian Przygodda selbst. Seine jugendlichen Kräfte präsentieren, trotz Hühnerbrust, verschmitzt, um das Posenhafte der Pose wissend und sie dennoch wählen (und wagen). Beim Albumtitel ›Look At Me Now‹ denken wir Männerjournalisten ja sofort an Prefab Sprout, an Dinge, die mehr Schmerzen bereiten als Autos und Mädchen. Davon ahnt der Junge auf dem Cover wahrscheinlich noch nichts – oder aber er hat es bereits erfahren. Vergleicht man ›Look At Me Now‹ mit Hausmeisters Vorgängern ›Unser‹ und ›Weiter‹, dann ist zunächst der Fortfall des Niedlichen und Ironischen zu hören, der den Hörer früher gern becircte. Heute geht es verbindlicher und über weite Strecken mit Texten zur Sache. Das Verhältnis von Song (mit Text) und Instrumental hat sich gegenüber ›Weiter‹ tatsächlich umgekehrt. Das Intro-Instrumental ›1966‹ beginnt mit einem aufreizend langen Synthieton, der dann von Gitarrenfiguren und Streichern umspielt wird. 1966, denkt man sich, dürfte das Geburtsjahr von Przygodda sein, das passte jedenfalls zum bilanzierenden Tonfall dieses Albums, das vom Ende der Jugend erzählt. Da heißt es dann zum entspannten Electro-Shuffle des Titelsongs: »Wir haben davon profitiert, dass das System funktioniert (...) Wir sind die Jüngsten unseres Alters / Vor unseren Vätern auf der Flucht / Wir war’n die Kinder ohne Zukunft / Du bist ein Sexsymbol – Kapitalismus.« Unwiderstehlich auch das Quietsch-Sample meines Lieblingssongs ›Es Bewegt Sich Doch‹, in dem es treffend heißt: »Am Ende stehst du da / Da ist noch immer dieses Licht / Das mal dein Leben war / So viel trinken kannst du nicht / Das hat mit dir zu tun / Da kannst du sagen, was du willst / Und es bewegt sich doch.« Worauf der Refrain an zwei der verheerendsten Bilder erinnert, die die Popmusik als lebensbauende Kunst unters Volk gebracht hat: Yes’ ›Owner Of A Lonely Heart‹ und Doubles ›Captain Of Your Heart‹. Auch wenn das Album dieses Niveau nicht auf Dauer hält, gibt es später immer noch Hörenswertes (etwa: ›Vakuum‹), bevor es zu Beginn des Abspanns ›Schlafstadt‹ mit Hilfe der Beach Boys wieder 1966 ist. Es ist durchaus produktiv, wenn man Hausmeister neben März hört. Przygodda ist mit ›Look At Me Now‹ mehr Karaoke Kalk als je zuvor, aber Hausmeister erscheint nicht mehr auf Karaoke Kalk. Im direkten Vergleich mit März scheint die Singer/Songwriter-Verbindlichkeit von Hausmeister etwas zu eindimensional romantisch, das dürfte die wesentliche Schwäche (wenn es denn eine ist?) dieses Albums sein. Auch sonst greift Przygodda, geboren vier Jahre nach dem ›Oberhausener Manifest‹, auf das Modell des (deutschen) Autorenfilms zurück. ›Look At Me Now‹, written and directed by Christian Przygodda, der das Coverbild gemalt hat. »Diese Platte enthält keine Samples anderer Musik«, steht auf der Cover-Rückseite. (Peter) Przygodda hieß auch der Schnittmeister der frühen Filme von Wim Wenders und Klaus Lemke. Wenn das kein Zufall ist.