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Abandoned City

Hauschka

Zu Hause, an einem diesigen Wintertag mit abgedämpftem Baustellenlärm im Hintergrund, ergibt das Album als Ganzes Sinn. Die Musik wird charakterisiert durch produktive Leerstellen, die Platz schaffen für Erinnerungsfragmente, nicht gedachte Gedanken, halb vergessene Namen und Gesichter.
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Hauschka ist der Mann mit dem präparierten Klavier. Dieses unter anderem auf John Cage zurückgehende Konzept basiert auf der Idee, die Funktion und den Klang des Instruments zu verfremden, indem Gegenstände auf die Klaviersaiten gelegt werden. Als ich die CD zum ersten Mal hörte, saß ich im Zug. Da nervten mich die stakkatoartigen perkussiven Passagen noch, die die Reiseunruhe, die sich manchmal einstellt, noch zu verstärken schienen. Ich hielt mich an die Stücke mit gedämpfter Bewegung, in denen die Eigenschaft einer diffus klassisch codierten Erbaulichkeit dominant war. »Craco« gehört für mich in diese Kategorie. Das Empfinden einer unverfälschten Schönheit, die von diesem Stück kommuniziert wird, mag auch mit der Abwesenheit von Worten und Gesang zusammenhängen.

Zu Hause, an einem diesigen Wintertag mit abgedämpftem Baustellenlärm im Hintergrund, ergibt das Album als Ganzes Sinn. Die Musik wird charakterisiert durch produktive Leerstellen, die Platz schaffen für Erinnerungsfragmente, nicht gedachte Gedanken, halb vergessene Namen und Gesichter. Begünstigt wird dieser Effekt von der verwehten Melancholie, die im verhallten Klang der Musik nachwirkt. Passend dazu tragen die Stücke Titel, die auf Geisterstädte, verlassene Orte verweisen. Die fehlende Funktionalität dieser Orte spiegelt sich in der schwebenden, auf positive Weise flimmernden Qualität der Musik wider.

 

In drei Worten: Erbaulichkeit / Melancholie / Hall