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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Sei kein verdammtes Arschloch«

Halsey im Gespräch

Die US-amerikanische Sängerin Halsey ist eine Freundin klarer Worte, wie sich rasch im Gespräch mit ihr zeigt. Dabei würde sie eigentlich gerne jeden glücklich machen.
Geschrieben am
Halsey besitzt nicht nur einen kreativen Kopf, sondern auch die entsprechende Stimme, um sich im heiß umkämpften Pop-Geschäft der USA zu behaupten. Mit dieser Stimme findet sie auffällig klare Worte, wenn Dinge zur Sprache kommen, die ihre nahe gehen: »Es ist so viel mehr, als ich mir jemals erhofft hätte. Ich wollte einfach nur Musik machen. Ich wollte die Welt bereisen«, erinnert sie sich an den bisherigen Verlauf ihrer Karriere, fügt aber anschließend mehr trotzig als traurig hinzu, dass sie ohnehin nicht viele Freunde an der High School hatte, die sie dafür hätte zurücklassen müssen.

Seit ihrem erfolgreichen Debüt mit »Badland« sind zwei Jahre vergangen, welche sie nicht nur als Künstlerin, sondern auch privat geprägt haben – ein Unterschied, der sich deutlich in den Themenspektren der Alben spiegelt, wie Halsey selbst feststellt: »Auf ›Badland‹ habe ich sehr daran festgehalten, dass Liebe niemals stoppt, aber wollte mich noch mehr herausfordern und habe deswegen viele Lieder über mich selbst, über geistige Gesundheit und die Welt um mich herum geschrieben. Dann bin ich durch diese sehr harte Beziehung gegangen und habe realisiert, dass es genauso schwer ist Lieder über Liebe zu schreiben, die ehrlich sind.« 

Halseys neues Album »Hopeless Fountain Kingdom«, das am 2. Juni veröffentlicht wird, handelt daher genau von einem Thema: toxischer, verzehrender Liebe, wie man sie etwa aus Shakespeares »Romeo und Julia« kennt. Baz Luhrmanns Verfilmung des Klassikers war es auch, der Halsey beim Schreiben ihres neuen Albums inspirierte – ein Konzept, das sich sowohl durch die Musik als auch durch die zugehörigen Videos und ihren Internetauftritt zieht. Denn die Protagonisten der Videos, die von Halsey (aka Luna aka Romeo) und Model Don Lee (aka Solis aka Julia) gespielt werden, besitzen neben ihrer Geschichte in Videoform auch eine eigene Social-Media-Realität auf Twitter. Außerdem zieren die Figuren das Cover des neuen Albums, das Ende März ebenfalls online in einer Schnitzeljagd zusammengebastelt wurde.
Dabei sieht Halsey die sozialen Medien als Kommunikationsmittel zwischen Künstler und Fans nicht nur positiv. Angesprochen auf einen Blogeintrag, der am Anfang des Jahres auf ihrer Homepage zu finden war und in dem sie sich kritisch mit diesem Thema auseinandersetzt erklärt sie: »Ich glaube, dass sich im Alter von 22 Jahren jeder in einem gewissen Wandel befindet. Du bist kein Kind mehr, sondern ein Erwachsener. Alles um dich herum ändert sich. Du lernst eine bessere Kontrolle über deine Emotionen zu erlangen. Ich denke, es wäre schon sehr schwer für mich, meinen Job zu machen, wenn die Öffentlichkeit nicht ihr Auge auf mich gerichtet hätte. Deswegen denke ich, dass der Druck, insbesondere wenn man auch noch eine Person des öffentlichen Lebens ist, sehr hoch ist. Ich habe immer gute Absichten. Ich will immer, dass die Menschen glücklich sind und meine Kunst zu schätzen wissen. Wenn ich dann negative Aufmerksamkeit bekomme fühle mich wehrlos und bin sehr überrascht. Ich denke es ist schwer, an diesem Punkt die Balance zu finden. Die Balance zwischen sich genug dafür zu interessieren, so dass du nicht wie ein verdammtes Arschloch wirkst, aber gleichzeitig zu lernen sich nicht den ganzen Scheiß anzuhören, sondern du selbst zu bleiben.«  

Das erscheint umso wichtiger, wenn man sich Halseys US-Amerikanische Heimat vergegenwärtigt. Angesprochen auf die Lage, in der sich die Vereinigten Staaten derzeit befinden, appelliert sie zum Abschluss unseres Interviews an die mitfühlende Seite der Menschen: »Es ist schon so schlecht gekommen, dass es hoffentlich nicht noch weiter bergab geht. Wir haben eine Lektion erteilt bekommen. Aber es ist wirklich hart in einem Land zu leben, das so gespalten ist. Zwei unterschiedliche Meinungen zu haben ist, was Demokratie letztlich ausmacht und was auch die USA am Laufen hält. Aber leider ist es genau dieser Aspekt, der die Leute derzeit auseinander reißt. Daher hoffe ich, dass wir wieder lernen menschliches Leben zu wertschätzen und die Rechte von Frauen, People Of Color und marginalisierten Randgruppen hochzuhalten. Das ist ein wichtiger Start. Denn, wenn wir nicht einmal jenen helfen können, die weniger privilegiert sind, dann können wir eigentlich niemandem helfen und interessieren uns bloß noch für uns.«

Halsey

hopeless fountain kingdom (Deluxe)

Release: 02.06.2017

℗ 2017 Astralwerks