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Bühne frei für Spargelspitzen

Haldern Pop Landpartie

Die Haldern Pop-Macher luden zum traditionellen Spargelessen, Intro war vor Ort auf dem platten Land.
Geschrieben am
16.05.07, Rees-Haldern, Saal Tepferdt.

Die Dorfjugend wird unruhig, als die Intro-Entourage eintrifft, sicherheitshalber wird der Reisebus mal abfotografiert, denn vielleicht ist ja doch eine Band drin. Dann aber doch nur: Geladene Journalisten und Verlagsanhang, der der Einladung der Haldern Pop-Macher zum alljährlichen Spargelessen samt offizieller Pressekonferenz zur Bekanntgabe des diesjährigen Festival-Line Ups großzügig gefolgt ist. In einem urigen Ambiente, in dem "sonst nur geheiratet oder gestorben wird" wie es die Veranstalter ausdrücken, präsentiert sich das Haldern bzw. das Drumherum wie eine Indie-Pop-Variante des Films 'Heavy Metal auf dem Lande': Man zelebriert die Peripherie der Provinz, unterstreicht die Einzigartigkeit in der deutschen Festivallandschaft mit krummen Metaphern, den für derlei Anlässe unabdingbaren Anekdoten und wird nicht müde zu betonen, dass das Haldern Pop immer noch eine Herzensangelegenheit ist, für die die Macher den Rest des Jahres um die halbe Welt reisen, um dem Besucherstamm auch in diesem Jahr wieder die Goldnuggets aus dem Untergrund zu schürfen. Was hier im großen Saal des Landgasthofs bei Altbier und Stangenspargel (mit Butter und/oder Sauce Hollandaise) niemand bestreiten will und kann.

Für die diesjährige, 24. Ausgabe des Festivals (02.-04.08., Rees-Haldern am Niederrhein) hat man mit den Editors, Jamie T, Ghosts, den Briten Maccabees und den kanadischen Blog-Dauerbrennern Malajube mal wieder für veritable Stützen für ein dieses Mal hoffentlich Regen freies, erstes Augustwochenende gesorgt. Das ganze Line-Up gibt es übrigens hier.

Nach der kauzigen Pressekonferenz wird der Gasthof dann auch für die Besucher freigegeben und wo sonst die örtliche Feuerwehrkapelle zum Beerdingungskaffee spielt, eröffnen die Two Gallants ihr exklusives Akustikset, das mit der eigens engagierten Cellistin den Trash-Country der zwei Edelmänner auf ein ganz neues Level hebt. Die Neil Young-Mundharmonika wimmert und lässt die Band auch in diesem, zurückhaltenderen Kontext glänzen. Der heimliche Headliner des Abends ist dann mit den Schweden Loney, Dear schnell gefunden. Unter der Windmühlen-Impression in Eiche Rustikal, die über der nur leicht erhöhten Bühne prangt, wirkt der emphatische Indie-Pop der Debütanten (erstes Deutschland-Gastspiel) zwar umso entrückter, reißt aber alle Anwesenden zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Ungefähr da machen ihre Landsleute Shout Out Louds (Foto) auch weiter, wenngleich sie nicht alle Leute "nach Hause fliegen lassen" wie zuvor auf der Pressekonferenz angekündigt. Vielleicht liegt es an den allzu deutlichen The Cure-Referenzen, die zwar nicht die Party sprengen, aber doch allgegenwärtig aufpoppen und leidenschaftlicher diskutiert werden als der eigentliche Auftritt.

Als offizieller Headliner dann betritt der hierzulande ziemlich unbekannte Kanadier Patrick Watson die Bühne. "Coldplay," raunt es da von der einen Seite, von der anderen: "Quatsch, viel besser als die." Dialektisch einigen konnte man sich dann auf Folgendes: Wie Coldplay, aber da wo die sich immer in irgendwelchen außerirdischen Gefilden verblasen, bringen Patrick Watson und seine Band-Konsorten ihre Songs eben doch wieder auf den Punkt und die Beine. Und die Soli des Gitarristen knallen ordentlich in einige besoffene Köppe. Szenenapplaus. Dann die Aktion um auch die letzten Reihen zu erreichen: Sänger und Gitarrist performen von der Theke am Ende des Raumes herab, eine alles in allem bierige Performance. Und ehe man sich's versieht wird dann auch prompt zum Sammeln gerufen. Draußen wartet der Intro-Bus mit laufendem Motor, wie damals die Eltern bei der ersten Dorfdisko. Dabei hatte ich noch Biermarken.