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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Kreise Im Kornfeld

Haldern Open Air 2003

Es muss ruckzuck gehen. Der Redaktionsschluss ist sowieso schon verstrichen, dafür lag das Haldern Open Air dieses Jahr unverschuldet zu ungünstig. Deshalb machen wir es so: Steinbrink und Wessels sitzen Sonntagnacht noch angeschlagen vor dem Rechner und versuchen ein bisschen zu reflektieren. Mal s
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Es muss ruckzuck gehen. Der Redaktionsschluss ist sowieso schon verstrichen, dafür lag das Haldern Open Air dieses Jahr unverschuldet zu ungünstig. Deshalb machen wir es so: Steinbrink und Wessels sitzen Sonntagnacht noch angeschlagen vor dem Rechner und versuchen ein bisschen zu reflektieren. Mal schauen, ob das klappt.

W: Viele Leute hatten im Vorfeld die Sorge, dass das Line-up in diesem Jahr stark abfallen würde. Von wegen “keine Headliner” und so. Unbegründet, oder? S: Ja, Schnickschnack. Was brauche ich große Acts auf der Festivalbühne und so viele Leute davor, dass ich nicht mal mehr erkennen kann, wie viele Leute da eigentlich auf der Bühne stehen? Haldern war schon immer ein Festival, auf dem man in erster Linie entdecken konnte. Dank der bewährt guten Nase der Festival-Leitung. So auch dieses Jahr. Denke nur an die Überraschung des Festivals: Kaizers Orchestra. W: Das soll natürlich nicht heißen, dass man sich nicht auch über ein paar alte Bekannte freut. Die Cardigans habe ich ja leider hitzegeschädigterweise verpasst. Dein Highlight auf dem Gebiet? S: Da hast du wahrlich was verpasst. Groß vor allen Dingen die Neuinterpretationen der Hits aus der Zeit, als man sie noch unter “Easy Listening” subsumierte. Aber ich persönlich war am meisten von Evan Dando angetan. Monstersongs, die sowohl abgestrippt zu Gitarrenbegleitung als auch mit kompletter Band funktionieren. Leider war das Publikum am frühen Abend noch zu lethargisch, um das zu honorieren, sodass Dando kurz vor Ende seines Sets die Nebelmaschine von der Bühne schoss. W: Insgesamt muss man aber schon sagen, dass die Halderner Crowd die Künstler sehr wohlwollend aufnimmt. Das war schon immer so, ändert sich wohl auch nicht. Gleichbleibend gutes, homogenes Billing lässt da aber auch keine Wahl. Schön ja auch, dass man Bands aus Nachbarländern mit lustigen Sprachen ein Forum bietet. S: Von Acts wie Spinvis, Sgt. Petter oder Under Byen darf man durchaus mal mehr hören. Aber mal ab vom Billing: Ein weiteres großes Plus des Haldern-Festivals ist sicherlich sein so ureigenes Flair, das entspannte, weitläufige Ambiente mit ein paar Meriten, die uns Städter vor einige Probleme stellen.

S: Ich habe z. B. am Morgen vor Beginn des Festivals eine Stunde lang einen offiziellen Zugang zu dem direkt neben dem Gelände liegenden See gesucht, bis ich gemerkt habe, dass man auf dem Land auf solche Kinkerlitzchen scheißt und einfach drei bis vier Zäune überwindet, um sich ein bisschen abzukühlen. So viel Punkrock findet sich in der lückenlosen Zivilisation der Baggerseen um Köln nicht. W: Was heißt hier “uns Städter”? Nur weil du auf jemanden in Uniform wartest, der dir zeigt, wo’s langgeht ... In mir trommelt ein niederrheinisches Herz. Urwüchsig wie das Land zwischen Emmerich und Xanten. Schon die Römer haben es sich hier gemütlich gemacht. Sie wussten, warum. Schwimmen mag ich ja nicht so, da ist man so nackt. S: Das hat mich allerdings auch ein bisschen gehemmt: Teilweise wusste ich in meinen Bade-Shorts gar nicht, wo ich noch hinschauen durfte, ohne irgendjemandem unsittlich zu nahe zu kommen. All die Nackten, ganz schön anstrengend. Ich hatte gedacht, solche Hippie-Eigenarten wären bei euch am Niederrhein mittlerweile auch schon überwunden. So langsam geraten wir ins Schwatzen und Schwelgen. Auch weil sich bei uns am Intro-Stand einige Veteranen einfanden, die von der zwanzigjährigen Geschichte des Festivals zu erzählen wussten. Von seinen Anfängen und warum es so wurde, wie es jetzt ist.

W: Schön, oder? Da weiß man wenigstens, für wen man durch die Republik reist, um dieses Magazin voll zu schreiben. S: Ja, besonders herzig waren die Großfamilien aus dem Umland, die dem Haldern Open Air neben den ganzen Hipness-Auswüchsen auch ein Volksfest-Flair geben. Einer erzählte mir z. B. von Iron Maiden 1982 in Dortmund und führte mir tags darauf seinen 11-jährigen Sohn vor, der extra für mich das T-Shirt trug, das sein Vater damals gekauft hatte. W: Und alle mögen unsere “Meet & Greets”. Ex-Viva-News-Anchorman Markus Meske hat das ja wieder ganz souverän über die Bühne gebracht. Gelernt ist eben gelernt. Die Kollegen von Belasco, Aqualung, Kashmir, Koufax etc. lassen sich von dem Smartie ja auch gerne ein paar Neuigkeiten entlocken: neue Platten, Tourpläne und Schwärmereien übers Festival. S: Kurzfristig kamen ja auch die Cardigans vorbei, um ihren Fans Fragen zu beantworten und Autogramm-Wünsche zu erfüllen. W: Hast du dir denn auch eins geben lassen? S: Nee, es war doch so heiß, und da wollte ich nicht auch noch damit kommen. Wenn überhaupt, hätte ich’s für dich getan. Das hätte dich doch bestimmt gefreut, weil du doch schon verhindert warst, oder? Weil du die doch so lieb hast. W: Nett von dir. Nina Persson ist aber auch wirklich toll. Sooo blaue Augen, dazu die schwarzen Haare, die tolle Stimme. Sie ist aber wohl doch ein bisschen zu glücklich verheiratet für mich. S: Das kannst du doch nicht wirklich so meinen ...

Jetzt sind wir jedenfalls wieder da. Müde und glücklich. Jedes Jahr haben wir große Erwartungen, und jedes Jahr wieder erfüllt das Haldern Open Air sie spielend. Nächstes Jahr wieder.

Impressionen gibt's in der Bildergalerie.