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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Angst vor Tauben

Gurr im Gespräch

Gurr bringen ihr erstes Album heraus und nennen es »In My Head«. Julia Brummert traf Andreya Casablanca und Laura Lee in einer Pommesbude in Berlin-Lichtenberg, um sich von ihnen Geschichten über Aufnahmesessions mit zwielichtigen Gestalten aus San Francisco erzählen zu lassen.
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Unser Menü: Pommes mit Mayo und Ketchup, dazu Ayran, Apfelschorle und Cola. Ich sitze mit Andreya Casablanca und Laura Lee an einem dieser Berliner Un-Orte: vor einer Pommesbude an einer Hauptstraße in Berlin-Lichtenberg. Schön ist anders, aber Gurr wollten es so, weil um die Ecke ihr Proberaum liegt und die Fritten solide sind.  

Gerade proben sie, weil demnächst ein paar Konzerte als Vorband von Jimmy Eat World und Kakkmaddafakka anstehen. Darauf folgen diverse Shows beim Reeperbahn Festival – zum Beispiel bei unserem Intro Intim – und eine eigene kleine Tour. Das Warmspielen dient vor allem der Bewältigung der eigenen Nervosität: »Wir sind eher kleine Hühner, bevor wir auf die Bühne gehen, und sehr nervös«, scherzt Andreya. Sicher sind sie sich zumindest, was ihr Debüt angeht. »Einige unserer alten Aufnahmen fanden wir nach einer Weile wirklich schlecht. Deshalb haben wir uns diesmal Zeit gelassen, obwohl es scheiße teuer ist, ein Album aufzunehmen und dir kein Label mehr einen Vorschuss zahlt. Aber das war es wert: Wir sind sehr zufrieden.« Und das völlig zu Recht: »In My Head« garagiger Rock’n’Roll glänzt durch perfekt aufeinander abgestimmten Gesang, eine charmante Patzigkeit und ein Händchen für gut sitzende Melodien.
Dass das so gut harmoniert, mag sicher auch an der engen Freundschaft von Andreya und Laura liegen. Die beiden kennen sich aus dem Studium, haben im Kurs »Academic English« nebeneinander gesessen und bei einem gemeinsamen Projekt beschlossen, dass es Zeit wird, eine Band zu gründen. Später gingen sie zeitgleich für ein Semester nach Amerika. Dort entstanden unter abenteuerlichen Bedingungen auch erste Aufnahmen. »Wir waren im Studio von zwei schrägen Typen, die wir bei einem Konzert in San Francisco kennengelernt haben«, sagt Laura und Andreya nimmt lachend den Faden auf, wie es eben nur richtig gute Freundinnen können: »Einer hieß Dapper Dan, der andere Charles Gonzales. Dan hatte wegen eines Autounfalls vorne keine Zähne mehr. Sehr vertrauenserweckend.« Mit einem Van ging es dann direkt vom Konzert in deren Studio. Laura: »Das Auto hatte keine Fenster mehr und war von einer Weed-Farm geklaut.« Und Andreya ergänzt: »Die haben die ganze Zeit gekokst und gekifft – also erst gekokst, dann gekifft, damit sie high werden und dann wieder runterkommen.«
Nachdem das Umfeld schon mal stimmte, fehlte nur noch der passende Bandname: »Gurr« kam ihnen in den Sinn, als sie einmal über Lauras Angst vor Tauben sprachen. »Die ist so schlimm, dass ich sogar die Straßenseite wechsle, wenn da eine Taube vor mir auftaucht«, beichtet Laura. Außerdem passt Gurr lautmalerisch einfach gut zum Lärm der frühen Songs. Klangliche Ähnlichkeiten zur feministischen Riot-Grrrl-Bewegung der 90er ist durchaus vorhanden, aber man sollte Gurr nicht als Erbinnen einer Bewegung, sondern als das sehen, was sie sind: Eine coole Band, die ihre Einflüsse nach eigenen Angaben von Jeff The Brotherhood oder den Stone Roses nimmt, aber auch Platten wie das Debüt von Avril Lavigne, die Spice Girls und Angel Olsen mag.

Gurr

In My Head

Release: 14.10.2016

℗ 2016 Duchess Box Records