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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Electrifying Conclusion

Guided By Voices

Ich habe ja damals tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, dorthin zu fliegen: nach Chicago nämlich, um dort das neue Jahr willkommen zu heißen (nicht weiter erwähnenswert) und zudem die größte Rockband aller Zeiten zu verabschieden (sehr wichtig). Tränenreich und im nahezu letalen Promillebereich hä
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Ich habe ja damals tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, dorthin zu fliegen: nach Chicago nämlich, um dort das neue Jahr willkommen zu heißen (nicht weiter erwähnenswert) und zudem die größte Rockband aller Zeiten zu verabschieden (sehr wichtig). Tränenreich und im nahezu letalen Promillebereich hätte dieser Abend geendet. Schlussendlich unterließ ich diese vermögensdezimierende Wahnmaßnahme - und nun, da das denkwürdige Ereignis auf dem modernen DVD-Medium vorliegt, werde ich doch ein wenig reumütig. Was nämlich an jenem Neujahrsabend in den letzten vier Stunden der einundzwanzigjährigen Geschichte von GBV vorfiel, lässt sich selbstredend nicht wirklich wiedergeben. Die Bauteile sind, na klar, dieselben wie bei jedem anderen Konzert der Daytonesen - mehr Lieder, als manch andere Band Zeit ihres Bestehens überhaupt veröffentlichte, fünf nicht mehr allzu junge Herren, ein euphorisches Publikum und eine sehr vehement gesicherte Grundversorgung mit Bier und Whisky. Erwähnung muss hier übrigens finden, dass zur Feier des supremum vale eigens eine Bar auf die Bühne gebaut wurde! Sehr löblich. Dennoch - welch Wehmut muss in jenem ehrwürdigen Gemäuer gehangen haben? Glücklicherweise musste ich die DVD mangels eigenen Abspielgerätes außerhäusig in guter Gesellschaft ansehen, sodass auch ich ca. ein Bier trank, was mich von sentimentalen Zwangshandlungen abhielt. Vielmehr bereitete es große Freude, dem kontinuierlich ansteigenden Alkoholpegel der Band zuzusehen, wobei Robert Pollard höchstselbst das vorbildlichste Trinkverhalten an die Nacht legte. Wie es ein Mensch schafft, bereits nach dem ersten Drittel des Konzertes derartig hackendicht zugelötet zu sein, dass die Ansagen nur noch mit großer Konzentration zu verstehen sind, und dennoch bis zum vierundsechzigsten Lied, einem monumentalen, großartigen "Don't Stop Now", aufrecht und schwankend durchzuhalten und nicht weniger als alles zu geben, dies bedarf großer Bewunderung. Doch was red ich: Wer dieses Werk braucht, der wird es schon haben; allen anderen sei gesagt: Auch ihr braucht es, denn die Setlist ist grandios (und liegt als Poster bei), der Sound ist einwandfrei, die Kameras wurden von kompetenten Persönlichkeiten gehalten, dazu Bonusmaterial. Und ich trinke auf die Band, die an diesem Tag ein rühmliches Ende fand. Und die Ewigkeit, Onkel Bob, wird ein perfekter Popsong sein.