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Spalter: "Grinderman 2", Pro & Contra

Grinderman

Boshafter und übellauniger noch als auf dem Debüt poltern die alten Männer wie betrunken durch die eigene Ruhmeshalle.
Geschrieben am
Boshafter und übellauniger noch als auf dem Debüt poltern die alten Männer wie betrunken durch die eigene Ruhmeshalle.

Pro:
Alte Männer, unschön, rücksichtslos, grantig, läufig, dekadent, haarig, lärmend, stolpernd, trinkend, selbstverloren um sich schlagend. Irgendwie anders als straff sitzend, im Hello-Kitty-Look nach Seife duftend. Und auf „Grinderman 2“ hat man das Gefühl, dass sie noch viel weniger Musik für andere machen, dass sie noch viel weniger gemocht werden wollen. Eigentlich ist es eine schöne Platte, um im sturztrunkenen Zustand mit einer Flasche Whiskey in der Hand um sich selbst zu tanzen und dabei sämtlichen Nippes aus den Schränken zu kicken.

Es ist tatsächlich, als würde die Band einmal mit dem Baseballschläger durch die Ruhmeshalle der Bad Seeds fegen. Als wäre ihnen der Albumvorgänger bei Hörern und Kritikern noch zu smooth reingelaufen. Ein Schlachtfeld der Boshaftigkeiten, eine Mischung aus Jammen und Kotzen, ein grollender Fuck-you-Blues, der nur nach hinten raus wenige harmonische Momente zulässt. In diesem Sinne: Kontra-Kritik, piss off!
Carsten Schumacher

In drei Worten: Knarrend / Übellaunig / Rücksichtslos




Auf der nächsten Seite: Linus Volkmann hält dagegen!

Boshafter und übellauniger noch als auf dem Debüt poltern die alten Männer wie betrunken durch die eigene Ruhmeshalle.

Contra:

Okay, in den Achtzigern und natürlich den Neunzigern konnte man wirklich nichts gegen Nick Cave sagen. Nicht dass es nichts Negatives zu sagen gegeben hätte, nein, aber man wollte ja keine aufs Maul kriegen. Von all den (Post-) Westberlin-Addicts, den Halb-Goths und pathetischen Bildungskleinbürgern, die im Duett mit Kylie Minogue den Gipfel ihrer verkitschten Romantik widergespiegelt sahen. In den Nullern wurde es dann schon schwierig, die Schnauze zu halten. Männermann Cave schoss unablässig Projekte und kaum semi-gute Platten ab. Geschenkt.

Aber dieses Jahrzehnt muss es doch endlich jemand sagen, am besten gleich schreiben: Eure Cave-Verehrung sollte den gleichen Stellenwert haben wie die von Hans Söllner oder Umbra Et Imago. Genau: Ich meine Lächerlichkeit. Und was wenn nicht diese unausgegorene Muckerplatte könnte der Aufhänger sein? Lichte toupierte Wave-Haare auf Fotos und in der Musik, dazu nur noch altmännergeile Lyrik, als könnten die Ludolfs plötzlich dichten. Auch wenn es jetzt doch aufs Maul gibt: Das ist alles nicht mehr gut. Euer Cave-Kult ist Ergebnis davon, dass euch Anfang der Neunziger die Batterien ausgingen.
Linus Volkmann

In drei Worten: Totenkult / Ludolfs / Rock



Mehr Spalter gibt es unter www.intro.de/spezial/spalter.

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