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So war’s: Pop ohne Schuldgefühle

Grimes live in Köln

Die kanadische Solokünstlerin gastiert mit ihrer »Ac!d Reign«-Tour in der Domstadt und zeigt sich sympathisch unperfekt.
Geschrieben am
21.02.2016, Köln, Live Music Hall


So ganz hat sich die Kunde von Claire Boucher als neuer Madonna-Anwärterin in Köln noch nicht herumgesprochen. Trotz des Hypes, den ihr letztes quietschbuntes Album »Art Angels« entfacht hat und zuvor ausverkaufter Show in Berlin ist die Live Music Hall an diesem Sonntagabend nur gut gefüllt statt rappelvoll. Am öden Stuttgarter »Tatort« kann es nicht liegen, also vielleicht doch eher am neuen Sound der letzten extrem poppig geratenen Platte, die nicht überall uneingeschränkt positiv aufgenommen wurde? 

Davon ist vor Ort nicht mehr viel zu spüren. Bereits nach dem furiosen Einstieg (»Genesis«, »REALiTi«, »Flesh Without Blood«) fühlt man sich, als wäre man auf einem Rave der 90er Jahre gelandet. Der Bass fliegt einem nicht nur bei Bangern wie »Venus Fly« mächtig um die Ohren. Der Fokus liegt ganz klar auf dem aktuellen Material, von dessen mitreißender Live-Energie man sich an diesem Abend überzeugen lassen kann, vorausgesetzt, man hat keine Aversion gegen Neunziger-Chartpop. Von so genannten Guilty Pleasures hält Grimes nicht viel und lebt diese lieber ungeniert auf Bühne aus. 

Flankiert von zwei Tänzerinnen in Camouflage-Klamotten, die mit dem Beat gutgelaunt um die Wette hopsen, zeigt sich Grimes an diesem Abend outfitmäßig gewohnt schrill (Manga meets Jeremy Scott) und hüpft ihrer neuen Rolle als angehender Pop-Superstar gerecht werdend wie ein hyperaktiver Flummiball über die Bühne. Dass ihr das live nicht immer zu 100 Prozent gelingt, macht die Angelegenheit nur reizvoller. Mangelnde Professionalität - für die gehauchte A-cappela-Einlage »Ave Maria« werden mehrere Anläufe benötigt und bei »Butterfly« muss auf den Zettel mit den Lyrics gespickt werden - macht Boucher mit ihrer unbeholfenen Nerdmädchen-Art wieder wett, die auch in echt genau so sympathisch wie ihr unbekümmertes Pop-Verständnis auf Platte rüberkommt. Nicht perfekt, genau deswegen aber: Ganz großes Kawaii!