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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Art Angels«

Grimes

Kann Grimes nach vier Jahren Wartezeit die hohen Erwartungen an ihre vierte LP erfüllen? Yep, kann sie. Trotz glatterer Politur ist sie auf »Art Angels« ihrem Weirdo-Mainstream-Pop-Ansatz treu geblieben. 
Geschrieben am
Um das neue Grimes-Album zu verstehen, muss man sich nur die Songlisten ihrer Lieblingskünstler ansehen, die Claire Boucher immer wieder auf ihrer zwischenzeitlich gelöschten Tumblr-Seite postet: Justin Bieber, Taylor Swift, Beyoncé, Selena Gomez, Lana Del Rey. Mit letzter war sie sogar auf Tour.

Trotzdem nicht gerade die Referenzen, die man von einer aus dem Underground stammenden D.I.Y-Punk-Prinzessin erwartet und für die sie regelmäßig Onlineschelte kassiert. Genau von diesen Referenzen hat sich Grimes jedoch ohne Rücksicht auf die Indie- Szene für ihr aktuelles, kunterbuntes Album »Art Angels« inspirieren lassen, das aufgrund seiner auf Hochglanz getrimmten Oberfläche zweifelsohne die Fan-Schar spalten wird. Dabei ist »Art Angels« ironischerweise das erste Grimes-Album geworden, das nicht komplett am Computer entstanden ist. 




Anders als der mit Garageband innerhalb von drei Wochen aufgenommene Vorgänger »Visions« hat die Entstehung von »Art Angels« auch deshalb so lange gedauert, weil Boucher sich dafür erst noch Instrumente wie Gitarre, Violine, Klavier und Ukulele selbst beigebracht hat. Auch sonst erweist sich Grimes auf ihrem neuen Album als experimentierfreudige Grenzgängerin und ein im besten Sinne postmoderner Popstar, der vor keinem Genre halt macht. Die Einflüsse auf »Art Angels« reichen von Country, Electro-Pop, Noise, Dubstep, Cosmic und Nu-Metal bis hin zu obskuren K-Pop-Bands. 

Doch obwohl »Art Angels« Pop in großen Lettern schreibt, ist die Musik darauf trotzdem immer noch meilenweit davon entfernt, wie der Einheitsbrei im Radio zu klingen. Bestes Beispiel: Grimes’ Ode an ihre neue Wahlheimat und angeblicher Diss-Track gegen Pitchfork »California« schafft es,  wie eine Antwort auf Taylor Swifts »Welcome To New York« und Dolly Parton im Weltall gleichzeitig zu klingen. »The things they see in me, I cannot see myself. When you get bored of me, I’ll be back on the shelf« singt sie mit hochgepitchter Stimme in der besten Bridge des Albums. Das ist nach dem intelligent überdrehten »Art Angels« nur schwer vorstellbar.
- Grimes »Art Angels« (4AD / Beggars / Indigo / VÖ 06.11.2015)

Grimes

Art Angels

Release: 06.11.2015

℗ 2015 4AD