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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Eltern kaufen ihren Kindern die CDs weg

Grey Fidelity

Unübersichtlich ist es geworden. Die Jugendlichen kümmern sich einen Dreck um Tantiemen, saugen was das Zeug hält und wenn sie für Musik bezahlen, dann kaufen sie sich einen Klingelton. Die Technogeneration hat Kinder bekommen und spielt ihnen zum Einschlafen Minimal vor. Die Musikindustrie will die
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Unübersichtlich ist es geworden. Die Jugendlichen kümmern sich einen Dreck um Tantiemen, saugen was das Zeug hält und wenn sie für Musik bezahlen, dann kaufen sie sich einen Klingelton. Die Technogeneration hat Kinder bekommen und spielt ihnen zum Einschlafen Minimal vor. Die Musikindustrie will die Kurve kriegen und schüchtert an jeder Ecke ein. Derweil steigen die Albumverkäufe in England an. Und Franz Ferdinand sind in den Charts.

Ein Puzzlestein im Poprätsel bietet jetzt die British Phonographic Industry (BPI). Mittvierziger würden nach neuesten Erhebungen zum ersten Mal mehr Geld für CDs ausgeben als Jugendliche. 12- bis 14-jährige machen 16.4% aus, im Gegensatz zu 22.1% im Jahr 2000. 40- bis 49-jährige hingegen sind bei 19.1% angelangt, Fünfzigjährige holen mit 14.3% auf. Bald wird die Hälfte der verkauften Alben von über 40-jährigen gekauft.

Das sind die Zahlen. In einem Guardian-Artikel wird der graumelierte Konsumententyp so beschrieben: Er benutzt das Web, will aber die Produkte besitzen. Er kauft sich CDs bei Amazon oder bei den großen Ketten. Er hat die School of Rock absolviert und ist unzufrieden mit Retortenmusik und Hypemaschine – und sagt das seinen Kindern auch. Er hört White Stripes, Coldplay und The Strokes. Dass heute viele Bands wie früher klingen, ist für ihn vor allem Gedächtnisstütze. Franz Ferdinand hat er sich auch gekauft, weil es ihn an die Glasgower Art-School-Szene von 1982 erinnert.

Ganz sympathischer Typ eigentlich. Die CD-Kette HMV liefert dazu gleich auch noch den druckfertigen Theorie-Hintergrund: "These people are baby-boomers for whom music has always been a central passion, and they have the disposable income."

45-jährig, weiß, männlich: Der Pop-Kunde wird dem Pop-Künstler immer ähnlicher. Und er ist nahezu identisch geworden mit den Leuten, die die Musik verkaufen. Die haben das Potential erkannt und bezeichnen die Zielgruppe als "very, very important." Da werden wohl unter anderem sehr viele Greatest-Hits-Platten auf uns zukommen.

Wer Musik aus dem Netz als Rebellion gegen die Industrie sieht, sollte sich vorsehen: Die eigenen Eltern finden das auch nicht gut. Revolution, anyone?