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Konzertbericht zur Show im FZW

Grails dröhnen in Dortmund

Die Formation aus dem pazifischen Nordwesten zelebriert monströse Impro-Jams in schummriger Atmosphäre und beweist ein weiteres Mal beispiellose Live-Qualitäten. (Foto: Temporary Residence)

Geschrieben am

12.05.2018, Dortmund, FZW

Eröffnet wird die Bühne im kleineren Konzertsaal des FZW, in dem die Grails schon vor vier Jahren bei ihrem letzten Deutschlandbesuch aufgetreten sind, kurz nach acht von dem pakistanischen Free Folker Ilyas Ahmed. Seine rund 20-minütige Gitarrenimprovisation irgendwo zwischen Loren Mazzacane Connors und Rick Tomlinson dient als Warm-up für das Set der Instrumentalkünstler aus Portland, denen Ahmed als manchmal etwas zu eifriger Distortionspezialist über die gesamte Spieldauer zur Seite steht.

Den Einstieg markiert »Daughters Of Bilitis«, das zentrale Stück des 2011 veröffentlichten Albums »Deep Politics«. Streicher und Piano weichen Pedal-Steel-Gitarre und Keyboard, die Drums sind weit in den Vordergrund gerückt, der Sound ist dröhnender und melodisch ausgefranster als im Original. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch dem stellenweise unglücklichen Mixing der Toningenieure geschuldet, doch arrangiert die Band ihre Stücke live schon immer ziemlich anders, als auf ihren Studioalben – und so was wird ja leider Gottes nur noch selten praktiziert. Das bald wieder unter Kontrolle gebrachte Dröhnen der Gitarren mündet nahtlos in eine Art Medley aus »Satori« und »Stoned At The Taj Again«: Hier erneut paraphrasiert als psychedelische Glanzmomente, die beide auf frühen EPs von 2005 respektive 2008 zu finden sind. Scheinbar seit Jahren in Mark und Bein übergegangen sind dabei nicht nur die durchdachten Dialoge zwischen Bass und Lead-Gitarre, sondern auch die immer wieder mühelos hergezauberten Wechsel der Rhythmussektion. Emil Amos erweist sich besonders beim »Belgian Wake-Up Drill« als Tier am Schlagzeug, das von Ilyas Ahmeds brachial dröhnenden Licks kräftig Rückenwind bekommt. Die cineastischen Stücke »Deep Snow«, »Predestination Blues« und »New Prague« erfahren eine Neuinterpretation, werden ineinander verschachtelt und zu einem beeindruckenden Improgewitter hochgejazzt, bei dem wohl selbst die hinteren Reihen kräftig ins Schwitzen kommen.

Grails

Chalice Hymnal

Release: 17.02.2017

℗ 2017 Temporary Residence Ltd.

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