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The Heart Is The Place & These Beautiful Ghosts

Goldrush & Mark Gardener With Goldrush

Mist, im Interview habe ich doch glatt vergessen, Robin Bennett zu fragen, wie er das macht: Wie er diese Stimme hinbekommt, dieses Paradox eines tröstlichen Wimmerns, eines kraftvollen Seufzens. Kann man sich so was antrinken? Jedenfalls ist es auch auf Goldrushs zweitem Deutschland-Release Bennett
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Mist, im Interview habe ich doch glatt vergessen, Robin Bennett zu fragen, wie er das macht: Wie er diese Stimme hinbekommt, dieses Paradox eines tröstlichen Wimmerns, eines kraftvollen Seufzens. Kann man sich so was antrinken? Jedenfalls ist es auch auf Goldrushs zweitem Deutschland-Release Bennetts Stimme, die mich am Ende kriegt. Diese Platte ist mir in den letzten Wochen dermaßen ans Herz gewachsen, dass ich sie in den höchsten Tönen loben will. So kitschig das auf dem Cover klingen mag: 'The Heart Is The Place'. Also wirklich. Genau dort nisten sich diese zwölf Songs ein. Und trotzdem könnte ich jedem zustimmen, der mir nach dem ersten Hören sagt, die Platte sei unspektakulär. Allerdings nicht, ohne ihn zum zehnmaligen Nachhören zu verdonnern. Es braucht halt seine Zeit, bis man heraushört, wie Bennett hier lyrisch die ganz großen Themen angeht, wie er auf angenehm zugängliche Weise philosophisch wird und wie er und seine Mitmusiker sich aus dem Korsett des amerikanisch angehauchten Indierock freistrampeln, den sie noch auf 'Ozona' pflegten.
'The Heart Is The Place' reiht eine kleine Pophymne an die nächste, überrascht mit schrägem Trompetenspiel und dezenten elektronischen Verzierungen, die dem neuen Bandmitglied Pedro zu verdanken sind. Und auch wenn ich mir geschworen habe, nie einen Song zu lieben, der Vogelgezwitscher samplet, so konnte ich mich doch nicht gegen 'Goodbye Cruel World' wehren. So wird es hoffentlich vielen ergehen.



Wenn man die tragische Entstehungsgeschichte des neuen Goldrush-Albums kennt (die an anderer Stelle in diesem Heft nachzulesen ist), erscheint es ein wenig befremdlich, dass nun ein Album in Deutschland veröffentlicht wird, das noch aus der Zeit stammt, in der Goldrush ein funktionierendes Bandgefüge hatten. Aber Goldrush geben auf 'These Beautiful Ghosts' nur die Backing-Band für einen einst ganz großen Namen der britischen Pophistorie: Mark Gardener. Der war neben Andy Bell kreativer Kopf und Gitarrist der Shoegazer-Pioniere Ride. Während Bell sich nach der unrühmlichen Auflösung von Ride erst mit eigener Band (Hurricane #1) zurückmeldete, verdingt er sich inzwischen als Basser bei Oasis. Gardener dagegen brauchte fast zehn Jahre für sein Solodebüt (das zuerst Ende 2005 in den Staaten veröffentlicht wurde), seine kurze Rückkehr mit Animalhouse mal außen vor gelassen. Die Goldrush-Connection liegt dann näher, als man denkt: Gardener stammt ebenfalls aus deren Heimat Oxford. Leider kann ich mich für dieses Album nicht ganz so erwärmen wie für Goldrush solo oder die frühen Ride-Scheiben. Dabei ist 'These Beautiful Ghosts' eine souveräne Songwriter-Pop-Platte, die Gardeners weiche Stimme halt nicht ins Gitarrenfeedback wirft, sondern sie ebenso sanft umspielt. Mal mit Country-Anleihen ('Snow In Mexico'), dann mit dichten Keyboardflächen und langsamen Computer-Beats ('To Get Me Through') oder als mehrstimmiges, geigenverziertes Folk-Lehrstück ('Where Are You Now?'). Allein, es bleibt zu glatt. Vielleicht muss man 'These Beautiful Ghosts' aber auch einfach ein wenig mehr Zeit lassen. Ja, ich glaube, das werde ich probieren.