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Von Joshua Tree nach Oxfordshire

Goldrush

Dem gemeinen Musikjournalisten wird ja nachgesagt, er lese seine Worte lieber als die der Künstler, die er interviewt. Nun, das mag in Einzelfällen stimmen. Oft ist es aber dem redefaulen Künstler geschuldet, der dir in zwei Sätzen erzählt, wie das neue Album zustande kam. Hat man allerdings einen G
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Dem gemeinen Musikjournalisten wird ja nachgesagt, er lese seine Worte lieber als die der Künstler, die er interviewt. Nun, das mag in Einzelfällen stimmen. Oft ist es aber dem redefaulen Künstler geschuldet, der dir in zwei Sätzen erzählt, wie das neue Album zustande kam. Hat man allerdings einen Gesprächspartner wie Robin Bennett von Goldrush, dann sollte man erkennen, dass einfach mal die Schnauze zu halten ist. Also von mir diesmal nur die Fakten: Goldrush haben ein neues Album. Und das ist die Geschichte dazu: “Wir waren in Joshua Tree, Südkalifornien, als die Sache schiefging. Unser Gitarrist Garo und ich hatten dort ein paar Songs aufgenommen, während der Rest sonst wo versackt war. Mein Bruder war plötzlich nach Urlaub zumute, die anderen zwei hingen noch auf einer Party in Los Angeles fest. Als wir die Band endlich zusammenhatten, um das neue Album einzuspielen, wurde es zum Alptraum. Zwei Wochen haben wir nur gestritten. Die lange Tour durch die Staaten hatte uns völlig reizbar gemacht. Ohne Ergebnis rauschten wir ab. Mein Bruder ging nach New York, unser Drummer stieg aus und wurde Kurierfahrer, weil er endlich mal Geld verdienen wollte. Garo und ich zogen zurück zu unseren Eltern nach Oxfordshire. Ausgerechnet da fingen wir uns wieder. Wir verkrochen uns in einem Schuppen am Haus von Garos Eltern. Darin hatten wir lediglich einen Laptop, ein weißes John-Lennon-Piano, eine Hammond-Orgel, die wir einer alten Lady abgeschwatzt hatten, ein Foto von Jimi Hendrix, zahlreiche Bierdosen und gerade mal drei Songs.
Aber die Arbeit zu zweit tat unserem Sound sehr gut. Auf einmal hatten wir keinen Bassisten, der unbedingt bei jedem Song mitspielen muss. Wir hatten ja nicht mal mehr einen Drummer. Dafür fanden wir an anderer Stelle Hilfe: Wir schickten unser Material an Pedro, einen alten Freund von mir, der sonst elektronische Musik produziert. Er puzzelte es zusammen und bastelte viel dazu. Wir hatten einfach Vertrauen in ihn. Ich entdecke heute noch Sounds in den Songs, die ich noch nicht kenne. Mein Bruder kam für ein paar Wochen vorbei und spielte allerhand Instrumente ein – Trompete, Geige und was ihm sonst noch in die Finger kam. Bei den Lyrics half mir Danny Black, ein Bekannter aus L.A., mit dem ich ein paarmal durch die Bars gezogen bin. Ein sehr inspirierender Kerl, ein wenig wie dieser Typ von Guided By Voices. Danny besuchte uns, und wir verbrachten herrlich betrunkene Nächte in unserem Schuppen. Wir führten wilde Diskussionen über Philosophie und Softball. Am Tag darauf versuchten wir dann, diese Gedanken aufzugreifen und in Form zu bringen. Während der Arbeit hätte ich nie gedacht, dass auf diese Weise ein Album entstehen kann. Aber dank Pedro hat es funktioniert. Wir haben zwar noch keine Ahnung, wie wir das auf die Bühne bringen, aber bis wir in Deutschland ankommen, überlegen wir uns was. Versprochen!”