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Ring Of Saturn

GOLDIE

Zwei ganz große, ganz knackige Drum'n'Bass-Überraschungen in einem Monat: GOLDIE releast ein Mittelding zwischen neuer Elpee und sehr langer Maxi (40 Minuten Spielzeit), und DECODER positioniert sich mit einem extrem guten Langspieler voll tofter Tracks auf den vorderen Plätzen des D'n'B-Album-Kanon
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Autor: intro.de

Zwei ganz große, ganz knackige Drum'n'Bass-Überraschungen in einem Monat: GOLDIE releast ein Mittelding zwischen neuer Elpee und sehr langer Maxi (40 Minuten Spielzeit), und DECODER positioniert sich mit einem extrem guten Langspieler voll tofter Tracks auf den vorderen Plätzen des D'n'B-Album-Kanons.
Die Medien-Benutzeroberfläche GOLDIE hat uns ja noch immer überraschen können: nach dem arg ambitionierten und doch wichtigen Bombast von "Saturnz Return" präsentiert "Ring Of Saturn" nun sieben strikte, stark tanzbodenorientierte Tracks unter der Engineer-Ägide von Mark Seyfritz. So wird die ehedem 60minütige Prog-Oper "Mother" vom Meister und OPTICAL auf maxitaugliche sieben Minuten runtergestrippt und ist das einzige bereits releaste Stück der Platte. Wie auch beim Rest verzichtet GOLDIE hier wohltuend auf abgenudelte Two-Step-Beats, sondern konstruiert statt dessen wild schlängelnde Break-Skulpturen, angefüllt mit oldschooligen Hardcore-Sounds, schrägen Terminator-Chords und polternden HipHop-Scratches. Ein unschubladiges Gemisch aus tagesaktuellen Klängen und Alter Schule, das ob seiner Eigenwilligkeit auch auf "Reinforced" hätte erscheinen können. Sehr ungestüm, sehr wild, sehr empfehlenswert - fast so, als wolle er den untanzbaren Pomp von "Saturnz Return" wieder ausbügeln und uns den Glauben an seine Front-Tauglichkeit wiedergeben. Bei mir hat die Metall-Bißleiste das jedenfalls geschaft. Und mit "What You Won't Do For Love" inklusive GOLDIE-üblichem DIANE CHARLEMAGNE-Gesang sogar einen veritablen Radiohit im Programm.
Den hat mit dem Schmuse-Frauengesangs-Track "Downtime" auch Darren Beale a.k.a. DECODER, besser bekannt als eine Hälfte der Industrial-Soundfans TECHNICAL ITCH aus Bristol, ist gegenüber GOLDIE aber im Vorteil, sich für nichts entschuldigen zu müssen - statt dessen zelebriert er auf "Dissection" so etwas wie the Return of Slapbass: Eher dem bekannt-beliebten Bristol-Style denn technoiden Klängen verpflichtet, kommt das Album mit zwölf extrem gutgelaunten Tracks voller Bigband-Sounds, Stopftrompeten und Crunch-Klängen über treibenden, funktionalen Beats - eine Art Agentenfilm-Drum'n'Bass mit eingebauter Autoverfolgungsjagd, und dabei absolut nicht geschmäcklerisch, sondern fingerschnipsender Abstrakt-Funk. Die Kollegen vom "Groove" sehen momentan gar kein "wichtigeres Album für das Genre Drum'n'Bass". Das ist meiner Ansicht nach zwar etwas übertrieben, da hier nichts grundlegend Neues zelebriert wird - aber immerhin haben wir einen totalen Überraschungs-Durchstarter, der wieder etwas Spaß auf die Tanzfläche zurückbringt. Und das ist, ebenso wie GOLDIEs Hardcore-Rückbesinnung, in Zeiten von formatierten Techstep-Tracks mehr wert, als man denken sollte.