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Felt Mountain

Goldfrapp

Wenn man sich das Cover von “Felt Mountain” anschaut, möchte man meinen, Goldfrapp bewegen sich mit ihrer Musik irgendwo zwischen Stummfilm und “Twin Peaks” - bildlich gesprochen. Das Foto vom verschneiten Nadelwald, Allison Goldfrapp in Gummistiefeln auf abgeholzten Baumstämmen sitzend und (vermutl
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Autor: intro.de

Wenn man sich das Cover von “Felt Mountain” anschaut, möchte man meinen, Goldfrapp bewegen sich mit ihrer Musik irgendwo zwischen Stummfilm und “Twin Peaks” - bildlich gesprochen. Das Foto vom verschneiten Nadelwald, Allison Goldfrapp in Gummistiefeln auf abgeholzten Baumstämmen sitzend und (vermutlich) Will Gregory, dessen Rückansicht man vor einer holzvertäfelten Wand sieht, all das sind Bilder, die allein von ihrer Ästhetik her einem David Lynch irgendwo nahestehen.
Und letztendlich lässt sich dieser erste allgemeine visuelle Eindruck auch auf alles andere übertragen, wenn man dazu die neun Songs auf dem Debütalbum des englischen Duos hört, die allesamt in ihren aufwendigen Arrangements und ihrer Komponiertheit stark an Filmmusik erinnern. Es ist die besondere Methode, wie Musik auf dem Album eingesetzt wird, um beim Hören Bilder und Atmosphären im Kopf entstehen zu lassen, die eben an so etwas wie Stummfilmmusik denken lässt, allein, weil hier die Musik eine handlungsführende Rolle spielte, ohne die die symbolträchtigen Bilder nur selten derart ausdrucksstark gewesen wären. (Eine Tatsache, die übrigens sicherlich auch auf Will Gregorys vorhergehende Arbeit als Filmkomponist zurückzuführen sein dürfte – Davon erzählt er auch im Interview mit Alexander Jürgs, siehe Videomitschnitt auf www.intro.de).
Dazu tritt dann Allison Goldfrapps fast unbeschreiblicher, aber auf jeden Fall ungewöhnlicher Gesang, der in den einzelnen Songs wie auch in der Gesamtheit zwischen allen möglichen Extremen zu wandeln scheint. Mal denkt man an Operngesang und dann wieder an avantgardistische Stimmexperimente. Mal findet man ihn nahezu unerträglich und mal einfach nur wunderschön. So ist “Felt Mountain” insgesamt weniger eine Art Soundtrack zu einem nicht existenten Film als ein zweifelsohne sehr seltsames Stück Musik, das wegen seiner manchmal gerade auch stillen Wortgewalt extrem beeindruckt und bleibende Spuren hinterlässt. Wenngleich es ziemlich allein auf weiter Flur stehen dürfte und manchen vielleicht ein wenig zu kunstvoll erscheinen mag - und das auch nicht zu Unrecht. Einen der wenigen Nachbarn solch feinsinniger Klänge stellt Violet Indianas EP “Choke” dar, bei dem u. a. der Gitarrist Robin Guthrie (ehemals Cocteau Twins) seine Finger maßgeblich mit im Spiel hat. Das ist im Ergebnis allerdings weniger gelungen. Einerseits, weil sich Siobhan De Marés Gesang etwas belangloser und nicht so ungewöhnlich wie der Allison Goldfrapps präsentiert und daher auch nicht diese Ausdruckskraft besitzt, die selbst in den Songkompositionen liegende Schwächen ausgleichen kann. Weniger gelungen andererseits, weil die vier Stücke den Eindruck vermitteln, als wüssten Violet Indiana nicht genau, welchen Weg sie mit ihrer Musik einschlagen wollten. So klingt “Choke” wie eine komische Mixtur aus Gitarrenmusik, Angelo Badalamenti und Ethnoklängen. Wobei man ihnen mit dieser Beschreibung möglicherweise unrecht tut, weil diese Unschlüssigkeit in der Musik auch einfach daran liegen könnte, dass die Formation noch jung ist oder aber mit Guthrie und De Maré zwei sehr unterschiedliche Charaktere in sich zu vereinen sucht. FEE MAGDANZ