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»Goat Girl«

Goat Girl

Aus dem toten Winkel der Postpunk-Peripherie Londons preschen Goat Girl in den Fokus der Hoffnungsträger-Listen. Ihr Albumdebüt – unverbraucht, spontan und allen voran laut – rechtfertigt den Hype.

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Goat Girl wüssten zu gern, wie sie der selbstverschuldeten Euphorie-Lawine entkommen können. Konfrontiert man die vier Gören aus Brixton nicht nur mit Riot-Attitüde, Feminismus-Direktive und politischen Garage-Aktionismus, sondern führt auch noch ihre offensichtliche Zugehörigkeit zum revitalisierten Postpunk-Milieu rund um das Szene-Venue The Windmill ins Feld, stößt man zumeist auf gereizte Widerspenstigkeit. Ihr selbstbetiteltes Premierenalbum dreht immerhin mächtig an der Referenzkurbel: Das raue, kehlige Crooning ihrer Sängerin erinnert an die junge Joan Jett, während kompromisslose Bassläufe und Amplifier am Anschlag in »Cracker Drool« wie vollgesogene Schwämme über die kotzbefleckten Tresen der Südlondoner Pubs wobbeln, an denen früher Mark Smith gesessen hätte. Dagegen wirkt das melodiösere Wiegenlied »Lay Down« fast schon friedensbewegt.

Die spannungsgeladene Ballung aus Garage, Punk, Noise, vereinzelten Dub-Beats, aber auch Country- und Goth-Wave-Elementen bläst auf »Goat Girl« jenen Dreck nach Soho, der dort sonst nicht mal nach der Sperrstunde zu finden wäre. Dabei überführt das DIY-Quartett den paralysierenden Brexit-Nackenschlag in ein subkulturelles Referendum, das nicht nur unausstehlich cool, sondern auch wachrüttelnd ist. Und schon passt es ins Bild, dass ihr Vertrag mit Rough Trade am selben Tag abgeschlossen wurde, an dem sich das werte Königreich entschied, Europa den Mittelfinger zu zeigen. Kaum verwunderlich, dass Goat Girl die Watchlists für 2018 okkupiert haben – von diesen Mädels wird man in Zukunft noch eine Menge Krach ertragen dürfen.

Goat Girl

Goat Girl

Release: 06.04.2018

℗ 2018 Rough Trade