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»Ich bin das, was ihr braucht«

Gnučči im Gespräch

Die schwedische Rapperin mit Balkan-Roots hat uns auf der gemeinsamen Tour mit Princess Nokia dermaßen umgehauen, dass wir sie uns gleich zum Interview gekrallt haben. Selten war der etwas strapazierte Begriff »Geheimtipp« treffender. Wer das nicht glaubt, der schaue sich einfach mal ihren Clip zu »Young Paula Abdul« an. Sara Ulrich traf Gnučči vor ihrer Show im Institut für Zukunft in Leipzig. 
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Wenn man mit Ana Rab a.k.a. Gnučči spricht, dominiert sie schnell das Gespräch. Aber nicht in einer negativen, sondern in einer selbstbewussten, klugen Art und Weise. Sie lenkt die Unterhaltung auf Themen, die ihr wichtig sind. Und weil sie dabei so ungekünstelt ist, lässt man sich das nur zu gerne gefallen. Da wundert es nicht, dass weibliche Selbstermächtigung ein zentrales Motiv ihrer Kunst ist. So zum Beispiel in ihrem aktuellen Hit »Young Paula Abdul«, einem Breakbeat-Track, der eine Hommage an ihre Girl Gang ist. Gnučči selbst sagt, ihre Musik solle für ihre Fans so etwas wie die »beste feministische Freundin« sein. Und wie es sich für eine Freundin gehört, baut sie dich auf, wenn du mal an dir zweifelst. Wie beispielsweise der Track »Goodah«, der in Schweden als feministische Pop-Hymne gefeiert wird. »Hey, egal was sie sagen, wir sind eh zu gut für sie«, heißt es darin.
Gnuččis Feminismus ist nicht aus dicken Theoriewälzern angelesen, sondern wie sie – verdammt natürlich, eine Selbstverständlichkeit. »Man muss politisch sein, denn Politik beeinflusst unser Leben«, sagt sie. In ihrem Fall trifft das ganz besonders zu: Mit fünf Jahren floh sie mit ihrer Familie aus der heute serbischen Hauptstadt Belgrad vor dem Jugoslawienkrieg. Als Einwandererkind musste sie lernen, sich in der ihr fremden schwedischen Gesellschaft durchzubeißen. Sie erzählt, dass ihr immer wieder klargemacht wurde, nicht Teil dieser Kultur zu sein: »Ich konnte mich nicht auf das beziehen, wo ich herkomme und nicht auf das, wo ich aufgewachsen bin. Also musste ich selbst etwas aus mir machen.«  

Dabei entwickelte sie eine Individualität, die sich nicht nur auf ihre Persönlichkeit, sondern auch auf ihre Musik auswirkt. Zwar lässt sich Gnučči grob dem Genre HipHop zuordnen, spielt jedoch so sehr mit diversen Einflüssen, dass kaum eine Definition trifft. Da krachen zu zentnerschweren Beats Balkan-Sounds auf House, Dancehall, Pop, Electronica – eine wilde Mischung, die nur durch ihre bombastische, energetische Interpretation im Zaum gehalten wird.  

In organisatorischen Dingen lässt sich das »self-made Balkan Babe« – wie sie sich selbst nennt – nicht reinreden. Gnučči veröffentlicht hauptsächlich auf ihrem eigenen Label Famalam Records, managt sich und produziert ihre Videos selbst. »Ich liebe es, DIY-Artist zu sein. So kann ich mir die Leute aussuchen, mit denen ich arbeite«, sagt sie. Hin und wieder kollaboriert sie mit internationalen Künstlern wie Tim Turbo, Schlachthofbronx oder der schwedischen Produzentin Tami T. Der Startschuss für ihre Karriere war ein Feature mit ihrem jetzigen Ehemann, dem südafrikanischen Rapper und Produzenten Spoek Mathambo. Auch wenn Gnučči seitdem zahlreiche Solo-Tracks und Kollaborationen herausgebracht hat, ist sie noch immer eher Insider-Tipp als Chartstürmerin. Der taffen Frau ist das egal: »Scheiß drauf, was die Leute wollen. Ich bin das, was ihr braucht.« Und damit hat sie verdammt recht. Denn mit ihrem poppigen, bombastischen, feministischen Rap ist Gnučči ein Must-know der neuen Girl-Rap-Generation.

Gnucci

Psychohappy - EP

Release: 25.03.2014

℗ 2014 Famalam Records under exclusive license to Sony Music Sweden AB

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