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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

a minor rock'n’roll-swindle

Glen Matlock

GLEN MATLOCK kam zum Punk wie die Jungfrau zum Kinde. Der verkrachte Kunststudent verkaufte im Jahre 1973 auf Londons King's Road schrille Mode in dem Laden "Too fast to live, too young to die". Besitzer der Boutique war der komische Vogel Malcolm McLaren, der sich nebenbei um die geschäftlichen Bel
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Autor: intro.de

GLEN MATLOCK kam zum Punk wie die Jungfrau zum Kinde. Der verkrachte Kunststudent verkaufte im Jahre 1973 auf Londons King's Road schrille Mode in dem Laden "Too fast to live, too young to die". Besitzer der Boutique war der komische Vogel Malcolm McLaren, der sich nebenbei um die geschäftlichen Belange einer Coverband namens THE SWANKERS kümmerte. So traf MATLOCK auf Paul Cook und Steve Jones. Der begabte Bassist lernte schnell, und aufgrund der beschränkten Songwritertalente seiner Mitstreiter avancierte er sogar zum kreativen Kopf neben Sänger Johnny Rotten. Mit letzterem überwarf er sich bald nach den ersten Aufnahmen der inwischen in SEX PISTOLS umbenannten Truppe. Eine handfeste Schlägerei mit Fernsehmoderator Bill Grundy brachte dem smarten Briten schließlich das abrupte Ende einer kurzen Karriere als Punk-Hero. Also gründete er mit dem späteren ULTRAVOX-Chef Midge Ure die RICH KIDS. "Wir waren ein Kind der 70er. Kaum jemand kann sich heute an die RICH KIDS erinnern. Aber für mich war es eine Art Befreiung vom dilettantischen Stigma der PISTOLS", erinnert sich MATLOCK.
Nach dem Ende der RICH KIDS begann seine Karriere als Studiomusiker. Er begleitete u. a. IGGY POP und JOHNNY THUNDERS auf Tourneen. Aus dem vermeintlichen Punk-Revolutionär (Schlachtruf der PISTOLS-Fans: "Citizen Matlock!") war ein gesetzter Rock'n’Roll-Funktionär geworden, der angefangen hatte, die Musik als Job zu sehen. "Mit 18 hatte ich 'ne Menge Illusionen, mit 39 Jahren sind daraus viele Desillusionen geworden." Der bevorstehenden Reunion sieht er trotzdem positiv entgegen: "Die meisten Wiedervereinigungen werden Flops, weil das Geld im Vordergrund steht. Bei uns ist es anders. Ich kenne meine Jungs, wir haben Feuer!" Starke Worte, insbesondere, wenn man bedenkt, daß sein Songwriting auf dem vorab erschienenen Solo-Album gegenüber dem ‘76er-PISTOLS-Standard zwar gereift ist, dem im Vergleich zu dem momentanen Wust an soliden Gitarrencombos aber allenfalls mittelprächtiger Charakter attestiert werden kann. Jeder Mensch bekommt sein "second coming". Auch der freundliche GLEN MATLOCK. Mit dem dicken Fisch, den er mit Johnny Rotten & Co momentan in Los Angeles vorbereitet, wird er die zweite Chance voraussichtlich nutzen. Deshalb können auch gutmeinende PISTOLS-Fans getrost Abstand von dem cleveren Solo-Fake (Titel "Who's He Think He Is When He's At Home?") nehmen!