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So war's Donnerstag und Freitag

Glastonbury

Glastonbury, die Mutter aller Festivals, wird 40. Außer einem Kurzbesuch von Prince Charles ist aber eigentlich (fast) alles wie immer: Alte Helden + The Next Big Thing + Hippietum + Anti-Kommerz-Haltung + 175.000 Besucher...
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Glastonbury, die Mutter aller Festivals – zumindest wenn es nach den Briten geht – wird 40.

Das soll uns aber nicht weiter interessieren. Denn außer einem Kurzbesuch von Prince Charles ist eigentlich (fast) alles wie immer: Alte Helden + The Next Big Thing + Hippietum + Anti-Kommerz-Haltung + 175.000 Besucher. Eines ist dann aber doch anders als sonst: Unsere Reporterin Christine Franz steht nicht wie in den letzten Jahren knietief im Matsch, sondern salbt ihren Sonnenbrand. Was an diesem Wochenende auf der Farm von Milchbauer, Musiknerd und Festivalguru Michael Eavis passiert, beschreibt sie hier.

 

Donnerstag 24.6.2010, 7.10 pm, Queen’s Head Stage

Eigentlich startet das Glastonbury ja erst morgen so richtig. Heute gibt’s aber auf ein paar kleineren Bühnen schon ein bisschen Festivalfrischfleisch zu sehen. Zum Beispiel Egyptian Hip Hop. Und die kommen natürlich weder aus Ägypten, noch haben sie irgendwas mit Hip Hop am Hut. Die Herren in Batikshirts stammen aus Manchester und machen das, was man dort eben so macht: Indie in tanzbar. Warum Egyptian Hip Hop in diesem Jahr als Geheimtipp gehandelt werden, erschließt sich heute Abend nicht so wirklich. Das Zelt ist zwar rappelvoll, aber erst beim letzten Song kann man ein bisschen erahnen, wie es wäre, wenn Egyptian Hip Hop weniger Angst vor ihrem Glastonbury-Debüt hätten. Mal im Auge behalten.

Donnerstag 24.6.2010, 8.15 pm, Queen’s Head Stage

Die Wenigen, die nach Egyptian Hip Hop noch an der Queen’s Head Stage stehen bleiben, werden mit Chapel Club belohnt. Think Joy Division-Editors-White Lies-... - ihr wisst schon. Nicht nur wegen ihres dunklen Sounds, sondern wegen ihres charismatischen Frontmanns Lewis Bowman. Der macht auf der Bühne einfach: nichts (außer vielleicht ein bisschen wie Ian Curtis zu klingen). Und es funktioniert trotzdem. Erste Entdeckung dieses Festivals so far.

Freitag 25.6.2010, 1.30 pm, irgendwo zwischen Dance Tent und John Peel Stage

Um einen Landrover hat sich eine Menschenmenge gebildet. Festivalgründer Michael Eavis macht das, wovon in England schon Legenden handeln: er fährt über’s Gelände und fragt unterwegs die Festivalbesucher, welche Bands sie schon gesehen haben. Und alle wollen Facebook-Fotos mit ihm machen. Der Mann ist schließlich eine Institution.

Freitag 25.6.2010, 2.25 pm, Cube Henge

In einem Stonehenge-Nachbau aus Wasserkanistern tritt Mamy Rock auf: Eine 70-jährige House-DJ aus Bristol. In Frankreich ist sie angeblich schon ein Star in den Clubs. Lange kann das in UK auch nicht mehr dauern. Die ca. 3000 Tanzenden vor der Bühne feiern ihre Mixe jedenfalls ab. Wenn sie nicht gerade Fotos von ihr machen.

 

Freitag 25.6.2010, 10.10 pm, Pyramid Stage

It was either us or the Beatles” haben die Gorillaz kurz vor dem Glastonbury verkündet, als Bono wegen seiner Rücken-Op den Headliner-Slot canceln musste. Und Festival-England war erleichtert darüber, dass Glastonbury zum 40. nicht doch schon alt und greise wird. Im Vorfeld war durchgesickert, dass die Gorillaz mit vielen Freunden anreisen werden. Und so klatschen sich auf der Hauptbühne heute Abend Paul Simonon, Mick Jones, Bobby Womack, De La Soul, Snoop Doog, Mark E. Smith, Shaun Ryder und Lou Reed ab. Aber irgendwie wirkt das alles live, als ob Damon heute Abend für sich selbst eine Party schmeißt, bei der die 120.000 vor der Bühne nicht so richtig eingeladen sind. Was an den langen Pausen zwischen den Songs liegen mag oder einfach daran, dass der Auftritt vielleicht wirklich ein bisschen überambitioniert daher kommt. Spätestens nach dem Gastauftritt eines arabischen Orchesters ist das Publikum gefühlt um ein Drittel geschrumpft. Auf der Other Stage spielen schließlich gerade die Flaming Lips. Und irgendwie will man sich auch nicht die Erinnerung an den Blur-Auftritt im letzten Jahr verderben. Damals war Damon Albarn heulend vor Rührung über die Reunion auf der Bühne zusammengebrochen. Und hat sich mit dem Mond unterhalten.

 

Freitag 25.6.2010, 1 am, Dance West

Boys Noize ist der einzige deutsche Act auf dem Glastonbury und darf heute Abend als Headliner im Dance Tent ran. Dass der Berliner schon Mixe für Editors, Bloc Party und Late of the Pier verzapft hat, merkt man an der Feierlaune im riesigen Clubzelt. Am Ende gibt’s sogar „Boys Noize, Boys Noize“-Rufe aus dem Publikum. Und Boys Noize darf sogar eine halbe Stunde länger machen als Damon Albarn.

 

Das ging sonst noch:

Germans are Wurst at Penalties (sagt die Sun), Kele sieht mittlerweile aus wie der junge Michael Jackson, Florence and the Machine sprintet nach ihrem eigenen Gig rüber zur Pyramid Stage und spielt zusammen mit Dizzee Rascal „You’ve Got The Love“, Radiohead sind Secret Act auf der winzigen Park Stage