Stürme und Katzen
Gisbert zu Knyphausen im Gespräch
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Nach zwei erfolgreichen Soloalben gründet zu Knyphausen 2011 mit dem Hamburger Songwriter und Künstler Nils Koppruch das Duo Kid Kopphausen. Im August des folgenden Jahres veröffentlichen sie ihr Debüt »I«, nur zwei Monate später stirbt Koppruch völlig überraschend. Ein Verlust, der die Hamburger Kunst- und Musikszene bis heute schmerzt. »Das war schon eine ganz schön dunkle Zeit«, erinnert sich zu Knyphausen. »Ich habe einen guten Freund verloren, aber auch die Band, mit der wir das kommende Jahr geplant hatten, war weggebrochen, weshalb ich mich nicht so in die Arbeit stürzen konnte, wie das vielleicht andere in so einer Phase machen würden.«
Also beginnt zu Knyphausen vor zwei Jahren ernsthaft, Songs für ein neues Album zu schreiben. Darunter vieles, das von den Jahren davor und dessen unterschiedlichen Gemütslagen geprägt ist. »Das Licht dieser Welt« ist, wie sollte es anders sein, eine melancholische Platte geworden, die sich aber überraschend versöhnlich mit dem Leben zeigt. So taucht ein Wort wie »frei« immer wieder auf, vor allem in Songs wie »Niemand« oder »Unter dem hellblauen Himmel«, wo zu Knyphausen die verschiedenen Interpretationen des Freiseins auslotet – bis hin zum Tod: »Du darfst gehen, du bist frei.«
»Wenn man es negativ betrachten will, ist der Tod die Freiheit vom Kampf des Lebens. Nach dem Motto: ›Nur im Tod kannst du ultimativ frei sein – oder wenn du komplett verrückt wirst‹, wie Conor Oberst es mal formuliert hat.« Und dann lacht er wieder, in der Gewissheit, dass Glück nur die eine Seite der Medaille ist, dass das aber auch in Ordnung ist.
Selbst »Kommen & Gehen«, ein Schlüsselsong auf dieser Platte, der sich mit Geburt und Tod beschäftigt, schlägt den Bogen vom Lebensende der eigenen Großmutter zu der Frage, wie es ist, »wenn wir in diesem Wettrennen in das Licht durch die Ziellinie sind«. Auf die Textzeile angesprochen, zuckt zu Knyphausen mit den Schultern: »Ich selbst habe gar keine so große Angst vor dem Sterben, ich bin eher neugierig – ohne todessehnsüchtig zu sein –, was danach kommt.« Denn »Etwas Besseres als den Tod finden wir überall«; zu Knyphausen hat den Song seines Freundes Koppruch zu Ende geschrieben und aufgenommen – ein rastlos rhythmisches Stück, »ein typischer Nils-Song mit einfachen Aufzählungen, die in ein Märchenzitat münden, durchaus positiv und humorvoll«.
Es ist das vorletzte Stück auf dieser Platte, mit der zu Knyphausen sich zurück ins Leben gekämpft hat. Mit der rein instrumentalen Klavierimpression »Carla Bruno« gleitet man fast leichtherzig aus dem Album. Der Titel ist übrigens nicht die Verballhornung einer französischen Chansonsängerin und ehemaligen Première Dame, sondern der Name einer Katze an einem von zu Knyphausen sehr geschätzten Ort in Südfrankreich. Der ungewöhnliche Name rührt daher, dass die Besitzer die Katze Bruno getauft hatten, um dann festzustellen: »Mist, ist gar kein Junge.« »Es war mir wichtig, dass nach dem Song von Nils noch ein Stück kommt, aber ohne, dass dann noch etwas gesagt werden muss«, erklärt er. Denn – was soll man noch sagen – nach der Stille kommt das Licht.
Gisbert zu Knyphausen
Das Licht dieser Welt
Release: 27.10.2017
℗ 2017 [PIAS] Recordings Germany
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