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Gisbert Zu Knyphausen

Gisbert Zu Knyphausen

Thees Uhlmann sitzt am Tresen der Eckkneipe und weint still in sein Bierglas. Im Hintergrund läuft das Debütalbum von Gisbert Zu Knyphausen
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Thees Uhlmann sitzt am Tresen der Eckkneipe und weint still in sein Bierglas. Im Hintergrund läuft das Debütalbum von Gisbert Zu Knyphausen, und jener Uhlmann ist untröstlich darüber, dass es nicht auf seinem Label GHVC erscheint, wo es sich passgenau zwischen Kettcar und Tomte einfügen würde.



Die Gitarre, mal akustisch, mal verstärkt durch Elektrizität, Bass und Schlagzeug, hängt immer mit einem Ärmel in der Bierlache, und was den anderen beiden Bands als Befindlichkeitsfixiertheit oft vorgeworfen wird, findet sich auch bei Zu Knyphausen: das Ich im Zentrum, das nur selten den Blick davon hebt, um dem Du zuzurufen: "Komm hier rüber, komm hierher (...) ich will ein Stück von deiner Zeit." Meistens ist das Ich mit sich selbst beschäftigt, befindet sich am viel zu lange aufgeschobenen Übergang von der Jugend zum Erwachsenen. Programmatisch dafür ist der Song "Wer kann sich schon entscheiden?", in dem der Wahl-Hamburger zu Beginn singt: "Ich bin viel zu jung, um jetzt schon bei dir zu bleiben (...) denn es ist so schön, ein Cowboy zu sein", um am Ende festzustellen: "Es ist so schön, zu Hause zu sein, ich will kein Cowboy mehr sein." Dazu der schnoddrige Gesang Zu Knyphausens mit der Rio-Reiser-Gedächtnisstimme. Und all die Ich-Bezogenheit geht niemals nie so weit, dass man sich als Zuhörer ausgeschlossen fühlen muss. Nein, man ist berührt und hat im besten Falle das Tomte-Gefühl, "er singt die ganze Zeit von mir".