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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

North Atlantic Treaty Of Love

Giardini Di Mirò

Diese Band ist sehr gut. Selten habe ich den Eindruck gehabt, dass sich eine Band derartig im eigenen musikalischen Entwurf entfaltet, ohne die Ohren zu verschließen vor dem, was die vorbeigaloppierende Zeit so in die Welt wirft, dabei dennoch immer unüberhörbar den völlig eigenen Stil zurechtschlei
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Diese Band ist sehr gut. Selten habe ich den Eindruck gehabt, dass sich eine Band derartig im eigenen musikalischen Entwurf entfaltet, ohne die Ohren zu verschließen vor dem, was die vorbeigaloppierende Zeit so in die Welt wirft, dabei dennoch immer unüberhörbar den völlig eigenen Stil zurechtschleift und perfektioniert, ohne sich in selbstgerechter Stagnation zu verlieren. Seit “Punk ... Not Diet!”, dem Meisterwerk der Italiener, sind nun ziemlich genau drei Jahre vergangen. Giardini Di Mirò waren viel auf Tour, haben sich mit Nebenprojekten die Tage vertrieben und mehr oder minder nebenbei immer wieder Lieder aufgenommen, deren vier sich nun auf dieser sehr schönen Spezial-Veröffentlichung finden. (Digitalsklaven bekommen – na klar – alles auf einem einzigen profanen Tonträger und müssen auch aufs Siebdruckcover verzichten, aber seid ehrlich: Passt ohnehin besser zu euren geschmacklosen Möbeln, oder?) “Othello” zu Beginn präsentiert GDM als die Pop-Band, die sie zu sein nie vermeiden wollten. Düster, dräuend, immer ein wenig weniger greifbar, und es ist tatsächlich Gitarrist Jukka Reverberi, der hier zum ersten Mal die Stimme erhebt. “Blood Red Bird” ist meines Erachtens die wohl gelungenste Version, die jemals jemand anderes als Bill Callahan von einem Smog-Lied aufgenommen hat. Giardini Di Mirò geben dem Knochengerüst von “Red Apple Falls” einen eigenen Körper aus Fleisch und Blut, eine retrograde Verwesung quasi! Die beiden weiteren Eigenkompositionen stehen dem nicht im Geringsten nach. Die andere Hälfte der Platte besteht dann (jeweils) aus Remixen, die allesamt tatsächlich als eigenständige Songs funktionieren und nicht nur als via Knöpfchendreherei dahingeschluderte Alternativversionen. Allein die Auswahl der Elektriker, die ans Werk gehen sollten, beweist, dass die Band auch in diesem Bereich ausgesprochen geschmackssicher ist – Alias und Hood (!) zerpflücken die Stücke (die übrigens allesamt von “Punk ... Not Diet!” stammen) auf zwar absehbare, aber respektvolle Weise, belassen sie jedoch am ehesten im eigentlichen Songformat. Beim Berliner Apparat wird es zunächst kalt im Hause, doch dass die Gänsehaut, die sich spätestens zu den freigelegten Pianoakkorden einstellt, eher der Güte und Dynamik des Remixes geschuldet ist, steht außer Frage. Besonders gelungen ist die Neuordnung des auf irgendeine Art und Weise mit Hood oder zumindest deren Nebenprojekt The Boats verwobenen Projektes The Sea, die aus “Last Act In Baires” ein flussgleich mäanderndes Stück verwaschener Musik gemacht haben, sodass man regelrecht zu hören glaubt, wie die Originalversion langsam davontreibt und als ganz kleiner Punkt am Horizont stecken bleibt.