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So war’s: Children of Köln…

Ghost live

Papa Emeritus II. zieht unter Weihrauchwolken in Köln ein und den Gläubigen geht das Herz auf. Das Klingeln in den Ohren hinterher kommt allerdings nicht von Ministrantenglöckchen, sondern von einer Horde namen- wie gesichtsloser Ghouls.
Geschrieben am

24.11.2013, Köln, Bürgerhaus Stollwerck

Profan darf es niemals werden. Das Konzept der schwedischen Band Ghost saugt seine Magie aus seiner Konsistenz, deren fester Dreh- und Angelpunkt das Sakrale bildet. Und das beginnt schon mit der Verzückung der Fans beim Öffnen des Portals, wie sie die weite Treppe heraufstürmen in ihren Kutten und Ghost-Shirt, teilweise sogar mit Mitra und geschminkt. Wie sie also den Tempel rauschhaft fluten und voll Frohlocken direkt an die Tische der Händler hetzen, um ihr Gold in Devotionalien einzutauschen (besonderes Highlight: Ein T-Shirt-Motiv mit dem Ripp-off des »Der weiße Hai«-Kinoplakats mit einem gigantischen Untersee-Emeritus und dem Titel »Papa« statt »Jaws«). Hier ergibt all diese altertümliche Sprache endlich einmal Sinn!

Und als nach vollbrachter Anbahnung durch die ebenfalls schwedische, ebenfalls dem Hardrock der 70er Jahre verhafteten Band The Oath der Saal mit Weihrauch geschwängert und das Backdrop mit dem ins Infernalische gezogene Kirchenfenster-Ornament illuminiert wird, setzt eine Anspannung ein, als würden wir alle hier dem Herannahen Leibhaftigen höchst selbst harren. Doch der schickt nach Einsetzen der satanischen Chöre zunächst seine Vasallen, die »nameless Ghouls« - jene in tiefstes Schwarz gewandeten, gesichtslosen Gesellen, die dem Meister mit der Riff-Peitsche den Weg bereiten.

 

Und seine infernalische Majestät, Papa Emeritus II., weiß all das wohl zu schätzen, bewegt sich nicht ein Stück zu schnell, segnet wohlwollend die in Wollust aufbrandende und sich aufbäumende Menge und erreicht wie von einer finsteren Macht geführt genau zur rechten Sekunde das Mikrophon, um seine hohe, sirrende Stimme durch den Raum erschallen zu lassen, ohne dass sich seine Lippen erkennbar bewegen würden. Und die Messe nimmt ihren Lauf und die Jünger scheinen nie müde zu werden, während sich die Liturgie hauptsächlich auf »Infestissumam« (das zweite Buch Ghost) stützt und die jüngst veröffentlichte »If You Have Ghost EP« bis auf die gleichlautende Hymne als letzte Zugabe außen vor lässt.

 

Und genau so wird diese Band ewig leben. Und genau so verdient sie sich den Respekt von Phil Anselmo, Dave Grohl, Metallica, Mille und all den anderen Propheten. Das ist das Geheimnis des Ghost-Glaubens und darf nie angetastet werden. Menschen, die hinter die Masken schauen wollen, werden enden wie die neugierige Schneiderin in der Heinzelmännchen-Sage. Menschen, die den Satanismus der Band als Religion und nicht als Religionskritik begreifen, werden am Ende ebenso mit leeren Händen darstehen. Und derselben Gefahr unterliegt natürlich auch die Band selbst, denn Rockstarposen, wie sie an diesem Abend hie und da minimal aufblitzen, kann sich diese Formation nicht leisten. Der Ghoul an sich hat hinter seiner Pest-Maske statisch zu sein. Der Papa Emeritus die Haltung zu wahren. Satan sei Dank, noch erliegen sie nicht der Versuchung all das zu opfern.