×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Ich mag die Idee von einem Teufel«

Ghost

Die schwedische Band Ghost spielt finsteren orchestralen Oldschool-Metal mit satanistischen Texten. Ihr Sänger Papa Emeritus II. tritt in der Maskerade eines Anti-Papstes vors Volk, der Rest der Band bleibt gesichtslos und firmiert jeweils als »a nameless Ghoul«. Wir haben uns der Verdammnis ein wenig genähert.
Geschrieben am

Die Band Laibach hat mal die These aufgestellt, dass Metal das religiöseste aller Genres sei. Würdest du dem zustimmen?
Oh ja. Das ist in der Gothic- oder Industrial-Szene aber ähnlich, da gibt es auch eine sehr religiöse Haltung.

Ich meine aber nicht die Art der Verehrung, sondern beispielsweise die Tatsache, dass es nur im Metal gesonderte Subgenres für die Verehrung von Gott und dem Teufel gibt.

Abseits von der Country-Szene wahrscheinlich, ja.

Gibt es denn Black Country?

Nein, aber diese religiöse Themen...

Ja, aber nur einseitig.

...stimmt.

Was können wir vom Satanismus lernen?

Von einer modernen Betrachtungsweise aus gesehen kommt das meiste, was wir über Satanismus wissen, aus der Rockmusik. Ich hatte auch immer schon ein Interesse an religiösen und spirituellen Themen, aber Satan ist einfach fest in unserer Musikkultur verankert. Und die allermeisten von uns haben sich aus dem einfachen Grund in Satan verliebt, weil wir ihn für cool halten.

Nun geht es bei Ghost ja ganz zentral darum. Und plötzlich veröffentlicht ihr die »If You Have Ghost«-EP mit Coverversionen, auf denen beispielsweise ein Song von Army Of Lovers ist. Was ist satanisch an Army Of Lovers?

Aus christlicher Perspektive sind Army Of Lovers extrem hedonistisch-satanisch. Die meisten der Typen in der Band sind Homos, weshalb ich davon ausgehe, dass sie sich mit Sodomie auskennen, was nicht besonders christlich ist.

Heißt das, dass Homosexuelle Teufelsanbeter sind?
Das will ich damit nicht gesagt haben, aber aus christlicher Perspektive sind sie das wohl. Aber zurück zur ursprünglichen Frage: Moderner Satanismus steht zumeist synonym für Befreiung, während zumindest lineare Religion generell bedeutet, die Dinge nicht zu hinterfragen.

Also ist Befreiung das grundlegende Thema bei Ghost?

Der grundlegende Unterschied zwischen uns und den den Satanismus predigenden Bands ist, dass wir stärker reflektieren was Religion bedeutet als dass wir unsere eigene Religion erklären. Das ist bei uns anders als beispielsweise bei Watain. Die erklären ihre Religion, wir erklären Religion. Aber von der Ästhetik her hatte ich schon als Heranwachsender eine bessere Beziehung zum Teufel. Ich persönlich mag die Ästhetik, den Symbolismus und die Idee eines Teufels. Speziell auf Ghost bezogen ist es ein ästhetischer Ausdruck.

Kommen wir mal zur Humor-Ästhetik. Was bedeutet Ironie für euch?
Natürlich ist nicht alles augenzwinkernd oder als Witz gemeint, was wir machen, aber es wird von uns mit viel Humor umgesetzt. Und nochmals: Von einer christlichen Weise aus betrachtet gibt es nichts Satanischeres als den Humor. Nicht umsonst dachte man im Mittelalter, das Lachen sei eine Erfindung des Teufels. Es ist die offenste Art des Kontrollverlustes. Das ist das Gegenteil von dem, was man von Teufelsanbetern erwarten würde, von denen man eher erwartet, dass sie eben nie lachen. Aus einer oldschool-christlichen Perspektive ist unser Ansatz aber viel satanischer. Wir arbeiten da vielfach mit Paradoxa. Genauso wie wir als satanische Sekte auftreten, die eine schwarze Messe feiert, die das komplette Gegenteil des Christlichen darstellen sollte, aber im Prinzip eine katholische Messe mit leicht veränderter Symbolik ist. Aber uns geht es eben nicht um die buchstäbliche Anbetung des Teufels, sondern um die Befreiung, die dem modernen Satanismus zugrunde liegt.

Wo wir so schön über das Böse plaudern: Mittlerweile seid ihr ja bei einem Major-Label und kennt damit sowohl die Independent- als auch die Major-Perspektive. Wo findet man das Böse in der Musikindustrie?
Wahrscheinlich im Zynismus. Doch das gilt ganz generell für den Business-Bereich. Wir haben die verschiedenen Aspekte des Geschäfts kennengelernt, und manche sind nicht besonders angenehm, aber da unterscheiden sich die Kleinen nicht unbedingt von den Großen.