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Backkatalog

Ghost

Schon allein die Tatsache, daß diese japanische Avantgarde-Formation bereits seit nunmehr 10 Jahren einen für hiesige Hörgewohneiten völlig ungewöhnlichen musikalischen Werdegang vollzogen hat und in dieser Zeit drei von stilloser Vielfalt geprägte Alben veröffentlichte, dabei jedoch in unseren Weit
Geschrieben am

Autor: intro.de

Schon allein die Tatsache, daß diese japanische Avantgarde-Formation bereits seit nunmehr 10 Jahren einen für hiesige Hörgewohneiten völlig ungewöhnlichen musikalischen Werdegang vollzogen hat und in dieser Zeit drei von stilloser Vielfalt geprägte Alben veröffentlichte, dabei jedoch in unseren Weiten gänzlich unbeachtet blieb, machte mich sogleich neugierig auf die 'Strange Ways' sei Dank nun auch bei uns erhältlichen Werke. So fing ich an, meine Aufmerksamkeit den alles andere als leicht darzustellenden Klängen zu widmen. Laut Infomaterial 1984 unter dem Namen EIKYU-KONRAN (= Ewiges Chaos) gegründet, trachten GHOST danach, gehaltvollen Blues mit avantgardesker Strukturlosigkeit und bewußtseinsfördernder Ideologie zu neuen Ufern zu bringen. Mit 12saitiger Gitarre, Mandoline, Flöte, Cello, Harfe und Bouzouki wird das rein akustische Instrumentarium um eingreifende Akzente erweitert und auch die Stimme (egal ob beim englischsprachigen zarten Gesang oder eigenartigen Lauten) instrumentenähnlich hocheffizient eingesetzt. Um die künstlerische Kreativ-Achse Masaki Batoh, Kazuo Ogino und Taishi Takizawa scharen sich ständig wechselnde Gast-Besetzungen, die dem Detail-Reichtum der einzelnen Stücke zugute kommen. Schon das vor vier Jahren veröffentlichte Debütalbum 'Ghost' offenbarte den zeitlosen Tiefgang ihrer künstlerischen Musikalität. Sehr psychedelisch und bluesig (im eigentlichen Sinne des Wortes, nicht jedoch als Stilschublade!) sowie mit asiatischem Kulturgut getränkt, könnte ich GHOST als japanisches Pendant zu CAN darstellen, ihrer unbestrittenen Eigenart würde ich damit jedoch keinesfalls gerecht werden. Das mit 'Second Time Around' betitelte Album hingegen ist unbestritten ihr am leichtesten zugängliches Machwerk. Das homogene Songgefüge und der dominante Gesang erinnern dabei teilweise gar an populäre 'Schweremüter' wie NICK CAVE oder CRIME & THE CITY SOLUTION. Eines ihrer in der Heimat hochgeschätzten Konzerte in Tempeln, Kirchen, Ruinen oder gar Wäldern führte schließlich zum beeindruckenden Tondokument 'Temple Stone', das wiederum von höchster Improvisationskunst zeugt und neben Neubearbeitungen früherer Stücke auch aktuelles Material beinhaltet. Jedem, der sich die nötige Zeit zum HÖREN nehmen will, seien diese drei Werke nachdrücklich zu empfehlen.