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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Staying At Tamara’s«

George Ezra

George Ezras Stimme weckt das Gefühl, auf einer Rundreise durch die spannendsten Metropolen des Kontinents zu sein. Aber sind die Songs seines Zweitwerks »Staying At Tamara’s« cheesy Butterfahrt oder Individual-Trip voller eindrucksvoller Entdeckungen?

Geschrieben am

»Staying At Tamara’s« setzt dort an, wo »Wanted On Voyage«, das Debüt des mittlerweile 25-jährigen vermeintlichen Wunderknaben, endete: Es enthält gnadenlos durchkomponierte und chartsfixierte Radiomusik, den Soundtrack für die allmorgendliche Fahrt im jüngst geleasten Kleinwagen in die Banalität des klinisch sauberen Großraumbüros. Charakter verleiht dem schillernden Konglomerat lediglich das markante Timbre von Ezras Bariton. Auf »Staying At Tamara’s« wagt er einen mitunter seltsam anmutenden Spagat zwischen fragilen, hymnischen und lässig tänzelnden Momenten. Es scheint eine gewisse Unentschlossenheit angesichts der Frage durch, wohin die Reise gehen könnte. Dabei hatte Ezra zumindest räumlich für die Inspiration seines Songwritings klare Ziele: Er reiste zu einer Schweinefarm nach Norfolk, besuchte einen ehemaligen Maismehlschuppen in Kent sowie per Airbnb die Unterkunft einer Tamara in Barcelona, die dem Album schließlich den Titel gab. Vielleicht kann Tamara auch erklären, warum sich im Video zur Single »Paradise« drei leicht bekleidete weibliche Cheerleader verlustieren? Sieht so etwa Ezras Vorstellung vom Paradies aus?
Mathias Meis

 

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Sicher: Da ist ein Unterschied zwischen Musik aus dem Underground und strahlendem Pop. Das eine wirkt forschend und wütend, das andere richtet sich an eine breite Masse und funktioniert eher unterstützend und leicht. Beides kann man gut und schlecht machen. Natürlich spielt George Ezra hier, mehr noch als auf seinem Debütalbum, Pop klarsten Wassers. Das ist ihm auf »Staying At Tamara’s« aber weitgehend gut gelungen. Zwar verliert er sich zu Beginn der Platte, etwa bei der Single »Don’t Matter Now«, noch in Seichtheit, nach und nach gewinnen seine Stücke aber an Substanz. Das liegt natürlich zuvorderst an seiner wunderbaren, kratzend tönenden Stimme, mit der man eigentlich keine schlechten Lieder singen kann. Zudem aber auch an einer Erdigkeit und Verzagtheit, die auf der zweiten Albumhälfte ab »All My Love« immer mehr an Bedeutung gewinnt. Richtig gut ist Ezra, wenn er wie in »Hold My Girl« nüchtern und dezent Blues und Folk anklingen lässt oder sich wie in »Sugarcoat« sogar in die Richtung eines Paul Simon bewegt. Sicherlich hätte er diese Seite seiner Kunst auf »Staying At Tamara’s« stärker hervorheben können, seine Qualitäten scheinen auf der LP aber deutlich genug heraus, um sich von den Fließbandproduktionen des Pop abzuheben.
Henrik Hamelmann

George Ezra

Staying at Tamara's

Release: 23.03.2018

℗ 2018 Sony Music Entertainment UK Limited