×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Gemeinsam sind wir stark

Crowd Funding

Immer mehr Musiker lassen Studiozeit oder Tourbus durch ihre Fans mitfinanzieren und bieten im Austausch exklusive Goodies. Crowd Funding ist das Stichwort. Amanda Palmer übertrifft jetzt alle Rekorde. Die ehemalige Sängerin der Dresden Dolls sammelte 1 Million US-Dollar zur Produktion ihres neuen Soloalbums über den Crowd Funding-Anbieter Kickstarter.
Geschrieben am

Neben Film und Video-Produktionen machen die Musik bezogenen Projekte den Löwenanteil aller Crowd Funding Bemühungen aus. Nach Angeben der New York Times wurden etwa bei Branchenführer Kickstarter seit 2009 über 38 Millionen US-Dollar für musikalische Themen gesammelt und insgesamt mehr als 7500 Projekte erfolgreich realisiert. Weitere erfolgreiche Plattformen sind Rocket Hub oder Sellaband, die zwar 2010 Insolvenz anmelden mussten, seither jedoch als GmbH weiter agieren.

Gemeinsame Sache

Das System ist einfach erklärt: Die Initiatoren der Projekte legen eine Summe fest, die es zu sammeln gillt und bestimmen die Stufen der Spendebeträge. Jeder Stufe wird ein Gegenwert zugewiesen, der den Grad der Partizipation ausdrücken soll und den Fans die Möglichkeit gibt, sich exklusive oder limitierte Goodies zu sichern. Die Anreize reichen vom simplen Erhalt des Endprodukts über persönliche Widmungen bis zu exklusiven Konzerten im Wohnzimmer. So verteilt sich traditionelles Mäzenatentum auf viele Schultern. »Wir verstehen uns zwar nicht direkt als Kulturförderer im klassischen Sinn, dennoch liegen uns die Kultur und ihre Akteuere sehr am Herzen«, kommentiert Stephan Popp, Mitbegründer der Leipziger Crowd Funding-Plattform Vision Bakery, das Selbstverständnis. »Wir wollen vor allem Kulturschaffenden eine Plattform bieten, sich zu verwirklichen und ihren Ideen Raum geben. Gerade für Musiker, welche meist eine bestehende Fangemeinschaft mitbringen, ist Crowdfunding eine sehr atraktive Art der Finanzierung.«

Musiker wie A Forest, Mud Mahaka oder Two Wooden Stones haben bereits erfolgreich mit den Leipziger Ideenbäckern zusammengearbeitet und auch aktuell suchen musikalische Projekte nach Teilhabern. So möchte etwa die Indie Band Brockdorff Klang Labor ein Video zur neuen Single drehen, während das D.I.Y.-Dancehall-Label Heckert Empire Geldgeber für ein Album ihres Acts Ronny Trettmann sucht, eine Aktion die auch durch das Splash-Festival präsentiert wird. Doch auch der Umbau eines Live-Clubs oder die Betriebskosten eines unabhängigen Musikfernsehens können mit Hilfe des Crow Funding-Prinzips aus vielen Einzelspenden zusammengesetzt werden.

Die erste Künstlerin, der es gelungen ist via Crowd Funding sogar die Millionenmarke zu knacken, ist Amanda Palmer. Ursrpünglich hatte die ehemalige Sängerin der Dresden Dolls $300,000 zur Realisierung ihres Soloalbums »Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra« angesetzt. Dank der investitionsfreudigen Fans kann das Orchester nun beliebig erweitert werden. In ihre Fußstapfen möchte auch Ben Folds treten, der passend zur Reunion seiner Ben Folds Five eine Kampagne bei Pledgemusic.com gestartet hat.



Neustart bei Kickstarter

Dass das neue Finanzierungsmodell kein Selbstläufer ist, sondern sich auch auf diesem Feld bestimmte Regeln der Benutzung entwickeln, zeigt der Fall von Public Enemy. Im Oktober 2009 hatte die Band ein Projekt gestartet, mit dem 250,000 US-Dollar eingesammelt werden sollten. Der Anklang blieb jedoch verhalten, wohl auch deshalb, weil der Anreiz zur Unterstützung nicht gerade außergewöhnlich war: So erhielten die sogenannten Believer für die zweitniedrigste Unterstützerstufe und eine Spende von 100 US-Dollar gerade einmal die reguläre CD sowie das Abdrucken des Namens des Unterstützers im booklet. Nach einer Neuausrichtung des Projekts, kamen Ende 2010 jedoch schließlich $75.000 zusammen.

Zurück ins Leben

Ed Pettersen vom Musiker-Kollektiv Mad King Edmund rief eine Kampagne zur Produktion und Vertrieb eines Albums mit Saxophonist Giuseppi Logan ins Leben. Logan hatte in den Sechzigern zu den auftrebenden Talenten der New Yorker Free Jazz-Szene gehört, war jedoch seit mehr als 30 Jahren aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden und lebte als Obdachloser im Big Apple.

Das System ist dabei, sich auszudifferenzieren. Längst gibt es jene Crowd Funding-Initiatuven, die sich einzelnen Kunstrichtungen oder speziellen Nischenthemen widmen. So konzentriert sich Africa Unsigned ganz auf einen New African Sound und hat es sich auf die Fahne geschrieben, aktuelle afrikanische Künstler mit Aufnahmesessions, Albumproduktionen und anderen Aktionen zu unterstützen.

Wer selber ein Projekt starten möchte, kann sich hier kostenlos die »Crowd Funding Bible«  herunterladen.