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Nachlese zur Show in der Kölner Philharmonie

GAS – Der Himmel muss ein Wald sein

Wolfgang Voigt präsentiert das Rauschen im Nadelwald als großformatiges Kaleidoskop tausendfacher Überblendung – akustisch wie visuell. (Foto: Kompakt)

Geschrieben am

9.5.2018, Köln, Philharmonie

An einem heißen Mittwochabend im Mai lädt der Kölner Technoproduzent und Gründer des Kompakt-Labels Wolfgang Voigt zur Premiere seines neuen Albums »Rausch« in die Kölner Philharmonie. Alle Altersklassen sind vertreten, besonders aber die Abteilung Ü40 – klar, ist Voigt doch immerhin schon seit rund drei Jahrzehnten als Arrangeur hochverdichteter Soundwände im Spektrum von Ambient und Clubmusik nicht nur in Deutschland aktiv. Von der rüstigen Oma im Sommerkleid über den pflegebewussten Gentleman und grau melierten Voigt-Imitator bis zum Nachwuchs-Dandy mit Vollbart und klassischen Kleinfamilien setzt sich das Publikum dennoch unerwartet heterogen zusammen. Ob wirklich alle wissen, was sie hier erwartet?

Als das Licht erlischt, nähert sich ein tieffrequentes Dröhnen aus der Schwärze der Leinwand, die dann langsam von hell leuchtenden Facetten übersät wird. Noch ist alles diffus und verwaschen, doch mit zunehmender Definition des Klangs gewinnt auch das Bild an Schärfe. Jetzt glaubt man gleich mehrere Melodien im Dickicht von Loops und Layern ausmachen zu können, doch verliert sich die Ahnung schnell im Aufbäumen der nächsten Soundwelle – wie so oft sind es die Anwandlungen eines undurchdringlichen Grundrauschens, dem das Ohr hier in jeder Sekunde versucht beizukommen. Gerade wenn das nicht gelingt, erlebt der Hörer mit GAS entrückende Momente von seltener Unmittelbarkeit. Dann verschwimmt das Abstrakte mit dem Konkreten, gewinnt das Atonale allmählich harmonische Bedeutung. »Rausch« sei »eine Oper in zehn Teilen, die ineinander komponiert sind«, sagt Voigt. Und tatsächlich fließt die Musik ebenso nahtlos von einem Track zum Nächsten, wie die Projektionen im Hintergrund ihr amorphes Schauspiel verändern.

In diesem »Morast von Klang« (Voigt) moduliert der Kölner die einzelnen Cluster live zu einer immersiven Erfahrung, der er selbst mit stoischer Konzentration fast bewegungslos vor seinem Instrument aus seltenen Erden und Technopolymeren beiwohnt. Mal obskur und bedrohlich, dann wieder hell und erhaben, scheint die Musik das An- und Abschwellen einer ausgesprochen intensiven Rauscherfahrung imitieren zu wollen, die sich unaufhaltsam immer tiefer ins Gedächtnis brennt. Ist man dann bereit loszulassen, manifestieren sich im gasförmigen Raunen Momente sinnlicher Entgrenzung, von denen Wolfgang Voigt erzählt und durch die am Ende der Eindruck entsteht: Der Himmel muss ein Wald sein.

Gas

Rausch

Release: 18.05.2018

℗ 2018 Kompakt

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