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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Scheer

Ganz natürlich düster:

Die neue irische Rockhoffnung lebt von Widersprüchen: Dem sympathischen Erscheinungsbild von Neal und Audrey - mit unkomplizierteren, freundlicheren Leuten kann man als Schreiberling kaum zu tun haben - gegenüber stehen düstere, harte Rockmusik, rabenschwarze Texte voller Negativismen und nicht zule
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Autor: intro.de

Die neue irische Rockhoffnung lebt von Widersprüchen: Dem sympathischen Erscheinungsbild von Neal und Audrey - mit unkomplizierteren, freundlicheren Leuten kann man als Schreiberling kaum zu tun haben - gegenüber stehen düstere, harte Rockmusik, rabenschwarze Texte voller Negativismen und nicht zuletzt ein ekelhaftes Artwork, in dem es von Würmern, abgetriebenen Föten und schwärenden Wunden nur so wimmelt. „Wir mögen dieses Zusammenspiel der harten Gitarren und dazu den Klang von Audreys Stimme. Die Musik ist immer zuerst da, dann kommen Audreys Texte, sie reflektieren die düstere Stimmung“, erklärt Neal. „Düster, aber auch sensibel“, bemerkt Audrey. „Da gibt´s nicht viele positive Gefühle, meist Angst und Wut. Es sind oftmals Gespräche, die ich erlebt oder von anderen aufgeschnappt habe.“ In der Tat hören sich die Texte an wie Gespräche mit einem imaginären Gegenüber. Interessant ist Audreys Art des Vortrags: Es gibt keine richtigen Melodien, melodisch klingt´s aber trotzdem, wie Lautmalerei. BJÖRK kommt einem in den Sinn. „Wenn ich schreibe, fange ich immer mit einer Art Melodie an. Aber nicht klare, einfache Melodien. Ich gehe immer zum ersten Ton zurück, der aus meinem Mund kommt. Von da entwickelt es sich - manchmal auch gegen den Fluß der Musik. Ich mag es nicht, den Dingen zu folgen.“ Das hingegen passiert bei Neal und Paddy, sie agieren weniger wie Lead- und Rhythmus-Gitarrist denn wie gleichberechtigte Partner. Neal mag Bands, bei denen die Gitarre mehr als nur Akkorde und Rhythmus bringt: „Ich selbst spiele manchmal wie ein frustrierter Sänger, weil ich meine Melodien irgendwie unterbringen will. Das reibt sich dann mit Audreys Gesang.“ Dieses Gegeneinander macht SCHEERs Musik letztlich interessant. Und live? Audrey lacht: „Man muß laut schreien. Aber das macht nix, ich bin´s gewohnt, nicht hören zu können, was ich singe.“ - „Wir versuchen, möglichst viel Energie rüberzubringen. Wir möchten uns nicht als tolle Instrumentalisten darstellen. Der Song zählt, und den haben wir schon so gut gemacht, wie wir konnten. Deswegen halten wir uns live auch mehr oder weniger daran, spielen keine Cover-Versionen.“ Stimmt nicht ganz, eine gibt´s doch: BLONDIEs „Hangin´ On The Telephone“. Aber sagte ich nicht, daß die Band von Widersprüchen lebt?