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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Soul Of The Hour

Gallon Drunk

Aus Gallon Drunks noisigem Black-Forest-Blues strömen auf »The Soul Of The Hour« Dringlichkeit, Intensität und eine Lebendigkeit, die man der Band kaum noch zugetraut hätte.
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Die Mechanismen des Pop sind heute unbarmherziger denn je: Wenn ein Act nach der ersten, maximal der zweiten Platte keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen hat, wird er fallen gelassen, findet in den meisten Fällen keine neue stützende Struktur mehr und kann sich eigentlich nur noch auflösen. Kaum eine Band wagt es noch, das finanzielle Risiko einzugehen und sich diesen Prinzipien zu widersetzen. Schon gar nicht eine Band wie Gallon Drunk aus London, die es in sieben Studioalben und über 25 Jahren Bandgeschichte noch nicht einmal geschafft hat, zwei Platten beim selben Label zu veröffentlichen. Dementsprechend ist »The Soul Of The Hour«, das zweite auf Clouds Hill veröffentlichte Album, quasi eine Premiere. Die Platte vermittelt musikalisch aber auch einen Eindruck davon, warum sich die Band immer wieder zusammenfinden musste, auch wenn sie selbst zu ihren Hochzeiten in den Neunziger-Jahren eher aus der zweiten Reihe agierte: Aus ihrem noisigen Black-Forest-Blues strömen Dringlichkeit, Intensität und eine Lebendigkeit, die man der Band kaum noch zugetraut hätte.

Zwar ist ihr Sound strukturell weiterhin dem Grunge-Jahrzehnt verhaftet, trotzdem klingt er so frei und stimmungsvoll, dass er, ähnlich wie bei Black Heart Procession oder Gallon Drunks ewigem Mentor Nick Cave, nur in seltenen Momenten altbacken wirkt. Je freier die Stücke arrangiert sind, desto besser; nur ein paar Psychedelic-Passagen hätten sich die Briten sparen können. Am besten kann man sich dem Album wohl mit einem Vergleich nähern: Was bei Grinderman konstruiert klang, wirkt hier wie von einem inneren Drang durchzogen.

 

In drei Worten: Alt / Nick / Blues