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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

LCD Soundsystem live

Furniture In The Garage

18.02.05, Köln, Gebäude9 James Murphy und Tim Goldsworthy aka LCD Soundsystem sind gekommen, um uns das vorzumachen, was momentan NYC rockt. Duran Duran, Janet Jackson und Britney haben bereits an ihre Tür geklopft, und um Kooperationen gebettelt. Doch so einfach schraubt man nicht mit an der LCD
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18.02.05, Köln, Gebäude9

James Murphy und Tim Goldsworthy aka LCD Soundsystem sind gekommen, um uns das vorzumachen, was momentan NYC rockt. Duran Duran, Janet Jackson und Britney haben bereits an ihre Tür geklopft, und um Kooperationen gebettelt. Doch so einfach schraubt man nicht mit an der LCD Soundsystem-Maschinerie herum. Wenn man als Techniker für Postpunk-Avantgardisten wie Six Finger Satellite gearbeitet hat (Murphy), das MoWax-Label mit gegründet hat (Goldsworthy) und darüber hinaus E-Erfahrungen nicht auf Club-Sounds sondern auf Beatles-Stücken teilt (Murphy/Goldsworthy), kann einem eh nicht mehr viel passieren. Wie sich die Fülle an Erfahrungen live bemerkbar macht, ist nun die Frage. Das wollen auch nicht gerade wenig wissen, das Gebäude ist jedenfalls picke-packe voll. Der Kölner Neue-Mitte-DJ Jörg Waschat sitzt anfangs hinter den Reglern und spielt Bloc Partys 'Banquet' im Phones Disco Edit. Gejohlt wird bereits hier. In freudiger Erregung, was denn da noch kommen wird.

Zunächst steht ein Mann mit Bierdose vor dem Mikro und weist seinen Soundmann Jonathan Galkin (Nr. drei im DFA-Paket) an, den Sound aufzuregeln. Lauter soll es sein, und schneller soll es werden. Sozusagen aus dem DJ-Set heraus beginnen LCD Soundsystem ihr Live-Set. 'Beat Connection', 'Too Much Love', 'Daft Punk Is Playing At My House' kommen dann auch laut und schmutzig. Man hört Basslines, die jeden Plektrum-Anschlag als unwiderruflichen Bestandteil des Rhythmusgefüges erkennen lassen, straighte Drum-Beats und ein Mr. Murphy der jede Texteile skandiert, jeden Rassler, jeden Schellenkranz-Schlag in seine richtige Position rückt. Es rauscht und übersteuert und es bewegt sich was im Raum und keiner kann sich dem entziehen. Zusammen mit ihren Bandkollegen u.a. Pat Mahoney (Schlagzeug), Nancy Wang (Keyboard), Tyler Pope (Bass) bietet das Soundsystem eine perfekte Symbiose aus aufgeregter Elektronik und den knarrzenden Kanten des Postpunks. Wunderkerzen brennen, weitere Lichteffekte werden hinfällig. Songs wie 'Movement' sprechen für sich und bedürfen keiner weiteren visuellen Unterstützung. Das LCD Soundsystem tritt Soundwellen los, zelebriert Feedback-Grenzwerte und noisige Riffs und setzt auf alles ein absolut komplementäres Percussion-Element. Trotzdem artet das Ganze nicht in eine ausufernde Jam-Session aus, sondern es bleiben kompakte Tunes. "Skandal"-Rufe werden laut und das Gebäude bewegt sich vom ersten bis zum letzten Bassdrum-Schlag komplett. 'I'm Losing My Edge' und 'Yeah' im Zugabenteil stellen klar, dass nach dem Abend auch die Kölner die Möbel zum feiern an die Seite räumen. Nach dem Motto: 'Daft Punk Is Playin' At My House - All The Furniture Is In The Garage'. Wenn LCD Soundsystem das Haus rocken, wird allerdings auch in der Garage getanzt, das steht mal fest.