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Von Klosteinen und Waleiern

Fünf Wodka mit Aydo Abay

Vor ziemlich genau zehn Jahren hat Senta Best Aydo Abay, der damals noch Sänger von Blackmail war, zum ersten Mal für Intro interviewt. Nun wird es das letzte Interview (Zufall, echt!). Mittlerweile singt Aydo bei Abay. Nicht nur wegen seiner Trennung von Blackmail kurz nach dem damaligen Interview kennt er sich ganz gut mit dem Thema Scheitern aus. Außerdem geht es um das Scheitern von Nationalitäten und Tieren und Aydos absurde Freundschaft zu Intro - die mit diesem Interview und einem bei uns gedrehten Video zu »I Am The Believer« ein wundervolles Ende findet. Und der arme Kerl muss schon wieder Wodka trinken. Foto: Frederike Wetzels

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Erster Wodka: Zitrone

Aydo: Uäää, wo war denn da die Zitrone?
Das, was nach Klostein geschmeckt hat.
Das war aber keine Bio-Zitrone, da war voll Monsanto drin, ich schmecke das raus!
Bist du mehr so der Bio-Typ?
Klar, du! Ich achte auf meinen Körper. Mein Körper ist mein Tempel. Das hat mir mal Farin Urlaub gesagt. Und das nehme ich auch ernst.
Wie geil findest du Scheitern?
Da bin ich ja fast schon Experte. Seitdem ich Musik mache, bin ich quasi ein Opfer des Scheitergotts. Ich habe es immer wieder fertiggebracht, die besten Situationen in den Müll zu kippen. Ich muss mich aber verteidigen, ich mache das nicht bewusst, das passiert einfach. Ich gebe mir total Mühe, dass alles glatt läuft, dann kommt aber der Scheitergott und fährt mir schön einen vorn Latz. Er rechnet aber nicht damit, dass mir das mittlerweile egal ist. Und so langsam sehe ich wieder Land nach den ganzen Kloakenjahren.

Zweiter Wodka: Ingwer-Honig

Wann war das letzte Kloakenjahr?
Wir haben immer noch ein bisschen Pech, aber es könnte ja immer runder laufen. Zum Beispiel die Charts, ne?! Vor ein paar Wochen hat mir jemand erzählt, wenn man 200.000 bis 300.000 Einheiten die Woche verkauft, kommt man in die Charts. Unserem Label war das total wichtig.
Euch nicht?
Ey, guck dir die Charts mal an. Da willst du echt nicht stattfinden. Und wir kratzen ja eh nur an den hinteren Rängen. Jetzt haben wir aber in einer Woche 400.000 Einheiten verkauft. Aber genau in dieser Woche ist eben wahnsinnig viel rausgekommen, da haben wir eben mal wieder Pech gehabt. Und Scheitern ist ja auch gar nichts Schlimmes. Irgendwie denkt man ja nur selbst, dass man gescheitert ist. Außenstehende nehmen das ja komplett anders wahr. Die ersten zwei, drei Jahren nach Blackmail hat das Scheitern aber richtig wehgetan, weil ich gemerkt habe, dass Leute mich nicht mehr akzeptieren, dass die mich einfach gestrichen haben. Die Visions beispielsweise hat mir zwei Monate später das Freiabo gekündigt. Das hat alles ein bisschen wehgetan, bis ich mich dran gewöhnt hatte. Und dann ist Scheitern das Geilste auf der Welt, Alter! Na ja, es gibt wirklich Geileres als Scheitern. Nämlich nicht zu scheitern. Aber wenn es halt nicht sein soll ... dann halt nicht. Hauptsache, wir sind gesund. Mein Körper ist mein Tempel. Fertig mit dem Interview, das ist alles rund. Muss ich trotzdem noch Wodka trinken?
Ja!

Dritter Wodka: Jalapeño

Uääää, den finde ich irgendwie ... gut. Der ist so ... absurd. Boa, ist der geil! Ich weiß genau, wie die den machen. Die nehmen Wodka, füllen den in ein Glas, siffen die Flüssigkeit von Jalapeños ab, kippen das zusammen, und dann kommt das hier bei uns an.
Iiih, du meinst, die nehmen einfach die Flüssigkeit von eingelegten Jalapeños, also wie Wurstwasser, nur als Jalapeño?
Ja, aber ich trinke das gerne. Ist doch nur Essig und Wasser. Da ist doch keine Pelle dran. Oder warum ist Wurstwasser so ekelhaft? Zum Beispiel ist das Erste, was ich mache, wenn ich meine Eltern in der Türkei besuche: auf den Markt gehen und mir den Saft von Eingelegtem holen. Das trinkt der Türke gerne.
Waaas? Das kann man da so kaufen? Bäh! Wie heißt das denn?
Übersetzt: Wasser von Eingelegtem.

Vierter Wodka: Honig-Chili

Wie kamst du überhaupt zu Blackmail?
Es gab ‘ne Zeitungsanzeige.
Hä, was stand denn da drin: »Wir suchen einen Sänger, bitte melde dich«?
So ähnlich. Da stand: »Shouter«.
Was jetzt? Die waren schon ‘ne Band und haben gefragt, ob du mitmachst?
Nee, in der Visions gab es ganz am Ende so ‘ne Suche/Biete-Rubrik. Und ich hab die Anzeige gelesen und bin da einfach mal hingefahren.
Schon wieder die Visions. Aber da du ja nicht mehr im Verteiler bist und Intro auch bald weg vom Fenster ist: Was machst du denn jetzt?
Also, die Freundschaft zum Intro war ja sowieso eine absurde. Ich hab mich da irgendwie so reingetrunken. Was ich gemacht hab, war nie Musik für Intro, und ich bin denen irgendwann immer auf irgendwelchen Festivals über den Weg gelaufen und hab Geschenke abgeholt.
Was gab es denn bei Intro für Geschenke?
Na, Rucksäcke und Bodyhalter oder wie heißt der Scheiß?
Bunnyhalter?
Schön, dass du was anderes verstehst! Bunnyhalter gefällt mir sehr gut. Ich hab aber Bodyhalter gesagt. So Hüfttäschchen. Und dann kannte ich die alle, und ab da haben die immer auch was mit uns gemacht. Das war hartes Reingesaufe. Und jetzt? Ich kann mich doch nicht schon wieder irgendwo reinsaufen.
Na, du hast dich immerhin auch schon in den »ZDF-Fernsehgarten« reingesoffen (und uns mit reingezeckt für den großen Hinter-den-Kulissen-Bericht).
Und auch wieder rausgesoffen. Die fanden die Aktion ja gar nicht so gut.
Waren deine Band-Opas das Problem oder das »FCK NZS«-Shirt?
Ich glaube, das war so ‘ne Mischung, das war einfach zu viel für die. Die fühlten sich verarscht. Dabei wollten wir die gar nicht verarschen. Wir mussten natürlich als gediegene Punkband was Politisches machen und unseren Ruf verteidigen.
Ihr seid aber gar keine Punkband.
Wir sind ja auch nicht politisch.
Warum eigentlich nicht?
Ich weiß einfach nicht, wo ich bei Politik anfangen soll. Du kannst dich natürlich auf ‘ne Bühne stellen und sagen: »Wir sind gegen Nazis.« Das ist mir aber irgendwie zu platt; wenn das meine einzige Aussage ist, würde ich mich schämen. Ich hab nix gegen Leute, die das machen. Ich kann das aber nicht glaubhaft rüberbringen. Obwohl ich der Türke bin. Oder eben genau deshalb.

Fünfter Wodka: Erdbeer

Guck mal, die haben auch Beluga-Wodka. Meinst du, die verwenden dafür Walsaft?
Nee, Waleier! Und wenn wir Glück haben, schmeckt das auch genauso stark nach Beluga wie der Jalapeño-Wodka gerade nach Jalapeños geschmeckt hat.
Wie schmeckt wohl Beluga?
Fischig. Ist ja ein Fisch.
Nee, Wal ist ein Säugetier.
Ich hab leider einmal Wal gegessen ... Und es schmeckt leider fantastisch.
Leider? Warum hast du das dann gegessen?
Das wurde mir auf einer Blackmail-Tour in Japan untergejubelt. Ich hab gesagt, ich esse alles, außer Wal und Delfin. Wobei ich das mit dem Delfin heute revidieren würde, der Delfin ist ein ganz böser Fisch! Der verarscht alle mit seiner Niedlichkeit.
Woher weißt du das?
Wie alle Gescheiterten gucke auch ich sehr viele Tierdokus. Und da war das mal Thema, was für ein mies gelauntes Tier der Delfin ist. Ein ganz linker Raubfisch. Der hat so viel falsch gemacht, dass ich immer noch einen Hals auf den hab. Ich weiß aber, wenn der vor mir stehen würde, würde ich den auch niedlich finden und sagen: »Komm, lass mal über deine Fehler hinwegsehen, trink noch eene mit. Schwamm drüber!«

 

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