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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Vessel«

Frankie Cosmos

Selbstironisch tagträumt Frankie Cosmos von der zwischenmenschlichen Agonie in ihrem Mikrokosmos. Ihr Album »Vessel« ist ein solides Lo-Fi-Brett, das mühelos die seelenvollen Geister der C-86-Tapes wachruft.

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Mehr als 400 Songs hat Greta Kline alias Frankie Cosmos mittlerweile veröffentlicht, größtenteils ausschließlich digital. Und selbst wenn die Antifolk-Weirda für ihr drittes Album mal wieder mit Band in ein Studio gestolpert ist, kann man die Kerntendenzen der liebenswert stümperhaften Tracks immer noch an ihrer schlafanzüglichen Aufsässigkeit ablesen. Dass ihre Musiksozialisation im Kreise ihres berühmten Schauspieler-Daddys Kevin stattgefunden hat, erklärt möglicherweise ihre nostalgische Verklärung des C-86-Tapes, das Mitte der 1980er Twee-Geister wie The Pastels oder Talulah Gosh in den Fokus schüchterner Tagträumer oder eben distinktionsbesoffener Kultur-Feingeister rückte.

Die warmherzige Unordnung der New Yorkerin und ihre selbstironische Unvollkommenheit ordnen sie bei Ersteren ein. Ihre Lyrics vom In-den-Tag-Hineinleben und dem Aufschieben von Aufgaben wirken so unbekümmert und entblößt, dass Greta Kline sicherlich auch Horoskope zu Wahrheiten verdichten könnte. Zwischen Grunge-Akkorden, melodischen Riffs und repetitiven Songstrukturen, die sich mit der Zeit selbst überdrüssig werden, verlässt sich der Bedroom-Lo-Fi-College-Punk auf »Vessel« jedoch manchmal zu sehr auf die Boy/Girl-Erzählungen (»Ballad Of R & J«) oder morgendliche Aufwärm-Banalitäten (»Bus Bus Train Train«) aus diesen fraglos putzigen Tagebuch-Offenbarungen.

Frankie Cosmos

Vessel

Release: 30.03.2018

℗ 2018 Sub Pop Records