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»Be More Kind«

Frank Turner

Mit seinem Albumtitel »Be More Kind« mag Frank Turner seine Mitmenschen gemeint haben, musikalisch aber auch sich selbst: Seine siebte LP zeigt den Briten poppig-freundlicher denn je. Doch beeinträchtigt das seine altbekannten Qualitäten, oder stellt es sie sogar noch deutlicher heraus?

 

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»Ich wollte aus meiner Komfortzone herausgehen und etwas anderes machen«, sagt Turner über die Entstehungsgeschichte seines mittlerweile siebten Albums »Be More Kind«. Aber schon »1933«, der zweite Song, zeigt: So richtig aus seiner Haut kann der gute Frank dann doch nicht. Abgesehen davon, dass hier eventuell ein bis zwei Instrumente hinzugekommen sind, ist das schon ein typischer Song, der auch prima auf die vorherigen sechs LPs gepasst hätte. Ein kleines bisschen anders klingt »Be More Kind« zwar schon: anders arrangiert, größere Instrumenten- und Effekt-Auswahl. Dazu Streicher, die man sich hätte sparen können, und an vielen Stellen etwas mehr Pop und etwas weniger Punk. Aber einen deutlichen Schritt aus der Komfortzone tut Turner mit dem Album trotzdem nicht. Doch was spricht denn dagegen, dass man das, was man gut kann, eben nur ein bisschen variiert und keine allzu großen Experimente wagt? Davon abgesehen ist das Markanteste an Frank Turner eben auch seine Stimme, und selbst mit viel gutem Willen kann man daran ja nun wenig ändern. Und ehrlich: warum auch?
David Winter

 

»Be More Kind« – mit diesem Ansinnen hat Frank Turner zweifelsohne recht. Und so gerne man ihn dabei auch unterstützen möchte, bringt es doch nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Dabei haben wir uns ja schon längst damit abgefunden, dass sich bei dem bodenständigen britischen Folk-Rocker mit dem Herz am rechten Fleck eigentlich gar nichts ändert, und können seine Qualitäten goutieren: ein verdammt eingängiges Songwriting, ein paar verdammt wahre Ansichten. Auf seinem siebten Studioalbum »Be More Kind« folgt zum Beispiel ein »By making racists ashamed again« auf ein »Let’s make America great again« – so einfach, so treffend. Damit kann Turner zweifelsohne weiter der die Guten ermutigende Live-Act am Festivalnachmittag oder im Konzertsaal bleiben, und niemand müsste ihm böse sein. Trotzdem driftet »Be More Kind« im Laufe seiner Spielzeit zu sehr in Richtung einer Schlichtheit ab, die man einfach nicht mehr so stehen lassen möchte. Beim Einstieg mit der Außenseiter-Hymne »Don’t Worry« und dem astreinen »1933« ist noch alles in Butter, und auch erwähntes »Make America Great Again« besitzt Kraft. Aber im weiteren Verlauf geraten zu viele seiner potenziell guten Songs zu windelweich und einfach, manchmal muss man gar einen Coldplay-Effekt befürchten. »There She Is« oder »Common Ground« verspielen ohne Not und erkennbaren Grund ihr Potenzial und bauen auch textlich ab. So bleibt es leider auf mehr als der ganzen zweiten Hälfte der LP, nur die bedrückte Folk-Ballade »The Lifeboat« bildet eine Ausnahme. »Be More Kind« zeigt, dass Turner ein großartiger Emo- oder auch Folk-Sänger sein könnte, wenn er wollte, er aber zu sehr in Richtung einer blank geschliffenen Eingängigkeit tendiert. Das ist für sein Solo-Werk zwar keine neue Einsicht, hier tritt sie aber eindeutiger denn je zutage.
Christian Steinbrink

Frank Turner

Be More Kind

Release: 04.05.2018

A Polydor Records release; ℗2018 Xtra Mile Recordings Limited, under exclusive licence to Universal Music Operations Limited