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König Dave auf dem Thron

Foo Fighters live in Berlin

Die Foo Fighters machen das beste aus Dave Grohls Verletzung. Beim Konzert in Berlin sitzt Grohl auf einem Thron und neben einem überraschenden Opener gibt es zahlreiche weitere Hits und einen prominenten Gast. 
Geschrieben am
8.11.2015, Berlin, Mercedes Benz Arena

»Hello, I’ve waited here for you…everlong.« Nein, wir sind noch nicht am Ende des Konzerts angekommen und die Foo Fighters spielen schon ihren größten Hit. Es ist der Opener eines sehr langen und großartigen Abends.  

Eigentlich kann man den Engländern die »Schuld« geben: seit die Foo Fighters von kleineren, intimen Venues in Stadien wie die Wembley-Arena gezogen sind, kann man Ihnen eine gewisse Mainstreamigkeit nicht verhehlen. 
Ja, Dave Grohl gilt als der netteste Rockstar des Planeten. Ja, er holt regelmäßig Fans auf die Bühne oder auch mal seinen alten Highschool-Buddy. Kein Tag vergeht, ohne das eine Nachricht über die Foo Fighters die Musikmedien beherrscht. Doch will und vor allem braucht man das?Grohl selbst steht zu seinen Wurzeln in der Punk- und Hardcoreszene aus Washington D.C.. Das war die Zeit, bevor er Schlagzeuger bei Nirvana wurde.  

Das Publikum ist eine Mischung aus denen, die sich freuen, einen Babysitter gefunden zu haben und Hardcore-Fans, deren stolz geschwellte Brust von einem Tourshirt von 1997 geziert wird. Die Stimmung liegt irgendwo zwischen Schunkelmodus und kollektivem Ausrasten.


Für Unterhaltung an diesem Abend sorgt nicht nur Dave Grohls fahrbarer Thron, den er sich nach seinem Beinbruch hat bauen lassen. Die Foo Fighters glänzen durch kleine Gesten, mit denen sie sich dagegen stemmen, zum Klischee einer Rockband zu verkommen.  

Welche Band würde »Blackbird« von den Beatles anspielen, nur um kurz danach mit »All My Life« die komplette Halle zu planieren? Wer würde einen der Urväter der amerikanischen Indieszene, Bob Mould von Hüsker Dü, auf die Bühne holen, um mal kurz zwei Songs inklusive Kiss’ »Detroit Rock City« runterzubrettern? Zu »Big Me« gibt es ein Lichtermeer aus Feuerzeugen und Handys, gewidmet wird der Song der tapferen Tourcrew.



Die zwischenzeitlichen Jamsessions sind zwar weniger rau als die Zeiten der Jahrtausendwende, zeigen jedoch, dass hier gestandene Musiker auf der Bühne stehen - und keine unerreichte Rockgötter, zu welchen die Band oft erhoben wird.  

Und doch bleibt ein fader Beigeschmack, als zum letzten Drittel des 2 1/2-stündigen Konzertes die Luft irgendwie raus ist. Oder war es doch die wohl schmierigste und überflüssigste Foo Fighters-Nummer, »Wheels«, die nirgendwo außer in Deutschland Erfolg hatte? Selbst der Band fällt es schwer, dabei Begeisterung zu zeigen. »Best Of You« bildet den Schlusspunkt eines an Höhepunkten nicht armen Konzertabends.  

Diese Höhepunkte in den für sich richtigen Kontext einzuordnen und zu verarbeiten, dürfte noch eine Weile dauern.