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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Überraschungsmomente muss man leben

Foo Fighters im Interview

Bei jedem Album nehmen sich die Foo Fighters vor, etwas zu schaffen, das irgendwie anders ist als alles, was sie vorher gemacht haben. Warum sie glauben, es mit »Concrete And Gold« geschafft zu haben, erzählten Bassist Nate Mendel und die Gitarristen Pat Smear und Chris Shiflett Kristina Baum beim Interview in Berlin.
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Ehrlich jetzt: Wie kriegt ihr es eigentlich hin, vor 85.000 Zuschauern, wie zuletzt gerade beim Lollapalooza in Berlin, so entspannt zu wirken?
Chris: Die Zuschauer hier sind immer sehr energetisch. Ein Publikum mit 85.000 Menschen wird nie langweilig. Unsere Anreise war aber etwas untypisch. Wir hatten unseren Anschlussflug am Samstag verpasst und kamen einen Tag später als geplant an.  

Ihr hättet’s fast nicht geschafft?

Chris: Darüber haben wir echt gelacht, weil das bei einer Tour schon lange nicht mehr passiert ist. Es war ein komisches Wochenende für uns. Weil alle so glücklich waren, dass wir endlich ankamen, hatten wir aber wirklich gute Laune.  

Wie ich hörte, habt ihr das Privileg, immer einen eigenen Jam-Room im Backstage-Bereich zu bekommen?

Chris: Es ist gut, sich vor der Show ein bisschen aufzuwärmen. Manchmal laden wir auch Leute ein. Beim Lollapalooza war es lustig, weil Taylor mit Perry Farrell, dem Gründer des Festivals, befreundet ist. Die beiden schrieben sich tagsüber, ob er einen Song mit uns singen würde und wir dachten alle, dass wir »Been Caught Stealing« spielen würden und probten das dann ohne Perry. Wir wussten, dass er zu uns auf die Bühne kommen würde und als es soweit war, kam Nate zu mir rüber und fragte mich plötzlich: »Hey, wie ist nochmal der Akkord im Refrain zu ›Mountain Song‹?« Und alle schauten sich fragend an: »Ach spielen wir den?«
Pat: Wo wir gerade davon sprechen: Ich habe diesen einen Erste-Reihe-Typen gar nicht gesehen. Es gibt diesen Kerl – aus irgendeinem Grund dachte ich immer, dass er Deutscher ist – er war bisher in jeder Show dieses Jahr. Überall! Von Asien bis Island. Ich dachte nur: Jetzt sind wir in seinem Heimatland und er kommt nicht! Das war die erste Show, die er nicht besucht hat.
Lasst uns über das neue Album »Concrete And Gold« sprechen: Ihr sagt selbst, dass es klingt, als würde Motörhead eine neue Version von »Sgt. Pepper« aufnehmen. Was unterscheidet die Platte eurer Meinung nach von den Vorgängern?
Pat: Wir denken immer, dass wir ein Album machen, das so anders klingt als die anderen davor. Diesmal haben wir es aber geschafft!
Nate: Wir wollten das schon bei einigen Alben davor machen. Richtig experimentieren, etwas komplett Neues machen. Dann sitzt man mit demselben Songwriter da, denselben Typen und mit den gleichen Methoden. So geht man mit einer Platte raus, die nicht komplett anders ist. Diesmal war es anders – die letzten Alben waren eher Projekte, zum Beispiel als wir in Daves Garage aufgenommen und zum ersten Mal mit Butch Vig gearbeitet haben oder als wir diese Fernsehsendung machten und dafür viel herumgereist sind. Diesmal sind wir ganz klassisch ins Studio gegangen, haben einen Produzenten engagiert und ihm die Möglichkeit gegeben, wirklich seinen Job zu machen, statt nur im Studio zu sitzen und eine zweite Meinung abzugeben. 

Warum ist es ausgerechnet Greg Kurstin geworden?

Nate: Greg Kurstin hat seine eigenen Ideen eingebracht, die er aus seinem tiefen Musikverständnis schöpft. Mit so jemandem haben wir noch nie zusammengearbeitet. Er hat diesen verwurzelten Jazz-Background, das merkt man vor allem in den multidimensionalen Harmonien. Er hat sie einfach im Kopf und kommt deshalb auf Melodien, die wir selbst nie zustande bekommen würden. Das lässt das Album anders, größer, breiter klingen. Für die akustischen Eigenheiten streute er viele Effekte ein, ließ alles auch mal dreckig und verzerrt klingen. Da halten wir uns normalerweise zurück – wir arbeiten für gewöhnlich synchron, ziemlich kompakt und auch recht simpel, wenn wir einen Song voranschrauben. Greg hat das beiseite gepackt und gezeigt, dass wir auch etwas Anderes können als nur kraftvoll zu spielen.

Das hört man vor allem in »Happy Ever After«, fast ein kleiner Ausflug nach Hawaii?

Pat: »Happy Ever After« war einer der letzten Songs. Genau wie »Dirty Water« und »The Sky Is A Neighborhood«. Wir waren eigentlich schon fertig mit den Aufnahmen, da kam Dave damit um die Ecke.

Für »Concrete And Gold« habt ihr Paul McCartney für einen Schlagzeug-Track (»Sunday Rain«) engagiert, außerdem habt ihr Justin Timberlake und Shawn Stockman von Boyz II Men spontan zum Singen eingeladen;  mit welchen Künstlern würdet ihr in der Zukunft auch gern mal zusammenarbeiten?
Pat: Keine Ahnung. Habt ihr eine Wunschliste?
Nate: Lena Horne.
Pat: Lebt die noch?
Chris: Wir durften vor einer Weile mal als Backingband für Mick Jagger spielen. Das war einer der besten Momente meines Lebens, weil ich so ein riesiger Stones-Fan bin. Aber ich habe noch nie Keith Richards getroffen. Wenn es also irgendwann mal möglich ist, irgendwas mit ihm zu machen, würde ein Traum für mich in Erfüllung gehen.
Pat: Hast du jemanden?
Nate: Nein. All meine Wünsche wurden mir schon erfüllt. Aber ich sage Laura Mvula. Sie ist badass. Pat: Vielleicht Britney. Aber da bräuchte ich wohl eine Zeitmaschine, um das zu machen.

Foo Fighters

Concrete and Gold

Release: 15.09.2017

℗ 2017 Roswell Records, Inc. under license to RCA Records, a unit of Sony Music Entertainment