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Von Betteln und Moshen

Foals live in Berlin

Beim einzigem Deutschland Konzert hilft kein Betteln und kein Flehen, die linke Spur wird einfach nicht verlassen. Mit voller Energie brettert die Band durch ein Wahnsinns-Set und zum Schluss schmeißt sich Sänger Yannis vom Balkon. Indie-Rock soll tot sein? Bullshit!
Geschrieben am
08. September 2015, Kesselhaus, Berlin

»Moshen? Ihr wollt moshen? Yeah, ich bin dabei!«, schreit einem eine enthusiastische Frau entgegen, als man sich vor Konzertbeginn über das allgemeine Verhalten innerhalb eines Moshpits unterhält. Ein wenig ängstlich schaut man in die Runde. Puh, die vielen weibliche Fans und modisch gekleidete Hipster um einen herum sollten ein Garant für geringere Kollateralschäden am eigenen Körper sein. Selten so geirrt.
Bereits mit den ersten Tönen von »Snake Oil« werden die Ellbogen ausgefahren, liebevoll der Partner in die Menge getreten, die Matten geschüttelt. Was die folgenden 80 Minuten im Kesselhaus passiert, dürfte auf Jahre hinaus ein Gespräch für Indie-Stammtische sein. »Bitte spielt etwas langsameres, bitte, bitte, bitte!“, fleht halb im Ernst ein Zuschauer zur Hälfte des Sets, um etwas durch zu schnaufen.
»My Number«, »Providence«, »Mountain At My Gates« - auch wenn man nicht den Musikantenstadl zitieren will, möchte man ein »Hits! Hits! Hits!« raushauen. »Fuck Yes, Berlin!« schreit Sänger Yannis in die Menge und schreitet mit breiter Brust an den Bühnenrand, um kurz inne zu halten. Die Band schaut glücklich verwirrt in die weite Runde, als ob die das gerade Geschehene nicht begreifen. Von solchen Gigs träumen Bands. Wenn das Publikum sich beispielsweise geschlossen und spontan bei einem der wenigen ruhigen Momente des Konzertes hinsetzt und eine sichtlich gerührte Band hinterlässt. Wenn Yannis immer wieder in die Menge springt und den direkten Körperkontakt sucht. Wenn Gitarrist Jimmy Smith unter einem Handtuch versteckt mit dem Roadie an der Seite Shots trinkt. Wenn die Leute nicht wie bei den meisten Konzerten wild ihre Smartphones in die Höhe recken, sondern stattdessen alle Extremitäten (teilweise koordiniert) zum Einsatz bringen. 

Die anschließende Zugabe dürfte die nächste Zeit für zahlreiche feuchte Träume sorgen. Der Song des Jahres 2013, »Inhaler«, wird abgelöst von dem Song des Jahres 2015, »What Went Down«, und würden selbst Tom Morello anerkennend nicken lassen. Was für Bretter! Beim letzten Song des Sets, »Two Steps Twice«, verschwindet auf einmal Yannis von der Bühne, nur um kurz später auf dem vier Meter hohen Balkon stehend aufzutauchen. Die Menge wird kurz rangiert, um exakt beim emotionalen Höhepunkt des Songs abzuspringen. Fuck yes, Berlin!