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...Red Nicht Von Strassen, Nicht Von Zügen

Flowerpornoes

Nach 'Mama's Pfirsiche' nun der zweite sich allein dem deutschen Sprachgut verpflichtet fühlende musikalische Output der FLOWERPORNOES. War 'Mama's Pfirsiche' der gelungene Versuch, Heimat und Ruhe zu finden - nicht zuletzt auch in der Liwa eigenen Vita - so hat er mit 'Red Nicht Von...' sowie bürge
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Autor: intro.de

Nach 'Mama's Pfirsiche' nun der zweite sich allein dem deutschen Sprachgut verpflichtet fühlende musikalische Output der FLOWERPORNOES. War 'Mama's Pfirsiche' der gelungene Versuch, Heimat und Ruhe zu finden - nicht zuletzt auch in der Liwa eigenen Vita - so hat er mit 'Red Nicht Von...' sowie bürgerlicher Manifestation in Form von Ehe und partieller bildungsbürgerlicher Akzeptanz in Form von Berliner Volksbühnenreputanz und Zeitmagazin-Beitrag die früher auch musikalische Zerrissenheit überwunden, um nunmehr endlich von Abschieden, Verlusten, Orientierungslosigkeit und nicht zuletzt vom Tod zu sprechen. Man merkt Liwa - auch allein schon stimmlich - an, daß er ausgeglichen in sich selbst ruht. Der verschrobene kasperhafte Kauz von einst ist zu einem ernstzunehmenden Chansonnier gereift. Liwas Stärke sind die textlichen Inhalte - bewußt intim, ohne dabei auch nur annäherungsweise die Lächerlichkeit eines Seelenstriptease zu haben, nie moralisierend und doch voller Moral, gereift an der eigenen Biographie fernab akademischer Unverständlichkeit. 'Red Nicht Von Straßen...' ist viel zu groß und wahr und damit schön, um sie in einer CD-Länge zu durchleben. Musikalisch bewegt sich das Ganze im Fahrwasser vertonter Prosa, ohne dabei beliebig zu sein. Die Musik der FLOWERPORNOES plätschert angenehm harmonisch chansonesk dahin, atmosphärisch dicht, Stimmungen transportierend und auskostend, wobei die Feedback-Gitarre in einem Song geradezu rührend wirkt. 'Red Nicht Von...' würde ich die Verkaufszahlen wünschen, die die FLOWERPORNOES bereits mit ihrem Vorgänger erreicht haben müßten, angesichts einer durchaus massengeschmackskompatiblen Vertonung und einer in Deutschland selten gehörten intelligenten textlichen Authentizität. Doch allen Unkenrufen zum Trotz wird sich aller Voraussicht nach wieder einmal bestätigen, daß studentoide Gschmacksunsicherheit sich wird weiterhin eher betören lassen vom linken Chauvinismus eines NIEDECKEN und des Möchtegern-Proll-Charmes eines STOPPOK. Sei's drum, die FLOWERPORNOES beweisen einmal mehr: (deutsche) Popmusik muß nicht dumm sein.